Heute ist der 8.05.2026 und die Nachrichten aus Neusiedl am See sind alles andere als erfreulich. Der Vorsitzende des Zentralrats der Sinti und Roma, Romani Rose, äußert sich schockiert und fassungslos über einen Vorfall, der an dunkle Zeiten erinnert. In einer mittlerweile gelöschten Mitteilung hatte die Polizei die Bevölkerung aufgefordert, keine Waren vom „fahrenden Volk“ zu kaufen und deren Dienstleistungen nicht in Anspruch zu nehmen. Ein Aufruf, der Erinnerungen an die Nationalsozialisten wachruft, die 1933 zur Boykottierung jüdischer Geschäfte aufriefen. Wie konnte es nur so weit kommen?

Rose, der sich seit vielen Jahren für die Belange der Sinti und Roma einsetzt, macht deutlich, dass solche Äußerungen nicht nur unangebracht sind, sondern auch gefährlich. In seiner Ansprache appellierte er an Innenminister Karner von der ÖVP, disziplinarische Maßnahmen gegen die Verantwortlichen bei der Polizei einzuleiten. Dieser Vorfall reiche nicht nur an die Oberfläche von Vorurteilen, sondern zeige, wie tief Antiziganismus in der Gesellschaft verankert ist. Dabei ist das Rahmenübereinkommen zum Schutz nationaler Minderheiten des Europarates, das 1998 in Österreich in Kraft trat, klar: Der Staat ist verpflichtet, Antiziganismus entgegenzuwirken. Und das ist dringend notwendig, denn die Ängste und Vorurteile scheinen gerade wieder zu wachsen.

Der Kampf gegen Antiziganismus

Antiziganismus, ein Begriff, den der Zentralrat über viele Jahre in der Öffentlichkeit etabliert hat, beschreibt eine jahrhundertealte Feindschaft und Ablehnung gegen Sinti und Roma. Oft werden sie von der Mehrheitsgesellschaft als „Zigeuner“ bezeichnet, ein Begriff, der nicht nur beleidigend, sondern auch entmenschlichend ist. Rose hebt hervor, dass die Sprache, die in öffentlichen Debatten verwendet wird, zur Spaltung zwischen Minderheit und Mehrheit beitragen kann. Begriffe wie „Gadje-Rassismus“ schaffen eine Trennung zwischen „Wir“ und „Die anderen“, die nicht nur gefährlich, sondern auch unnötig ist.

Die Bürgerrechtsarbeit des Zentralrats hat seit fast 50 Jahren zur Anerkennung der Sinti und Roma beigetragen. Gemeinsam mit der Mehrheitsgesellschaft wurden Erfolge erzielt, die nicht unbeachtet bleiben sollten. Der Hungerstreik von Dachau im Jahr 1980, initiiert von Sinti und Roma, erhielt Unterstützung von Teilen der Gesellschaft und zeigte, dass der gemeinsame Kampf gegen Rassismus und Diskriminierung möglich ist. Die Anerkennung des Holocaust an den 500.000 Sinti und Roma in Europa ist eine direkte Folge dieser Bemühungen. Doch die aktuellen Ereignisse in Neusiedl am See machen deutlich: Der Weg ist noch lang.

Die Besorgnis des Zentralrats über den europaweiten Vormarsch nationalistischer Kräfte, die Rassismus und Hetze propagieren, ist mehr als berechtigt. Diese Kräfte haben in Österreich zur stärksten politischen Kraft gewonnen und bringen eine Atmosphäre der Angst und Ausgrenzung mit sich. Rose fordert daher nicht nur von den Behörden, sondern auch von der Gesellschaft, dass alle gemeinsam gegen diese Tendenzen vorgehen. Menschenrechte sind eine gemeinsame Aufgabe und es erfordert den Einsatz aller, um den gesellschaftlichen Spaltungsversuchen entgegenzuwirken.

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