Festung Kufstein: Tirols historische Bühne wird zum schönsten Platz Österreichs gekürt
Hoch über dem Inn thront die Festung Kufstein – weithin sichtbar, alt, ein bissl kantig und doch erstaunlich bühnenreif. 2026 wurde sie in der ORF-Unterhaltungssendung „9 Plätze – 9 Schätze“ als einer der neun schönsten Plätze Österreichs ausgezeichnet. Die Sendung wurde am 26. Oktober 2026 um 20:15 Uhr auf ORF 2 ausgestrahlt, stammt aus Österreich und ist bis 24. April 2027 um 20:15 Uhr verfügbar.
Seit Jahrhunderten gehört die Festung zum Stadtbild und zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Tirols. 1205 wurde die Anlage erstmals urkundlich erwähnt. Über lange Zeit war sie ein umkämpfter Grenzposten zwischen Bayern und Tirol, im 14. Jahrhundert diente sie der Tiroler Herzogin Margarete „Maultasch“ als Brautgeschenk.
Vom Grenzposten zur Stadtfestung
Kaiser Maximilian I. eroberte Kufstein 1504 und ließ die Anlage zu einer größeren Wehranlage ausbauen. Seit 1924 gehört die Festung der Stadt Kufstein. Erworben wurde sie im Tausch gegen mehrere Hektar Wald – ein bemerkenswerter Deal, der bis heute nachwirkt.
Nach einem längeren Zeitraum ohne größere Nutzung begann Anfang der 1990er-Jahre die umfassende Revitalisierung. Heute erstreckt sich das Areal über rund 24.000 Quadratmeter und wird jährlich von etwa 180.000 Menschen besucht. Ein Rundgang mit 21 Stationen führt durch Befestigungsanlagen, Ausstellungen und unterirdische Gänge, hinunter bis zu einem rund 60 Meter tiefen Brunnen. Schon beim Gedanken daran wird einem ein wenig mulmig.
Zur Festung hinauf geht es auch mit einer Panoramabahn. Oben öffnet sich der Blick auf Kufsteins Altstadt, den Inn und die umliegenden Berge. In der überdachten Josefsburg finden Veranstaltungen für bis zu 4.200 Besucher statt – weitgehend wetterunabhängig. Rock, Austropop, elektronische Musik, Musicals und ein mittelalterliches Ritterfest stehen ebenso auf dem Programm wie Firmenveranstaltungen, Hochzeiten und andere Feiern.
Orgelklang bis zur bayerischen Grenze
Täglich um 12 Uhr erklingt die Heldenorgel mit ihren 4.948 Pfeifen. Die 1931 errichtete Orgel ist die zweitgrößte Freiorgel der Welt. Ursprünglich wurde sie als Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs gebaut; heute erinnert sie an die Opfer von Krieg und Gewalt. Ihr Klang ist teils bis zur bayerischen Grenze hörbar – ein Mittagssignal mit ordentlich Reichweite.
In der Adventszeit verändert sich das Gesicht der Festung noch einmal. Die Josefsburg und die historischen Kasematten werden mit mehr als 300 Tannen, Kränzen und Girlanden geschmückt. Laternen und echte Kerzen beleuchten die alten Mauern. Beim Weihnachtszauber zeigen regionale Kunsthandwerker ihre Arbeiten, Kinder basteln in einer Weihnachtswerkstube, während Weisenbläser und Anklöpfler traditionelle Melodien spielen. Der Weihnachtszauber findet an allen vier Adventwochenenden statt.
Altstadt, Kaisertal und Glasmanufaktur
Rund um die Festung liegen Kufsteins Altstadt mit ihren Gassen, Cafés und Geschäften, der Inn und die Bergwelt des Kufsteinerlands. In der Römerhofgasse stehen traditionelle Häuser dicht aneinander; Cafés laden zum Flanieren und Verweilen ein. Stadtführungen finden freitagvormittags statt, Nachtführungen montags und donnerstags. Dabei geht es um historische Gassen, verborgene Geschichten und die Vergangenheit Kufsteins.
Wer nach dem Festungsrundgang noch Energie hat, kann mit dem Kaiserlift in die Bergwelt des Kaisergebirges fahren. Mit der KufsteinerlandCard ist die Fahrt kostenlos, ebenso wird die Region durch Busse und regionale Zugverbindungen ohne eigenes Auto zugänglich. Das Kaisertal bietet Bergkulisse und Wanderwege, am Hechtsee warten Spaziergänge und Erholung am Wasser.
Weitere Ziele liegen ebenfalls in der Nähe: Bei Riedel Glas geben Führungen Einblicke in die Herstellung hochwertiger Gläser sowie in Handwerkskunst, Tradition und Innovation. Am Fuß des Zahmen Kaisers befindet sich der Fohlenhof Ebbs, ein traditionelles Haflinger-Gestüt, dessen Besichtigungen Wissenswertes über Haflinger, Pferdezucht und die Geschichte des Gestüts vermitteln.
Die Stadt und ihre Festung verbinden Geschichte, Kultur und Tiroler Lebensgefühl – mit Ausblicken, Veranstaltungen und einer Altstadt, in der man leicht länger sitzen bleibt als geplant. Ob oben zwischen Kasematten und Orgelpfeifen oder unten bei Kaffee in der Römerhofgasse: Kufstein hat da mehrere Tempi. Und manchmal hört man über allem noch den Inn.
