Im Klinikum Wels-Grieskirchen unterstützt seit 2011 ein da-Vinci-System die Chirurginnen und Chirurgen bei schwierigen Eingriffen. Knapp 5.000 Operationen wurden seither damit durchgeführt, allein 2025 waren es bisher rund 500. Der Roboter arbeitet dabei nicht auf eigene Faust. Gesteuert wird jeder Schritt von einer Chirurgin oder einem Chirurgen an einer Konsole.

Die Handbewegungen werden zitterfrei auf die Instrumente übertragen. Gleichzeitig zeigt eine hochauflösende 3D-Darstellung auch kleinste Körperstrukturen. Das kann je nach Eingriff kleinere Schnitte, weniger Blutverlust, geringere Schmerzen und eine schnellere Erholung ermöglichen. Gerade dort, wo gesundes Gewebe und wichtige Nerven geschont werden sollen, ist diese Unterstützung hilfreich.

Urologie als größtes Einsatzgebiet

Besonders häufig kommt das System in der Urologie zum Einsatz. Mehr als 300 roboterassistierte Operationen finden dort jedes Jahr statt, rund 80 Prozent davon betreffen Krebspatienten. Operiert werden unter anderem Prostata und Nieren. Auch bei Darmkrebs, Endometriose und Lungenkrebs kann die Methode eingesetzt werden.

2015 wurde in Wels erstmals in Oberösterreich ein Lungenlappen roboterassistiert entfernt. Für alle Erkrankungen und alle Patienten ist die Technik aber nicht geeignet. Entscheidend sind unter anderem Art und Lage der Erkrankung sowie mögliche Vorerkrankungen. Am Klinikum soll deshalb stets jene Operationsmethode gewählt werden, die für den jeweiligen Patienten am sichersten und sinnvollsten ist.

Die Erfahrungen der verschiedenen Fachbereiche werden im Zentrum für Robotische Medizin gebündelt. Für die Zukunft sind bessere 3D-Darstellungen, kleinere Instrumente und neue Navigationsmöglichkeiten vorgesehen. Klingt nach Kleinigkeiten, ist es im Operationssaal aber nicht.

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Verfeinerte Bauchspiegelung in Wien

Auch im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Wien steht der Chirurgie und Urologie ein solches System zur Verfügung. Seit Oktober 2022 wird dort das Robotersystem da Vinci Xi von Intuitive eingesetzt. Die roboterassistierte Chirurgie verfeinert die minimal-invasive Laparoskopie, also die Bauchspiegelung, die bei der operativen Behandlung innerer Organe einen Schwerpunkt bildet.

Die chirurgische Abteilung setzt insbesondere bei der Entfernung bösartiger Tumore auf minimal-invasive Operationsmethoden. Genannt werden als mögliche Vorteile kürzere Genesungszeiten, kleinere Narben, beweglichere Instrumente als die menschliche Hand und eine dreidimensionale Sicht auf den Operationsbereich. In der Urologie gibt es 17 Jahre Erfahrung mit der minimal-invasiven Behandlung urologischer Erkrankungen.

Technisch besteht die Operationseinheit aus einer Steuerkonsole für den Chirurgen, einer patientenseitigen Robotikeinheit mit vier Armen und einem Videoturm für die 3D-Kamera und die Beleuchtung. An der Konsole sieht der Operateur ein bis zu zehnfach vergrößertes dreidimensionales Bild. Die Bewegungen werden in Echtzeit übertragen, millimetergenau und mit bis zu fünffacher Untersetzung. Händezittern wird ausgeglichen.

Die speziell entwickelten Endowrist-Instrumente lassen sich in sieben Freiheitsgraden bewegen – mehr, als es die menschliche Hand schafft. Nerven und Gefäße können dadurch detailliert sichtbar werden. Der Roboter ist nicht programmierbar und führt keine eigenständigen Bewegungen aus. Er bleibt Werkzeug, wenn auch ein ziemlich ausgeklügeltes.

Von „Lenny“ bis zur modernen Plattform

Das Da-Vinci-Operationssystem stammt vom kalifornischen Unternehmen Intuitive Surgical. Der Name erinnert an den Künstler und Wissenschaftler Leonardo da Vinci. Die Entwicklung begann in den 1980er-Jahren mit Unterstützung des Forschungsinstituts SRI International. Anfang der 1990er-Jahre arbeitete SRI gemeinsam mit Medizintechnikern im Auftrag der US-Behörde DARPA daran, Chirurgen ferngesteuerte Operationen in Krisengebieten zu ermöglichen.

1997 entstand der Prototyp „Lenny“, danach folgten „Leonardo“ und „Mona“. Ab 1999 wurde das Da-Vinci-System zunächst in Europa eingeführt, weil die US-Zulassung noch fehlte. 2000 erteilte die US-amerikanische FDA die Zulassung. Eingesetzt wurde das System zuerst bei Herzoperationen, danach vor allem bei urologischen Eingriffen.

