Heute ist der 27.09.2026, und in Graz wird ein ganz besonderes Stück aufgeführt: Hector Berlioz‘ „La Damnation de Faust“. Unter der Regie von Lorenzo Fioroni hat die Inszenierung einen anspielungsreichen und ironischen Charakter, der die Zuschauer in seinen Bann zieht. Die musikalische Umsetzung ist zwar nicht ohne klangliche Abstriche, doch die Besetzung kann sich hören lassen und sorgt für eindrucksvolle Momente.

Méphistophélès wird von Nikita Ivasechko verkörpert, der in verschiedenen Outfits auftritt und die Rolle mit Bravour meistert. Unterstützt wird er dabei vom Grazer Opernchor, der Singschul’ des Hauses und dem Philharmonia Chor Wien, die zur Intensität der Aufführung beitragen. Johannes Braun dirigiert das Orchester, das – etwas bedauerlich – auf der Bühne platziert ist. Diese Entscheidung mag klanglich fragwürdig erscheinen, aber sie verleiht der Inszenierung dennoch eine besondere Note.

Eine schaurige Chemie

In dieser Inszenierung wird Faust als eine Art Schaubudenchemiker dargestellt, der versehentlich eine Explosion auslöst. Diese Interpretation bringt einen frischen, wenn auch sardonischen Wind in das bekannte Werk. Die Aufführung dauert zwei pausenlose Stunden und bietet den Zuschauern ein intensives Erlebnis, das Realität und Fantasie miteinander verwebt.

Pavel Petrov spielt Faust mit einer beeindruckenden stimmlichen und darstellerischen Intensität. Anna Brull als Marguerite bringt ihren dramatischen Mezzosopran zur Geltung und zieht die Zuhörer in ihren Bann. Das Ganze endet mit einem sehr speziellen Trickfilm, in dem Faust und Mephisto in die Lüfte aufsteigen, aber letztendlich zwischen Sputnik und den Engeln von Michelangelos Finger Gottes abgeschossen werden – ein skurriler und überraschender Abschluss, der zum Nachdenken anregt.

Ein Blick in die Vergangenheit

Die Uraufführung von Berlioz‘ Werk fand 1846 in Paris statt und war damals ein Misserfolg. Doch die künstlerische Idee hinter der Faust-Figur und deren Konflikt mit dem Teufel hat über die Jahre hinweg an Faszination nicht verloren. Berlioz‘ musikalische Umsetzung des Goethe-Dramas gilt als „dramatische Legende“ und wird auch heute noch von vielen geschätzt. Vor einigen Jahren, genauer gesagt am 22. November 2019, erschien eine Aufnahme von „La Damnation de Faust“, die mit positiven Rückmeldungen sowohl für die Aufführung als auch die Leistung des Orchesters bedacht wurde. Mitwirkende wie Joyce DiDonato und Michael Spyres haben dabei das Werk auf ein neues Level gehoben.

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Die Inszenierung in Graz ist ein weiterer Beweis dafür, dass die Auseinandersetzung mit klassischer Musik und Literatur lebendig bleibt. Die Mischung aus ironischen Elementen und musikalischer Intensität macht diesen Abend zu einem besonderen Erlebnis. Es bleibt spannend zu sehen, wie sich die Darbietung über die Grenzen der Bühne hinaus entwickeln wird – vielleicht wird „La Damnation de Faust“ ja doch noch der Durchbruch, den es schon lange verdient hat.