Der letzte Vorhang für „Zur goldenen Krone“: Kirchdorf verabschiedet sich von einem Wahrzeichen der Gemeinschaft
Heute ist der 5.10.2026 und in Kirchdorf neigt sich eine Ära dem Ende zu. Das Gasthaus „Zur goldenen Krone“, ein Ort, der für viele ein wichtiger Treffpunkt war, schließt seine Türen. Hannes und Mathilde Schöllhuber, die aktuellen Betreiber, haben über 45 Jahre ihr Bestes gegeben, um die Tradition und das Flair dieses Lokals zu bewahren. In den 1970er-Jahren übernahm die Familie Schöllhuber das Gasthaus und verwandelte es in einen zentralen Teil der Gemeinschaft. Hier traf man sich nicht nur zum Essen, sondern auch zum Plaudern, Lachen und Feiern.
Der Abschied fällt schwer, besonders für die rund 5.000 Einwohner der Gemeinde, die in den letzten Jahren viele schöne Begegnungen in „Zur goldenen Krone“ erlebt haben. Leider wurde kein Nachfolger für den Betrieb gefunden, was die Entscheidung zur Schließung umso schmerzlicher macht. Hannes Schöllhuber hat sich in einer emotionalen Botschaft bei seinen Gästen und Kunden für ihre Treue bedankt. Es sind nicht nur die Speisen und Getränke, die fehlen werden, sondern auch das Gefühl von Gemeinschaft, das in den Wänden des Gasthauses lebte.
Letzter Aufruf zur Kesselheißen
<pDoch bevor die Lichter endgültig ausgehen, gibt es eine letzte Gelegenheit, in Erinnerungen zu schwelgen. Jeden Donnerstag bis Ende des Jahres wird die traditionelle Kesselheiße von 8 bis 14 Uhr angeboten. Eine wahre Gaumenfreude für alle, die noch einmal den Geschmack der guten alten Zeit erleben möchten. Diese Initiative ist ein kleiner Lichtblick inmitten des Abschieds und eine Möglichkeit für alle, sich noch einmal zu versammeln.
Das Gasthaus „Zur goldenen Krone“ ist nicht allein. Das Phänomen des Gasthaussterbens betrifft viele traditionelle Einrichtungen in ganz Europa. Ein Projekt namens „Gasthaus 2020“ untersucht die Auswirkungen des Strukturwandels in der Gastronomie. Es beleuchtet, wie wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen dazu führen, dass solche Gemeinschaftseinrichtungen verschwinden. Das Projekt hat in Vorarlberg fünf Gasthäuser analysiert und untersucht, welche bürokratischen Hürden und veränderten Rahmenbedingungen es gibt. Die Schließung eines Gasthauses kann eine Gemeinde als „sterbende“ oder „Schlafgemeinde“ kennzeichnen.
Ein Blick in die Zukunft
<pDie Ergebnisse der Studie sollen helfen, einen Maßnahmenkatalog zu entwickeln, der sowohl politischen Entscheidungsträgern als auch der lokalen Bevölkerung zur Seite stehen kann. Die Partner des Projekts, darunter die Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft der WKV, setzen sich aktiv dafür ein, das Bewusstsein für diese Problematik zu schärfen. Workshops, Bürgerstammtische und Diskussionen wurden organisiert, um den Dialog zwischen Wirtschaft und Gemeinden zu fördern. Es bleibt zu hoffen, dass durch solche Initiativen der Verlust von Gemeinschaftseinrichtungen und lokaler Identität aufgehalten werden kann.
<pFür Kirchdorf und die Schöllhubers ist die Schließung des Gasthauses ein einschneidendes Erlebnis. Beim letzten Donnerstag mit Kesselheißen wird wahrscheinlich der ein oder andere mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurückblicken. Die Erinnerungen werden bleiben, auch wenn das Gasthaus nicht mehr da ist.
