In Feldkirchen stapeln sich derzeit die Zusatzhefte zum Eltern-Kind-Pass. Kinderarzt Alexander Springer lagert in seiner Ordination zahlreiche Exemplare. Der Grund: Der elektronische Eltern-Kind-Pass verzögert sich erneut. Statt wie ursprünglich geplant ab Oktober 2026 soll er voraussichtlich erst ab Oktober 2027 verpflichtend werden.

Die neuen Leistungen gelten allerdings bereits seit Oktober 2026. Bis die digitale Lösung funktioniert, werden Untersuchungs- und Beratungsergebnisse in den analogen Zusatzheften dokumentiert. Für Springer bedeutet das vor allem eines: mehr Schreibarbeit. Die zusätzlichen Themen würden ohnehin mit den Eltern besprochen, sagt der Feldkirchner Kinderarzt. Als Beispiele nennt er Fragen zu einer rauchfreien Umgebung und zu Gewalt.

„Weiterhin nur ein analoges Zusatzheft“

Nach acht Jahren Entwicklungszeit hinterfragt Springer die Umsetzung. Geplant war ein digitaler Pass, vorerst gibt es aber weiterhin Papier. Eine Rufschädigung für Kinderärztinnen und Kinderärzte erwartet er durch die Verzögerung nicht. Wünschen würde er sich eine einfachere Dokumentation – möglichst in digitaler Form.

Die Erfüllung der Leistungen aus dem Zusatzheft ist laut Springer nicht an das Kinderbetreuungsgeld gekoppelt. Für Eltern entsteht durch die Übergangslösung dennoch ein zusätzlicher Papierweg, während die eigentliche App noch auf sich warten lässt.

Als Grund für die neuerliche Verschiebung nennt das Gesundheitsministerium Probleme mit IT-Schnittstellen. Auf der Website des Ministeriums war zunächst weiterhin ein Start im Herbst 2026 angekündigt worden. Der elektronische Pass soll als Smartphone-App angeboten werden und sowohl die Verwaltung als auch die Nutzung vereinfachen.

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Mehr Untersuchungen und Beratung

Seit Oktober 2026 sind zusätzliche Angebote vorgesehen. Dazu gehören ein Gesundheitsgespräch zwischen der 14. und 20. Schwangerschaftswoche, eine frühere Hebammenberatung sowie eine erweiterte allgemein- und familienmedizinische Untersuchung. Bei erhöhtem Risiko soll ein Zuckerbelastungstest früher möglich sein. Außerdem sind eine zusätzliche Hebammenberatung und ein weiterer Ultraschall vorgesehen.

Ergänzt werden die Leistungen durch weitere Gespräche und Untersuchungen zu psychischen Belastungen während der Schwangerschaft und im Wochenbett. Familien können sich kostenlos in Familienberatungsstellen beraten lassen. Bestehende Angebote wie das Hörscreening und der Hüftultraschall sollen ausführlicher beschrieben werden.

Auf der ministeriellen Planung standen außerdem psychosoziale Beratung zu Beginn der Schwangerschaft, eine zweite freiwillige Hebammenberatung vor der Geburt und ergänzende Laboruntersuchungen nach fachlichen Empfehlungen. Für Schwangere ist Gesundheitsberatung vorgesehen. Eltern sollen unter anderem Informationen zur Vereinbarkeit von Beruf und Kinderbetreuung, zur Aufteilung der Elternzeit und zu den Auswirkungen von Teilzeitarbeit auf die Pension erhalten.

Vom Mutter-Kind-Pass zu ELGA

Der Pass begleitet in Österreich Schwangere und Kinder. Seit 1974 erhalten Schwangere den Mutter-Kind-Pass, seit 1. Januar 2024 trägt er den Namen Eltern-Kind-Pass. Die Untersuchungen dienen der Früherkennung und der rechtzeitigen Behandlung von Krankheiten bei Mutter und Kind. Laut Gesundheitsministerium richtet sich das Angebot an Schwangere und Kleinkinder bis zum fünften Lebensjahr.

Die Digitalisierung wurde bereits 2022 beschlossen. Untersuchungsergebnisse und Befunde sollen künftig elektronisch dokumentiert und einfacher zwischen behandelnden Ärzt:innen und Hebammen übermittelt werden können. Geplant ist außerdem, dass die Befunde in der Elektronischen Gesundheitsakte ELGA einsehbar sind. Geht der Pass verloren, soll damit auch die Dokumentation nicht mehr verschwinden.

Bis Herbst 2026 sollte der Eltern-Kind-Pass weiterentwickelt und erweitert werden. Die rechtliche Grundlage bildet das eEltern-Kind-Pass-Gesetz im österreichischen Rechtsinformationssystem RIS. Anpassungen vom Juli 2026 sind in BGBl. I Nr. 62/2026 enthalten. In der Praxis bleibt in Feldkirchen vorerst aber der Griff zum Zusatzheft – und auf Springers Schreibtisch wird der Papierstapel nicht kleiner.