Die Theatergruppe Gailtal hat ein aufregendes Stück inszeniert, das die Zuschauer in eine vergangene Zeit entführt. „Paolo Santonino“ heißt das Werk, das auf den Reisetagebüchern des gleichnamigen italienischen Privatsekretärs basiert. Dramatisiert von Engelbert Obernosterer und unter der Regie von Werner Wölbitsch, erzählt das Stück von einer Visitationsreise des Bischofs von Caorle, die am 29. September 1485 in San Daniele begann. Diese Reise war nicht nur ein einfacher Ausflug – sie war eine Erkundung, die die Gruppe durch malerische Landschaften und herausfordernde Pässe führte, darunter den Plöckenpass, den Santonino als schwer passierbar beschreibt.

Die Reisegruppe nächtigte mehrmals in Mauthen und bewegte sich durch das Lesachtal, Drautal und Osttirol. Es geht weiter ins Gailtal bis Hermagor und schließlich ins Gitschtal bis zum Weißensee. Zu beachten ist, dass dieses Gebiet damals zum Patriarchat von Aquileia und zum Erzbistum Salzburg gehörte. Die weltliche Macht war in den Händen der Grafen von Görz, Ortenburg und Cilli sowie den Habsburgern. Mit diesen historischen Hintergründen, die das Stück umrahmen, wird das Publikum in die Welt des 15. Jahrhunderts hineingezogen.

Premiere und Aufführungen

Die Premiere fand im eindrucksvollen Schloss Möderndorf statt und war ein voller Erfolg. Doch das ist nicht alles – die nächsten Aufführungen sind bereits geplant! Am 13. und 14. August 2026 wird das Stück in der Spitalskirche in Lienz jeweils um 20:30 Uhr aufgeführt. Tickets sind online erhältlich und es lohnt sich, schnell zuzuschlagen!

Paolo Santonino selbst, der 1507 starb, war mehr als nur ein Reisender. Er war ein Chronist seiner Zeit, der mit einer Gruppe unter der Führung des Bischofs von Udine zwischen 1485 und 1487 durch Osttirol, Kärnten und Krain reiste. Seine Berichte sind nicht nur nüchterne Aufzeichnungen, sondern lebendige Geschichten über die Menschen, die Landschaften und – nicht zu vergessen – die Speisen, die er während seiner Reisen genoss. Santonino beschreibt die Gerichte mit einer Detailverliebtheit, die uns heute einen faszinierenden Einblick in die Esskultur des Mittelalters gibt. Und ja, er beklagte sich sogar über die wiederholte Servierung von Kraut mit Speck – ein kleiner humorvoller Einschub, der zeigt, dass auch Reisende des 15. Jahrhunderts ihre kulinarischen Vorlieben hatten!

Einblicke in Santoninos Leben

Santonino war gebürtiger Umbrier und ab 1469 im Friaul nachweisbar. Er erlangte 1473 das Bürgerrecht in Udine und war dort als „kaiserlich befugter öffentlicher Notar“ tätig. Verheiratet mit Allegrezza Lucretia, hatte er eine Tochter und fünf Söhne, die allesamt juristische Berufe ergriffen. Sein schriftlicher Nachlass umfasst nicht nur persönliche Aufzeichnungen, sondern auch offizielle Urkunden, die seinen Wahrheitsanspruch unterstreichen. In seinem „Itinerarium“ zeigt er ein kommunikatives und humorvolles Naturell sowie objektive Beobachtungen, die den Leser bis heute fesseln.

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Santoninos Werke haben eine große Resonanz gefunden, und die Forschung über ihn ist umfangreich. Von Rudolf Eggers „Die Reisetagebücher des Paolo Santonino“ bis hin zu Helmut Hundsbichlers Dissertation über seine Reisetagebücher – die Literatur ist vielfältig. Er behandelt in seinen Schriften Themen wie kirchliche Amtshandlungen, Landschafts- und Stadtbeschreibungen, kulturelle Besonderheiten und die Essensbeschreibungen, die eine hohe Informationsdichte für das Mittelalter bieten.

Der Besuch der Aufführung „Paolo Santonino“ ist nicht nur eine Reise in die Vergangenheit, sondern auch eine Hommage an einen bemerkenswerten Chronisten, dessen Beobachtungen auch nach Jahrhunderten nichts von ihrem Charme verloren haben. Wer die Gelegenheit hat, sollte sich diese Inszenierung keinesfalls entgehen lassen – sie ist ein Fenster in eine Zeit voller Entdeckungen, Herausforderungen und kulinarischer Abenteuer.

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