Am Montagabend fand im Weinwerk in Neusiedl am See ein ganz besonderer ökumenischer Themenabend statt, der die Gäste in seinen Bann zog. Dr. Gregor Gysi, langjähriger Bundestagsabgeordneter der Partei Die Linke und ehemaliger Vorsitzender der PDS, war der Hauptredner. Er teilte seine Sicht auf eine Gesellschaft ohne Gott und entblätterte dabei die Facetten seines Lebens, das von einer atheistischen und kommunistisch geprägten Erziehung in Ost-Berlin bis hin zu seiner Karriere als Anwalt, Politiker und Autor reicht. Gysi, der sich als bekennender Atheist bezeichnet, fand es jedoch schwierig, sich eine Gesellschaft ohne Kirche vorzustellen, was für viele anwesende Zuhörer durchaus nachdenklich stimmte.

Der 78-Jährige erzählte mit einem Schuss Humor von seiner Ausbildung zum Facharbeiter für Rinderzucht – eine Ausbildung, die wohl nicht jeder Politiker vorweisen kann. Sein Werdegang führte ihn schließlich an die Hochschule für Ökonomie, wo er jedoch bald zum Jura-Studium wechselte. Es war faszinierend, wie er mit seinen persönlichen Erlebnissen die Wendezeit und das Zusammenwachsen von Ost und West beleuchtete. Gysi erläuterte auch die Bedeutung der zehn Gebote und der Bergpredigt für die allgemeine Moral in der Gesellschaft. Dabei nahm er Karl Marx ins Visier und stellte klar, dass Marx nicht gesagt hat, Religion sei „Opium für das Volk“, sondern vielmehr „Opium des Volkes“.

Religion und Moral

Gysi kritisierte, dass viele Atheisten die Rolle der Religion in der Gesellschaft unterschätzen. Er erklärte, dass für viele Menschen Religion Trost und Hoffnung bietet – etwas, das Atheisten oft nicht in dem Maße erfahren können. Das führte zu einer interessanten Diskussion über die moralischen Werte, die oft mit religiösen Lehren verbunden sind. Gysi hob die Bedeutung des Christentums für die Geschichte und Kultur Europas hervor und betonte in einem Gastbeitrag für die „Herder Korrespondenz“, wie viele Menschen auch über 2000 Jahre nach Jesu Geburt und Kreuztod an ihn glauben. Diese Glaubensüberzeugung gibt ihnen Kraft und Inspiration.

Er führte weiter aus, dass die Lehren Jesu sozialrevolutionäre Elemente enthalten, die für die politische Linke von Bedeutung sind. Nächstenliebe, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit seien Werte, die in der heutigen Gesellschaft nicht verloren gehen dürften. Gysi warnte vor der Vorstellung, dass ohne Religion keine herrschende Moral existieren könnte. Dabei ist es interessant zu hören, dass er, obwohl er aus einem kommunistischen Elternhaus stammt und nicht religiös ist, dennoch die Notwendigkeit sieht, sich mit Religionen auseinanderzusetzen. Toleranz und Verständnis sind für ihn wichtig, um die kulturellen Wurzeln Europas zu würdigen – schließlich ist die Kultur des Kontinents stark durch das Christentum geprägt.

Insgesamt bot der Abend im Weinwerk einen tiefen Einblick in die Gedankenwelt von Gregor Gysi. Seine charmante Art und seine Fähigkeit, komplexe Themen verständlich zu machen, hinterließen einen bleibenden Eindruck. Man konnte förmlich spüren, wie die Zuhörer in seinen Bann gezogen wurden, als er seine Ansichten über eine Welt ohne Gott darlegte und gleichzeitig die Relevanz der Religion für die Gesellschaft hervorhob. Ein Abend, der sicher noch lange nachklingen wird.

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