Jennersdorf/Wiesen. Ein halbes Jahrhundert Firmengeschichte ist für einen Familienbetrieb keine Kleinigkeit. „Pauschenwein Creatives Wohnen“ aus Wiesen feierte am 10. Juli 2026 sein 50-jähriges Bestehen – mit rund 400 Gästen am Firmengelände.

Gegründet wurde das Unternehmen 1976 von Alois Pauschenwein als Möbelhandel. Heute gehören ein Einrichtungshaus, eine Tischlerei und Innenarchitektur zum Betrieb, der mittlerweile in dritter Generation geführt wird.

Vom Möbelhandel zum Familienbetrieb

Firmengründer Alois Pauschenwein legte damit den Grundstein für einen der traditionsreichen Betriebe der burgenländischen Tischlerbranche. Sein Sohn Peter trat 1984 in das Unternehmen ein. Bettina Dorfer-Pauschenwein folgte 2017; seit 2019 führt sie gemeinsam mit ihrem Vater die Geschäfte. Beide sind Geschäftsführer und Gesellschafter.

Bei der Fachgruppentagung der Landesinnung der Tischler und Holzgestalter wurden besondere persönliche und unternehmerische Leistungen ausgezeichnet. Die Ehrung zum 50-jährigen Betriebsjubiläum überreichten Landesinnungsmeister Christoph Grünwald und Bundesinnungsmeister-Stellvertreter Helmut Mitsch an Peter Pauschenwein.

Bei der Feier standen Festreden, die Vorstellung der Mitarbeitenden und die musikalische Begleitung durch den Musikverein Wiesen auf dem Programm. Unter den Gästen waren unter anderem Wirtschaftskammer-Burgenland-Vizepräsident Martin Horvath, Tischler-Bundesinnungsmeister Gerhard Spitzbart, Bundesspartenobmann Manfred Denk, Regionalstellenobfrau Melanie Eckhardt, Landtagspräsidentin Claudia Schlager und Bürgermeister Matthias Weghofer.

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Bettina Dorfer-Pauschenwein dankte Kunden, Wegbegleitern, Familie und Mitarbeitenden für ihren Beitrag zur Unternehmensgeschichte. Das 50-jährige Bestehen sei ein „Versprechen für die Zukunft“, sagte sie. Pläne für die kommenden Jahre gebe es weiterhin.

Tradition trifft auf neue Anforderungen

Wie weit sich ein Tischlereibetrieb entwickeln kann, zeigt auch ein Blick über das Burgenland hinaus. Die Josef Göbel GmbH wurde 1874 gegründet und bestand zunächst aus wenigen Mitarbeitern. Unter Josef Göbels Vater, der vierten Generation, wuchs der Betrieb aus eigener Kraft auf mehr als 300 Mitarbeiter und 40 Millionen Euro Umsatz.

In den 1980er-Jahren begann dort die Internationalisierung. Heute liefert das Unternehmen in 18 europäische Länder und war auch bereits in Amerika tätig; der Exportanteil liegt bei 50 bis 70 Prozent. In Europa wird es nach eigenen Angaben vor allem für seine Qualität und seine Mitarbeiter geschätzt.

Die Unternehmensgruppe verfügt über vier Standorte in Österreich, produziert wird ausschließlich in Fladnitz an der Teichalm. Eingerichtet werden Privatwohnungen, öffentliche Einrichtungen, Hotels, Restaurants, Museen, Apotheken und historische Bauten. Zu den genannten Projekten und Kunden zählen die Hotels Imperial und Sacher, Schloss Schönbrunn in Wien, das Kempinski in Moskau und die japanische Botschaft in Berlin.

Marktpotenzial sieht das Unternehmen überall dort, wo Menschen ihre Umgebung individuell gestalten und aufwerten wollen. Gleichzeitig brachte die Corona-Krise laut Göbel alle Märkte gleichermaßen unter Druck – eine solche Situation habe es bisher nicht gegeben. Damals wurden ältere Aufträge abgearbeitet, die weitere Entwicklung im Herbst blieb ungewiss. Göbel erwartete einen Domino-Effekt, sobald Investitionen wieder freigegeben werden.

Familie, Fachkräfte und jedes Möbelstück als Unikat

Als zentrale Stärke nennt Göbel die Familie: Alle strategischen Positionen sind mit Familienmitgliedern besetzt, die Zuständigkeiten klar geregelt. Die sechste Generation – seine Kinder und die Kinder seiner Schwester – steht bereits bereit. Seine Aufgabe als Geschäftsführer sieht Göbel darin, das Unternehmen in die nächste Generation zu führen. Dafür brauche es nachhaltiges, vorsichtiges und zukunftsorientiertes Denken sowie eine gute Organisation.

Eine besondere Herausforderung ist das Management der Komplexität. Für eine Tischlerei ist der Betrieb groß, das Produktionsspektrum breit, und jedes Möbelstück wird als Unikat gefertigt. Handwerk und moderne Organisationsformen wie ERP-Systeme, Roboter und Software sollen deshalb miteinander verbunden werden. Tradition und zukunftsorientierte Lösungen, nebeneinander und manchmal wohl auch mit Reibung.

Göbels Vision: in der Branche eine führende Rolle einzunehmen und das Tischlerhandwerk weiterzuentwickeln. Als wichtige Herausforderung nennt er den Fachkräftemangel. Mitarbeitern soll durch Zusatzangebote mehr als nur ein Arbeitsplatz geboten und das Handwerk als attraktiver Beruf vermittelt werden. Familiäre Verhältnisse, ein gutes Betriebsklima und qualifizierte Mitarbeiter haben laut Göbel Vorrang vor Wachstum.

Viele Beschäftigte arbeiten bereits seit 30 oder 40 Jahren im Unternehmen. Künftig werde man laut Göbel vermutlich mehr gute Kunden als gute Handwerker haben. Dieses Missverhältnis auszugleichen, sei die größte Herausforderung – eine Aufgabe, die auch für Familienbetriebe wie Pauschenwein nicht kleiner wird.