In Wolfsberg sorgt ein geplanter Deal in der Rohstoffbranche für Aufregung. Die Critical Metals Corp plant die vollständige Übernahme von European Lithium, und das auf eine ziemlich spannende Art und Weise. Aktionäre von European Lithium dürfen sich auf einen Aktientausch freuen: Für jede ihrer Aktien gibt’s 0,035 Anteile von Critical Metals. Das Ziel? Eine vollständige Kontrolle über das Tanbreez-Projekt, welches als strategisch wichtig erachtet wird.

Doch die Situation ist nicht ganz einfach. Das Bundesverwaltungsgericht in Österreich hat kürzlich die zentrale Umweltgenehmigung für das Wolfsberg-Projekt in Kärnten aufgehoben. Das bedeutet, dass eine Neubewertung durch die Behörden nötig ist, bevor es weitergeht. Die endgültige Investitionsentscheidung für das Projekt wird nun frühestens Ende 2026 erwartet, was sich wie eine kleine Ewigkeit anfühlt, wenn man in der schnelllebigen Welt der Rohstoffe ist. Immerhin läuft die Bergbaulizenz bis Anfang 2028, und ein Liefervertrag mit BMW bleibt bestehen – das gibt ein wenig Hoffnung.

Übernahme und weitere Schritte

Für den Abschluss der Übernahme müssen noch einige Hürden genommen werden. Die Zustimmung der Anteilseigner steht an, ebenso wie behördliche Freigaben. European Lithium muss bis zu einem bestimmten Stichtag liquide Mittel von mindestens 330 Millionen Australischen Dollar nachweisen. Zum Ende März 2023 sah die Kassenlage jedoch nicht ganz so rosig aus: Rund 219 Millionen US-Dollar hatte European Lithium, während Critical Metals mit etwa 124 Millionen US-Dollar dasteht.

Die Fusion wird durch zwei voneinander abhängige Arrangements unter australischem Recht realisiert, was für viele Aktionäre ein bisschen wie ein Schachspiel mit viel Unsicherheit erscheint. CEO Tony Sage von Critical Metals äußerte sich positiv über die Marktreaktion auf die Übernahme und betonte die strategische Bedeutung dieser Transaktion. Immerhin hält European Lithium etwa 31 % der ausstehenden Aktien von Critical Metals. Es wird also spannend, ob die Aktionäre der Fusion zustimmen werden, deren Hauptversammlung im September 2023 stattfinden soll.

Rohstoffe und die EU-Strategie

In einem größeren Kontext ist der Deal auch im Rahmen der EU-Rohstoffstrategie zu sehen. Die EU-Kommission hat den „Critical Raw Materials Act“ ins Leben gerufen, um die Abhängigkeit von Weltmärkten bei strategischen Rohstoffen wie Lithium, Kobalt und Mangan zu verringern. Ein neuer Bericht des WWF kritisiert jedoch, dass die Kommission vor allem auf neue Minen in Europa setzt und dabei Recycling und Kreislaufwirtschaft vernachlässigt. Komischerweise scheinen die Pläne der EU, die Umwelt zu schonen, nicht immer zusammenzupassen mit dem Drang nach neuen Rohstoffen.

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Von 47 Projekten in der EU sind 23 neue Minen, darunter 9 Lithiumprojekte. Die Berichte zeigen, dass 85 % der Vorkommen strategischer Rohstoffe in oder in der Nähe von geschützten Gebieten liegen – ein Umstand, der sicherlich für Diskussionen sorgen wird. Ein gewisses Maß an Aufregung ist da, aber auch Besorgnis über die Umweltauswirkungen. Die Notwendigkeit gründlicher Umweltprüfungen wird immer lauter, und die Bürgerbeteiligung ist ein weiterer wichtiger Punkt, der nicht ignoriert werden sollte.

Die nächsten Schritte im Übernahmeprozess und die Entwicklungen rund um das Wolfsberg-Projekt bleiben also abzuwarten. In der Zwischenzeit bleibt den Aktionären und der Öffentlichkeit nur, die Situation genau im Auge zu behalten. Vielleicht wird ja bald alles ganz anders und wir dürfen uns auf neue spannende Nachrichten freuen!