Heute ist der 15.10.2026, und in Innsbruck brodelt es schon ein wenig vor Aufregung. Am 21. Oktober 2026 findet der erste „Tag der Straßenzeitung“ in Österreich statt, und das ist wirklich ein großer Schritt für die Sichtbarkeit von Armut, Wohnungslosigkeit und sozialer Ausgrenzung. Sieben österreichische Straßenzeitungen nehmen an dieser wichtigen Aktion teil, darunter auch die Tiroler Straßenzeitung „20er“. Diese Initiative zielt darauf ab, die Menschen für die Herausforderungen zu sensibilisieren, mit denen viele in unserer Gesellschaft konfrontiert sind.

Die beeindruckenden Zahlen sprechen für sich: Die beteiligten Straßenzeitungen erreichen monatlich rund 128.000 Menschen und beschäftigen insgesamt 1.591 Verkäuferinnen und Verkäufer. Diese Zeitungen bieten nicht nur Informationen, sondern auch eine echte Chance für Menschen in schwierigen Lebenslagen, durch den Verkauf ein eigenes Einkommen zu erzielen. Das ist eine wertvolle Möglichkeit, um sich aus der Misere zu kämpfen und ein Stück Selbstständigkeit zurückzugewinnen.

Unterstützung für den „20er“

Die „20er“ setzen auf Gemeinschaft: Sie suchen 300 Unterstützer, die bereit sind, das Projekt mit einem Euro täglich für ein Jahr zu unterstützen. Wenn das klappt, könnte die Zeitung jährlich rund 109.500 Euro einnehmen! Eine echte Stütze für das Team. Denn die erste Ausgabe des „20er“ wurde 1998 veröffentlicht und ist mittlerweile in mehreren Tiroler Städten erhältlich. Die jüngste Ausgabe stellt die Verkäuferinnen und Verkäufer vor – Gesichter, Geschichten und Schicksale, die oft nicht im Rampenlicht stehen.

Doch der „20er“ ist nicht allein. In Österreich gibt es insgesamt acht Straßenzeitungen, jede mit ihrer eigenen Mission und ihrem eigenen Charakter. Ein weiteres Beispiel ist „Apropos“, ein parteiunabhängiges, soziales Zeitungsprojekt der Soziale Arbeit gGmbH, das bereits seit 1997 Menschen in sozialen Schwierigkeiten unterstützt. Hier wird die Zeitung von professionellen Journalist:innen erstellt, und die Verkäufer:innen, die oft obdachlos oder langzeitarbeitssuchend sind, haben die Möglichkeit, ihre eigenen Erfahrungen und Anliegen in der Rubrik „Schreibwerkstatt“ zu teilen. Apropos erscheint monatlich und hat immer ein Schwerpunktthema – eine schöne Möglichkeit, um verschiedene Perspektiven und Lebensrealitäten zu beleuchten.

Die Verkäufer:innen kaufen „Apropos“ für 1,50 Euro und verkaufen sie für 3 Euro. So bleibt ein Teil des Erlöses direkt bei ihnen und unterstützt ihren Lebensunterhalt. Die Charta von 1995 legt fest, dass alle Gewinne zur Unterstützung der Verkäufer:innen verwendet werden – eine faire Sache, die zeigt, dass es hier wirklich um mehr geht als nur um den Verkauf einer Zeitung. Es geht um Würde, um Hoffnung und darum, Krisen als Chancen zur Veränderung zu begreifen.

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So wird der „Tag der Straßenzeitung“ nicht nur ein Tag des Verkaufs, sondern auch ein Tag der Begegnung, des Verstehens und des Miteinanders. Ein Tag, an dem wir alle ein bisschen näher zusammenrücken können, um die Herausforderungen, die in unserer Gesellschaft bestehen, zu beleuchten. Und vielleicht, nur vielleicht, können wir ein Stück weit dazu beitragen, dass sich die Dinge zum Besseren wenden.