Heute, am 8. Juni 2026, stehen die Zeichen für die Kinder- und Jugendpsychiatrie im Burgenland auf Veränderung. Vor 13 Monaten wurde die Warteliste für die Kinder- und Jugendpsychiatrie aufgrund eines akuten Fachkräftemangels gesperrt. Ein Umstand, der nicht nur besorgniserregend ist, sondern auch die Betroffenen stark belastet. Der damalige ärztliche Leiter hat das Burgenland bereits verlassen, und die Situation spitzt sich weiter zu. Brigitte Hackenberg, die Landeskoordinatorin für Kinder- und Jugendpsychiatrie, trat aus Protest zurück. Ihr Rückzug ist ein klares Zeichen für die unhaltbare Versorgungssituation, die sie heftig kritisierte. Es fehlt an einem Gesamtkonzept, an Tageskliniken und an ambulanten Angeboten – ein Zustand, den sich niemand wünschen kann.

Die Probleme sind vielfältig. Andreas Kollar wurde als neuer Fachbereichsleiter für den Psychosozialen Dienst und die Kinder- und Jugendpsychiatrie ernannt. Soziallandesrat Leonhard Schneemann bezeichnete Kollar als „Wunschbesetzung“. Doch der Druck ist enorm. Das Burgenland hat lediglich drei Ambulatorien für unter 18-Jährige in Oberwart, Eisenstadt und Neusiedl am See, was für die steigende Nachfrage bei weitem nicht ausreicht. Kollar wird die fachliche Bündelung und Steuerung der psychosozialen Angebote übernehmen, und Schneemann wünscht sich eine integrierte Betrachtung aller Angebote – für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Herausforderungen und Perspektiven

Ein weiteres Problem ist der fehlende Kassenvertrag für niedergelassene Kinder- und Jugendpsychiater im Burgenland. Aktuell besteht ein Bedarf von fünf Kinder- und Jugendpsychiatern, die Leitung wurde jedoch nicht nachbesetzt. Kollar betont, dass ein attraktives Arbeitsumfeld wichtiger sei als das Gehalt. Ein interessanter Gedanke, der vielleicht auch andere Fachkräfte anziehen könnte. Hackenberg hat in ihrer Zeit im Burgenland nur einmal einen Entscheidungsträger zu einem Treffen bringen können – ein Zeichen für die Dringlichkeit, die politisch Verantwortlichen für Gesundheit, Bildung und Soziales an einen Tisch zu bringen.

Die Situation bleibt angespannt, und es gibt noch viel zu tun. Es wird ein Psychiatriekonzept entwickelt, an dem Kollar mitarbeiten wird. Dieses Konzept wird vom Grazer Entwicklungs- und Planungsinstitut für Gesundheit (EPIG) erstellt. Es bleibt abzuwarten, ob dies der Durchbruch ist, den die Region dringend benötigt. Die Bereitstellung von geeigneten Ressourcen und die Schaffung eines funktionierenden Systems sind entscheidend, um die Kinder und Jugendlichen, die Hilfe brauchen, nicht im Stich zu lassen.

Die Herausforderungen, vor denen die Kinder- und Jugendpsychiatrie im Burgenland steht, sind nicht nur lokal, sondern spiegeln ein größeres Problem wider, das viele Regionen betrifft. Der Fachkräftemangel in der Psychiatrie ist ein ernstes Thema, das nicht ignoriert werden darf. Die Verantwortlichen sind gefordert, kreative Lösungen zu finden und ein nachhaltiges System für die psychosoziale Versorgung zu entwickeln. Nur so kann einer wachsenden Krise entgegengewirkt werden, die nicht nur die Betroffenen, sondern auch die gesamte Gesellschaft betrifft. Es bleibt zu hoffen, dass die neuen Entwicklungen im Burgenland nicht nur Lippenbekenntnisse sind, sondern echte Fortschritte mit sich bringen.

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Weitere Informationen finden Sie auf burgenland.orf.at.