In Wels haben sich am vergangenen Wochenende über 200 Teilnehmer zur Kidical/Critical Mass versammelt, um für sichere Radverbindungen zu demonstrieren. Die Veranstaltung, die von Polizei und freiwilligen Helfern abgesichert wurde, hatte ein klares Ziel: Auf die Dringlichkeit und Bedeutung von sicheren und attraktiven Radverbindungen aufmerksam zu machen. Organisiert wurde die Initiative von den „Welser Radlern“, die besonders die Forderung nach durchgängigen Hauptradrouten und baulich getrennten Radwegen in den Vordergrund stellten. Dominik Wiesmeyr, ein Lehrer am Franziskus Gymnasium in Wels, bemerkte, dass viele Menschen, insbesondere Familien mit Kindern, das Fahrrad häufiger nutzen würden, wenn die Wege sicher und komfortabel wären.
Die Radparade war Teil der weltweiten Kidical-Mass-Aktionstage, die vom 16. bis 24. September 2023 stattfinden. Dies ist bereits die sechste Durchführung dieser Aktionstage, bei der Städte wie London, Lissabon und Berlin teilnehmen. Der Fokus liegt auf der Schaffung sicherer Straßen für Kinder und der Etablierung einer neuen Mobilitäts-Normalität. Simone Kraus, eine der Co-Initiatorinnen, hebt die Vision für sichere Bewegungsräume für Kinder und Jugendliche hervor, während die ADFC-Bundesvorsitzende Rebecca Peters die unzureichende Umsetzung von Fahrrad-Infrastruktur in Deutschland kritisiert.
Forderungen und Visionen
Die Forderungen an die Politik sind klar: Trennung von Rad- und Autoverkehr durch geschützte Radwege, Tempo 30 auf Hauptverkehrsstraßen sowie Tempo 20 vor Schulen und Kindertagesstätten. Eine Idee, die sich durch viele der Veranstaltungen zieht, ist die Einrichtung von Schulstraßen ohne Autoverkehr, um die Sicherheit der Kinder auf ihrem Schulweg zu erhöhen. In Wels zeigt sich der Veranstalter zufrieden und sieht ein wachsendes Interesse am Radverkehr. Das ist ein positives Zeichen, besonders wenn man bedenkt, dass über 500 lokale Organisationen und Initiativen das Aktionsbündnis in Deutschland unterstützen.
Ein Blick auf die aktuellen Entwicklungen in der Fahrradnutzung zeigt, dass auch in Deutschland eine steigende Tendenz zu verzeichnen ist. Der Fahrrad-Monitor 2025 zeigt, dass 80 Prozent der Menschen in Deutschland sich als Radfahrer identifizieren. Über 41 Prozent nutzen regelmäßig das Fahrrad oder Pedelec. Viele Befragte geben an, mehr Fahrrad fahren zu wollen, was durch die positive Erfahrung gerade bei Kindern gefördert wird. Immerhin 88 Prozent der Rad fahrenden Kinder geben an, gerne Fahrrad zu fahren. Das spricht für sich!
Ein weiteres interessantes Detail: Die Kinder- und Elternbefragung gibt Aufschluss darüber, dass Radfahren bei Kindern weit verbreitet ist. Gewöhnlich nutzen sie das Fahrrad eher für Freizeitaktivitäten als für Alltagswege. Die größte Hürde für viele Kinder sind der hohe Verkehrsaufkommen und unsichere Radwege. Eine gut ausgebaute, geschützte Infrastruktur könnte hier einen entscheidenden Unterschied machen. Es ist nicht nur eine Frage der Sicherheit, sondern auch eine Chance für klimafreundliche Mobilität und eine positive Einstellung zur Fortbewegung, die schon in der Kindheit geprägt wird.
Wels ist somit nicht nur ein Ort der Begegnung für Radfahrer, sondern auch ein Zeichen der Hoffnung für eine bessere und sicherere Mobilität in der Zukunft. Die Kidical Mass und die damit verbundenen Aktionen sind ein Aufruf an die Politik und die Gesellschaft, die Rahmenbedingungen für den Radverkehr zu verbessern und die Bedürfnisse der jüngsten Verkehrsteilnehmer nicht aus den Augen zu verlieren. Denn letztendlich sind sie die Radfahrer von morgen.