In Kärnten steht die Unternehmensnachfolge vor einer echten Herausforderung. Jährlich werden hier etwa 500 Betriebe übergeben, was immerhin bis zu zwei Übergaben pro Tag bedeutet. Besonders auffällig ist, dass immer weniger Nachfolgen innerhalb der Familien stattfinden. Dies führt zu einem steigenden Bedarf an externen Übernehmer:innen. Eine Plattform, die sich diesem Thema widmet, ist das „Forum Betriebsnachfolge“. Dort haben Betriebsübergeber:innen und potenzielle Übernehmer:innen die Möglichkeit, sich auszutauschen und Kontakte zu knüpfen.

Das Forum setzt auf ein Speed-Dating-Format, bei dem in 15-minütigen Gesprächen erste Kontakte geknüpft und Perspektiven ausgelotet werden können. Hierbei geht es nicht nur darum, Lebenswerke zu sichern, sondern auch darum, die Betriebe in der Region weiterzuführen und Arbeitsplätze zu erhalten. WK-Vizepräsidentin Nika Basic hebt hervor, wie wichtig eine frühzeitige Planung und die richtigen Kontakte für eine erfolgreiche Betriebsübergabe sind. Die Übernahme eines bestehenden Betriebs bietet viele Chancen, etwa durch bestehende Strukturen, Kund:innen und Erfahrungen, die die neuen Inhaber:innen nutzen können. Lucija Wakounig, Leiterin des Gründerservice der Wirtschaftskammer Kärnten, zeigt zudem die steigende Bedeutung externer Nachfolge auf. Die Wirtschaftskammer selbst bietet umfassende Beratung und Unterstützung während des gesamten Übergabeprozesses, einschließlich rechtlicher, steuerlicher und finanzieller Expertise. Weitere Informationen finden Interessierte auf der Website der Wirtschaftskammer Kärnten hier.

Betriebsnachfolge im Detail

Doch was genau bedeutet Betriebsnachfolge? Im Grunde genommen handelt es sich um den Übergang eines Betriebs oder Betriebsteils auf einen neuen Rechtsträger. Es gibt verschiedene Formen der Nachfolge, wie die Gesamtrechtsnachfolge (zum Beispiel durch Erbschaft oder Verschmelzung) und die Einzelrechtsnachfolge (etwa durch einen Asset Deal). Für die rechtlichen Rahmenbedingungen ist § 613a BGB von zentraler Bedeutung. Diese Regelung besagt, dass der neue Inhaber in die Rechte und Pflichten aus bestehenden Arbeitsverhältnissen eintritt.

Die Komplexität der Betriebsübergabe ist nicht zu unterschätzen. Mehrere Rechtsgebiete sind betroffen, darunter das Kündigungsschutzgesetz (KSchG), das Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) und das Handelsgesetzbuch (HGB). Bei der Gesamtrechtsnachfolge wird das gesamte Vermögen kraft Gesetzes übertragen, während bei der Einzelrechtsnachfolge der Übergang durch einen Vertrag erfolgt. Hierbei gelten auch spezielle Vorschriften für Arbeitsverhältnisse: Lohn- und Urlaubsansprüche sowie Betriebszugehörigkeit gehen automatisch über, und der Bestandsschutz sorgt dafür, dass Arbeitsbedingungen nicht einseitig verschlechtert werden dürfen.

Die Herausforderungen bei der Nachfolge

Familienunternehmen stehen vor besonderen Herausforderungen, insbesondere beim Generationenwechsel. Pflichtteilsansprüche und die Unternehmensbewertung können zu Konflikten führen. Daher ist es ratsam, bereits frühzeitig eine Strategie für die Nachfolge zu entwickeln. Eine strategische Nachfolgeberatung ist hierbei unerlässlich, um verschiedene Möglichkeiten der Nachfolgeregelung zu prüfen und steuerliche Folgen zu berücksichtigen. Unternehmer sollten sich auch Gedanken darüber machen, wer das Unternehmen übernehmen soll: Sind es Mitarbeiter, Dritte oder kommt sogar eine Liquidation in Betracht?

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Eine gute Vorbereitung ist das A und O. Ein Notfallordner, der alle relevanten Informationen und Verträge enthält, kann im Ernstfall entscheidend sein. Zudem sollten bestehende Verträge regelmäßig überprüft und aktualisiert werden, um mögliche Fallstricke im Erb- und Pflichtteilsrecht zu vermeiden. Ein Beispiel verdeutlicht die Notwendigkeit einer gut geplanten Nachfolgeregelung: Wenn ein Unternehmer unerwartet verstirbt, können seine Nachfolger mit rechtlichen und steuerlichen Problemen konfrontiert werden, die die Handlungsfähigkeit des Unternehmens gefährden.

Die Unternehmensnachfolge ist also mehr als nur ein bürokratischer Akt. Sie ist ein komplexer Prozess, der weitreichende rechtliche und wirtschaftliche Konsequenzen nach sich ziehen kann. Wer hier frühzeitig plant und die richtigen Schritte unternimmt, kann viele Schwierigkeiten vermeiden. Für weitere Informationen und Unterstützung stehen zahlreiche Beratungsangebote zur Verfügung, unter anderem auch von der Wirtschaftskammer Kärnten. Weitere Details findet man hier.