Am 11. April 2026 wurde im Pfarrsaal der Katholischen Kirche in Spittal an der Drau die Täuferausstellung eröffnet, die ein wenig bekanntes Kapitel der Kärntner Reformationszeit beleuchtet. Die Ausstellung ist seit über zehn Jahren auf Tour durch Österreich und hat nun ihre Pforten in Spittal geöffnet. Kurator Franz Seiser vom Verein für Täufergeschichte stellte die zahlreichen Infotafeln und Exponate vor, die die Besucher in die Geschichte der Täuferbewegung eintauchen lassen.
Zu den Exponaten zählen originale Schriftstücke, Folterwerkzeuge und eine nachgebaute, funktionsfähige Druckerpresse. Besonders eindrucksvoll war der Moment, als Dechant Windbichler eigenhändig einen Bibelvers mit der Druckerpresse druckte. Die musikalische Umrahmung durch Alexander Basnar, der mit Dudelsack Lieder der verfolgten Täuferchristen spielte, sorgte für eine besondere Atmosphäre. Die Grußworte der Anwesenden thematisierten die Verständigung und Versöhnung zwischen verschiedenen Konfessionen sowie das Wort Gottes. Die Eröffnungsfeier wurde von etwa 40 Besuchern begleitet, die das Ereignis gebührend würdigten.
Öffnungszeiten und Führungen
Die Ausstellung ist bis zum 29. April im katholischen Pfarrsaal in der Litzelhofenstraße 9 zu sehen. Die Öffnungszeiten sind von Montag bis Donnerstag von 12 bis 19 Uhr, Freitag und Samstag von 10 bis 20 Uhr sowie Sonntag von 12 bis 17 Uhr. Interessierte können zudem Führungen buchen, um mehr über die historischen Hintergründe der Täuferbewegung zu erfahren.
Die Täuferbewegung im historischen Kontext
Die Täuferbewegung hat in Österreich eine reiche und oft konfliktreiche Geschichte. Sie entwickelte sich von ihren Ursprüngen bis zur Gegenreformation und umfasst auch wichtige Regionen wie Südtirol und Mähren. Mission, das zentrale Anliegen der Täufer, wird in diesem Zusammenhang ausführlich behandelt. Bedeutende Persönlichkeiten wie die Täuferapostel Balthasar Hubmaier und Hans Hut prägten diese Bewegung und stießen sowohl Bewunderung als auch Unbehagen hervor.
Die Verhaltensweisen der Täufer, insbesondere ihr Verhältnis zur Obrigkeit sowie ihre Leidensbereitschaft und Märtyrertheologie, standen oft im Mittelpunkt zeitgenössischer Debatten. Auch die Geschlechterbeziehungen und die oft erhobenen Vorwürfe sexueller Devianz sind Themen, die in den historischen Darstellungen behandelt werden. Die Ausstellung in Spittal ist nicht nur eine Rückschau auf diese bewegte Zeit, sondern auch ein Schritt in Richtung Dialog und Versöhnung zwischen den verschiedenen Glaubensgemeinschaften.
Im weiteren Verlauf der Geschichte kam es ab dem späten 19. Jahrhundert zu einem Neubeginn der Freikirchen in Österreich, angestoßen durch ausländische Missionare. Die Restriktionen, die zuvor bestanden, führten zu mikroskopischen Erfolgen, doch nach dem Zweiten Weltkrieg erlebten freikirchliche Flüchtlinge und ausländische Missionswerke eine Welle neuer Gemeindegründungen. Heute stehen die „Freikirchen in Österreich“ als staatlich anerkannte Religionsgesellschaft für diese einzigartige Entwicklung.
Die Täuferausstellung in Spittal bietet somit einen wertvollen Einblick in die Vergangenheit und lädt ein, die Geschichte der Täuferbewegung näher zu erkunden. Für weitere Informationen über die Ausstellung und die Hintergründe der Täuferbewegung kann die vollständige Quelle [hier](eingesehen) nachgelesen werden.