In der Anfangszeit spielte auch der Konkurrent Computer Motion eine Rolle. Das Unternehmen brachte 1997 das günstigere „ZEUS Robotic Surgical System“ auf den Markt. Kurz vor dem Börsengang von Intuitive Surgical klagte Computer Motion wegen Patentverletzungen. ZEUS war in Europa zugelassen, eine FDA-Zulassung in den USA stand zunächst aus. Die FDA genehmigte zuerst das Da-Vinci-System. 2003 fusionierten beide Unternehmen, der Rechtsstreit endete, und ZEUS wurde zugunsten von Da Vinci eingestellt.

Die Entwicklung ging inzwischen durch mehrere Modellreihen: Das Da Vinci System gibt es seit Januar 1999, die US-Zulassung seit 2000. Da Vinci Si folgte im April 2009, Da Vinci Xi im Frühjahr 2014. Das Da Vinci X erhielt im April 2017 die CE-Kennzeichnung in Europa. Da Vinci SP ist für Single-Port-Chirurgie ausgelegt, mit bis zu drei Instrumenten und einem Endoskop über einen einzigen Zugang. Da Vinci 5 trägt die CE-Kennzeichnung in Europa seit Juli 2025.

Zunächst wurde das System vor allem in Urologie und Gynäkologie verwendet, etwa bei der roboterassistierten laparoskopischen Prostatektomie, kurz RALP, und bei Zystektomien. Heute ist es auch in der Allgemein- und Thoraxchirurgie angekommen. 2023 trennte ein Team der Urologie am Landesklinikum Wiener Neustadt weltweit erstmals eine Hufeisenniere mit einem Da-Vinci-Roboter.

Fortschritt mit Preisschild

Die Verbreitung nahm rasch zu. 2008 wurden in den USA 77 Prozent aller Prostataoperationen mit rund 600 Da-Vinci-Systemen durchgeführt. 2011 standen in US-Kliniken mehr als 1.400 Operationsroboter, in Deutschland waren es etwa 52. Zum 30. September 2017 waren weltweit rund 4.271 Systeme installiert: 2.770 in den USA, also 65 Prozent, 719 in Europa, 17 Prozent, 561 in Asien, 13 Prozent, und 221 in der übrigen Welt, fünf Prozent.

Die minimal-invasive Chirurgie verspricht kleinere äußere Schnittwunden, geringeren Blutverlust und schnellere Wundheilung. Dazu kommen eine räumliche, vergrößerte Darstellung von Organen und Instrumenten, stabilisierte Bewegungen sowie eine entspanntere Sitz-, Kopf- und Armhaltung des Operateurs. Trotzdem ist der Nutzen nicht für jeden Eingriff automatisch belegt.

Die Anschaffung kostet etwa 1,1 bis 2,0 Millionen Euro. Dazu kommen höhere Operationskosten als bei offenen Eingriffen, rund 100 bis 500 Euro für winkelbare Mehrweginstrumente pro Eingriff und jährliche Wartungskosten von fünf bis zehn Prozent der Anschaffungskosten. Die Instrumente dürfen nur zehnmal verwendet werden; das System zählt die Einsätze. Auch die Aufbereitung von Instrumenten und Endoskopen ist aufwendiger, und Operateure brauchen eine Einarbeitungszeit.

Kritiker beanstanden die hohen System- und Instrumentenkosten sowie die daraus entstehenden höheren Behandlungskosten. Laut den genannten Angaben liegen die Kosten etwa ein Drittel über jenen einer normalen Laparoskopie. Eine Studie der Columbia University wertete mehr als 264.000 Gebärmutterentfernungen per konventioneller oder roboterassistierter Laparoskopie aus. Einen Vorteil der Robotertechnik stellte sie dabei nicht fest; insbesondere ein geringerer Blutverlust ließ sich nicht nachweisen.

Die aktuelle deutsche S3-Leitlinie zum Nierenzellkarzinom befürwortet Roboterassistenz bei Nierenteilresektionen. Das Swiss Medical Board sah 2019 hingegen keine klaren Vorteile bei der Entfernung der Prostata oder der Gebärmutter. Und auch Sicherheitsfragen begleiten die Technik: Bei Operationen mit dem Da-Vinci-System kam es mehrfach zu Todesfällen und Verletzungen, die nicht sofort erkannt wurden. Als mögliche Ursache wurden unter anderem Fehlströme genannt, die umliegendes Gewebe überhitzen können.

Intuitive Surgical verbesserte daraufhin die Abdeckungen und erklärte, Fehlströme könnten auch bei konventionellen laparoskopischen Operationen auftreten. Die FDA untersuchte diese und weitere Fälle von Patientenschäden. In den USA waren dazu mehrere Gerichtsverfahren anhängig; dem Unternehmen wurde wiederholt vorgeworfen, Zwischenfälle nicht ordnungsgemäß an Behörden gemeldet zu haben.

Selbst in der Kunst taucht das System auf: Der Künstler Yuri Ancarani veröffentlichte 2012 den Film „Da Vinci“, der beim Rome Film Festival gezeigt wurde.