Wenn die Diagnose einer Krebserkrankung fällt, beginnt für Betroffene nicht nur eine medizinische Behandlung. Oft müssen rasch Entscheidungen getroffen werden, eine Therapie startet, mögliche Isolation steht im Raum – dazu kommen finanzielle und familiäre Sorgen. Am Landeskrankenhaus Feldkirch wurde deshalb ein Distress-Screening für Menschen mit neu diagnostizierten hämatologischen Neoplasien eingeführt.

Weltweit wurden 2020 schätzungsweise 18,1 Millionen neue Krebsfälle diagnostiziert. Bis 2040 wird ein Anstieg auf rund 28 Millionen Neuerkrankungen pro Jahr erwartet. Gerade in dieser Situation soll psychosoziale Belastung nicht erst dann auffallen, wenn sie bereits unübersehbar ist, sondern schon bei der Diagnosestellung systematisch erfasst werden.

Screening nach der Knochenmarkpunktion

Simone Boesch präsentierte die Ergebnisse aus den Jahren 2024 und 2025 bei der psychoonkologischen Sitzung der Jahrestagung für Hämatologie und Onkologie in Wien. Im Rahmen der Zertifizierung als hämatologisches Zentrum wurde über zwei Jahre das standardisierte NCCN-Distress-Thermometer eingesetzt – eine Skala von 0 bis 10, ergänzt durch eine Problemliste.

Das Screening findet bei der Erstdiagnose standardisiert nach der Knochenmarkpunktion statt. Die Patientinnen und Patienten werden aktiv angesprochen, das Formular gibt das Sekretariat aus. Von 267 neu diagnostizierten Personen wurden 2024 und 2025 insgesamt 195 gescreent. Das entspricht einer Screening-Rate von 73,0 Prozent. 2024 lag sie bei 68 Prozent, 2025 bei 78 Prozent.

Der Anteil jener Menschen, die auf dem Distress-Thermometer mindestens 5 Punkte erreichten und damit als klinisch relevant belastet galten, nahm zu: 2024 waren es 39 von 90 Personen oder 43 Prozent. 2025 überschritten 58 von 105 Personen beziehungsweise 55 Prozent diese Schwelle. Das entspricht einer absoluten Zunahme von 12 Prozentpunkten. Das relative Risiko lag bei etwa 1,27, das 95-%-Konfidenzintervall bei 0,95–1,71.

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Mehr Belastung, aber kein einfacher Durchschnitt

Der mittlere Distress-Score stieg von 4,22 im Jahr 2024 auf 4,56 im Jahr 2025 – eine Veränderung um plus 0,34 Punkte. Das 95-%-Konfidenzintervall reichte von −0,51 bis 1,19. Die Standardabweichung lag 2024 bei 3,13 und 2025 bei 2,91. Der Mittelwert bildet die Belastung der klinisch relevanten Teilgruppe deshalb nur eingeschränkt ab.

Dort lag der durchschnittliche Distress-Score 2024 bei 7,33 und 2025 bei 6,81. Zugleich stieg der Männeranteil in dieser Gruppe von 49 auf 62 Prozent. Zahlen, die auffallen – aber nicht automatisch erklären, warum sich die Belastung verändert hat.

Die Daten sind deskriptiv und belegen keine kausalen Zusammenhänge. Sie zeigen jedoch, dass 2025 mehr als die Hälfte der gescreenten Personen die Schwelle für klinisch relevanten Distress überschritt. Das kann im Alltag leicht untergehen: Nicht jede große Sorge wird ausgesprochen, und nicht jede Überforderung ist von außen zu sehen.

Gespräch und soziale Unterstützung

Alle gescreenten Personen erhielten mindestens ein psychoonkologisches Gespräch. Weitere Kontakte wurden je nach Bedarf angeboten. Parallel dazu nahm die Inanspruchnahme der Klinischen Sozialarbeit zu: 2024 waren es 39 Prozent beziehungsweise 35 Personen, 2025 bereits 51 Prozent beziehungsweise 54 Personen. Das waren 19 Personen mehr.

Der Versorgungsprozess umfasst Screening, klinische Reaktion und nachvollziehbare Dokumentation. Genau diese Verbindung ist entscheidend: Ein ausgefülltes Formular allein hilft noch niemandem, wenn danach niemand Zeit für ein Gespräch hat oder soziale Unterstützung nicht erreichbar ist.

Als Konsequenzen werden daher mehrere Schritte genannt. Das Screening soll bereits bei der Diagnosestellung beginnen. Alle neu diagnostizierten Patientinnen und Patienten sollen erfasst werden, weil Belastungen nicht immer sichtbar sind. Außerdem braucht es ausreichende personelle Ressourcen, besonders in der Sozialarbeit. Screening und verfügbare Versorgungskapazitäten sollen miteinander verknüpft werden.

Erfahrungen aus Feldkirch

Die Erfahrungen aus Feldkirch sollen andere Zentren bei der standardisierten Einführung von Screenings und bei der Umsetzung konkreter Unterstützungsmaßnahmen unterstützen. Vorgestellt wurden die Ergebnisse bei der Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie in Wien am 10. Oktober 2026.

Zum verwendeten NCCN-Distress-Thermometer liegt in der zusätzlich angegebenen PDF-Quelle kein lesbarer Nachrichtenartikel und kein überprüfbarer Sachinhalt vor. Der übermittelte Inhalt besteht dort aus technischen PDF-Daten und komprimierten Binärströmen. Für die Einordnung der Feldkircher Ergebnisse lassen sich daraus daher keine weiteren Fakten ableiten.