Bruno Kreisky: Vom politischen Häftling zum Kanzler Österreichs
Heute, am 29. Oktober 2026, steht im Kino-Programm der Titel „Jetzt im Kino: Bruno – Der junge Kreisky“. Mehr als diesen Filmtitel sowie technische Platzhalter und Website-Elemente liefert die angegebene Kinoseite allerdings nicht. Über den Film selbst oder den Inhalt des Artikels sind daraus keine überprüfbaren Angaben ersichtlich.
Für das Publikum in Leoben führt der Titel damit direkt zu einer der prägendsten Figuren der österreichischen Nachkriegsgeschichte. Bruno Kreisky wurde am 22. Jänner 1911 in Wien-Margareten, Schönbrunner Straße 122, als zweitältester Sohn einer wohlhabenden jüdischen bürgerlichen Familie geboren. Sein Vater Max war Generaldirektor mehrerer Textilunternehmen und Zensor der Österreichischen Nationalbank; 1942 emigrierte er nach Schweden. Die Mutter Irene, geborene Felix, stammte aus einer Familie von Lebensmittelproduzenten aus Znaim – die Marke Felix gibt es bis heute.
Als Fünfjähriger sah Bruno Kreisky den Trauerzug für Kaiser Franz Joseph I. Von 1917 bis 1921 besuchte er eine Knabenvolksschule im heutigen 6. Wiener Bezirk. 1925 übersiedelte die Familie in die Rainergasse 29 im 4. Bezirk. Dort wurde Kreisky 1935 verhaftet.
Vom Schüler der Sozialdemokratie zum politischen Häftling
Während seiner Gymnasialzeit kam Kreisky mit der Sozialdemokratie in Kontakt, zunächst im Verband Sozialistischer Mittelschüler, ab 1927 in der Sozialistischen Arbeiterjugend, der SAJ. Dort übernahm er rasch Leitungsfunktionen: 1930 wurde er Vorsitzender der Regionalorganisation im Wiener Umland, 1933 Leiter der Bildungs- und Kulturarbeit.
1929 begann er an der Universität Wien Rechtswissenschaften zu studieren. Eigentlich hatte er Medizin im Kopf. Der Sozialdemokrat Otto Bauer überzeugte ihn vom Jurastudium mit dem Argument, die Partei brauche gute Juristen. 1931 trat Kreisky aus der Israelitischen Kultusgemeinde aus; später bezeichnete er sich als Agnostiker.
Während der Februarkämpfe 1934 verteilte Kreisky Propagandamaterial gegen die autoritäre Regierung Dollfuß. Nach dem Verbot der Sozialdemokratie war er an der Gründung der illegalen Revolutionären Sozialistischen Jugend beteiligt und nahm an illegalen Parteitreffen in der Tschechoslowakei teil. Am 30. Jänner 1935 wurde er in der Wohnung seiner Eltern verhaftet und 15 Monate inhaftiert.
Im März 1936 begann der Sozialistenprozess. Kreiskys Verteidigungsrede erregte internationale Aufmerksamkeit. Wegen Hochverrats wurde er zu einem Jahr Kerker verurteilt, am 3. Juni 1936 aber wegen der angerechneten Untersuchungshaft entlassen. Zusätzlich relegierte man ihn von allen Hochschulen. Nachdem sein Antrag auf Aufhebung der Relegierung abgelehnt worden war, verließ er Wien vorübergehend und arbeitete in Jadersdorf in Oberkärnten einige Monate als Hilfsarbeiter in einer Weberei.
Anfang 1938 konnte Kreisky sein Studium fortsetzen und blieb für die Revolutionären Sozialisten tätig. Am 14. März 1938, einen Tag nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich, legte er sein letztes Rigorosum ab. Bei der Prüfung bestritt er die rechtliche Grundlage des Anschlusses – zugelassen wurde er trotzdem.
Flucht, Schweden und der Weg zurück
Am 15. März 1938 wurde Kreisky in „Schutzhaft“ genommen. Im August kam er unter der Bedingung frei, Österreich sofort zu verlassen. Über Dänemark gelangte er nach Schweden; ein kurzfristig organisiertes Durchreisevisum verhinderte seine Rückschiebung nach Österreich. Ursprünglich hatte er die Auswanderung nach Bolivien beantragt, dann aber eine Einladung des schwedischen Jungsozialisten Torsten Nilsson erhalten. Kreisky emigrierte nach Schweden und ließ sich in Stockholm nieder.
