Hallein im Aufruhr: Stadtfest-Eklat zwingt zum Umdenken
Hallein, eine Stadt, die für ihre herzliche Atmosphäre bekannt ist, steht momentan vor einer echten Bewährungsprobe. In den letzten vier Monaten hat der Ruf der Stadt gehörig gelitten. Der Eklat rund um die Absperrungen in Gastgärten während des Stadtfestes hat nicht nur die Gemüter erhitzt, sondern auch die Beteiligten im Tourismusverband unter Druck gesetzt. Nach den letzten Wahlen im Verband sind nun alle gefordert, die Situation zu verbessern und die Stadt aus der aktuellen Abwärtsspirale herauszuholen.
Das Stadtfest, ursprünglich als Initiative gedacht, um die Innenstadt zu beleben und die Gastronomie zu stärken, entwickelte sich schnell zum Streitfall. Massive Kritik kam auf, insbesondere hinsichtlich der Teilnahmebedingungen für die Gastwirte. Wer hätte gedacht, dass eine Gebühr von 960 Euro und die Verpflichtung, Getränke des offiziellen Sponsors auszuschenken, solche Wellen schlagen würden? Zwei mutige Halleiner Gastronomen lehnten diese Bedingungen ab und ihre Gastgärten wurden kurzerhand mit blickdichten Bauzäunen vom Fest getrennt. Die Bilder dieser Absperrungen sorgten für Unverständnis in der Bevölkerung und in der Politik. Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten: Grüne, FPÖ und ÖVP forderten allesamt Konsequenzen und eine Aufarbeitung der Ereignisse.
Der Druck wächst
Der Unmut über die Führung des Tourismusverbands, unter Geschäftsführer Rainer Candido, wächst seit Jahren. Die Kommunikation, die Entscheidungsprozesse und die Zusammenarbeit wurden seit der Übernahme des Stadtfests durch den Verband im Jahr 2019 immer wieder kritisch hinterfragt. Candido verteidigte sich zwar mit den vertraglichen Verpflichtungen gegenüber dem Getränkesponsor, doch das half wenig. Bürgermeister Alexander Stangassinger kündigte einen runden Tisch mit allen Beteiligten an, um Lösungen zu finden und das Vertrauen zwischen dem Tourismusverband, der Gastronomie und der Wirtschaft wiederherzustellen.
Ein neuer Amtsbericht schlägt eine Neuaufstellung des Verbandsausschusses und Vorstands vor. Eine Sondersitzung der Gemeindevertretung ist für den 20. Juli 2026 anberaumt, um die Konsequenzen des Stadtfests zu diskutieren. Hier geht es nicht nur um die Aufarbeitung der aktuellen Situation, sondern auch um die Zukunft des Stadtfests. Die Stadt Hallein beteiligt sich jährlich mit bis zu 50% an den Kosten des Festes, das vom Tourismusverband organisiert wird. Das zeigt, wie wichtig dieses Event für die Stadt ist.
Ein Neustart ist nötig
Fraktionsübergreifende Anträge sind bereits eingegangen. Die Grünen fordern einen Neustart des Stadtfests als Kultur- und Stadtbelebungskonzept. ÖVP und FPÖ haben ebenfalls Vorschläge eingebracht, um die Stadt wieder auf die Beine zu bringen. Ein strukturierter, zweistufiger Prozess soll die Debatte versachlichen. Dabei wird auch eine anonyme Befragung aller Halleiner ab 16 Jahren angestrebt, um Erwartungen an das Stadtfest zu erheben. Ein extern moderierter Workshop mit der Bevölkerung, Anrainern, Vereinen und der Altstadtwirtschaft soll die Meinungen bündeln.
Die Chronologie der Ereignisse ist aufschlussreich: Am 11. Juli trat der gesamte Vorstand des Tourismusverbands zurück. Zwei Tage später entschuldigte sich der Geschäftsführer öffentlich. Der Druck war einfach zu groß geworden. Auch wenn die Situation angespannt ist, gibt es einen Funken Hoffnung. Ein Neustart könnte die Stadt Hallein nicht nur von ihrem aktuellen Ruf befreien, sondern auch die Gastronomie neu beleben. Das wäre für alle Beteiligten ein echter Gewinn.