Sein Cousin Herbert Felix gründete dort 1939 die Konservenfabrik Felix. Anfang 1939 wurde Kreisky ökonomischer Berater im Sekretariat der Stockholmer Konsumgenossenschaft und schrieb daneben für schwedische und ausländische Zeitungen. Beim Kongress der Sozialistischen Jugendinternationale in Lille wandte er sich 1939 gegen eine Fusion mit kommunistischen Jugendverbänden. Im sowjetisch-finnischen Winterkrieg arbeitete er als Kriegsreporter.
Im Februar 1940 kamen seine Eltern aus Wien nach Schweden. Im Sommer desselben Jahres lernte Kreisky Willy Brandt kennen. Daraus entwickelte sich eine lebenslange Freundschaft. Gemeinsam arbeiteten sie in der internationalen Gruppe demokratischer Sozialisten an Fragen der europäischen Nachkriegsordnung.
1941 wurde Kreisky Obmann des Klubs österreichischer Sozialisten in Schweden. Er setzte sich früh für die österreichische Eigenstaatlichkeit ein und lehnte kommunistische Einflussnahme ab. Außerdem erreichte er, dass in Schweden internierte Wehrmachtssoldaten mit österreichischer Identität als Militärflüchtlinge und nicht als Deserteure behandelt wurden.
Kreiskys Bruder Paul emigrierte 1938 nach Palästina; Kreisky unterstützte ihn jahrzehntelang finanziell. 25 enge Verwandte Kreiskys wurden im Holocaust ermordet. Nach der Befreiung Österreichs organisierte Kreisky schwedische Hilfslieferungen mit Medikamenten, Trockenmilch und Lebensmitteln. Ab Oktober 1945 war er offizieller Beauftragter der schwedischen Regierung für diese Hilfsmaßnahmen.
Im Mai 1946 kehrte Kreisky nach Wien zurück, konnte zunächst aber nicht wieder in die österreichische Politik einsteigen. Auf Drängen von Karl Renner, Adolf Schärf und Leopold Figl ging er nach drei Monaten zurück nach Schweden und half beim Aufbau der österreichischen Gesandtschaft. Ab 1947 war er Legationssekretär erster Klasse. Ende 1950 wurde er nach Wien zurückberufen – zwölf Jahre Exil waren vorbei.
Staatsvertrag, Neutralität und Außenpolitik
Am 2. Jänner 1951 trat Kreisky eine Stelle im außenpolitischen Bereich des Bundeskanzleramts an. Im Juni wurde er außenpolitischer Berater von Bundespräsident Theodor Körner. Für Körners Rede im November 1951 über die Zugehörigkeit des Burgenlands zu Österreich formulierte Kreisky den Abschnitt über eine mögliche österreichische Neutralität.
Bei der Nationalratswahl 1953 wurde die SPÖ stimmenstärkste Partei, während die ÖVP die Mandatsmehrheit behielt. Im April 1953 übernahm Kreisky als Staatssekretär für auswärtige Angelegenheiten in der Regierung Raab I eine zentrale Rolle. Er war an den Verhandlungen zum österreichischen Staatsvertrag beteiligt. Im April 1955 reiste er mit Raab, Schärf und Figl zu Abschlussverhandlungen nach Moskau.
Im Moskauer Memorandum sagte Österreich eine immerwährende Neutralität nach Schweizer Vorbild zu. Am 15. Mai 1955 wurde der österreichische Staatsvertrag unterzeichnet. Kreisky bezeichnete diesen Tag später als den größten Tag seines politischen Lebens. Wegen der Neutralität und des Anschlussverbots an Deutschland trat Österreich nicht der EWG bei, sondern unterstützte die britische Freihandelsinitiative EFTA.
1955 wurde Kreisky in den SPÖ-Parteivorstand gewählt. Bei der Nationalratswahl 1956 zog er für den Wahlkreis St. Pölten in den Nationalrat ein und blieb dort bis 1983. 1959 wurde er Außenminister im Kabinett Raab III. Unter seiner Führung wurde das Außenamt als eigenständiges Bundesministerium organisiert. Kreisky pflegte Kontakte zu Journalisten und setzte zusätzlich PR-Fachleute ein; er fungierte als politischer Vermittler zwischen Ost und West.
Auf seine Initiative wurde Wien als neutraler Ort für das Gipfeltreffen von John F. Kennedy und Nikita Chruschtschow ausgewählt, das im Juni 1961 stattfand. Während der Kubakrise 1962 übermittelte Kreisky einen sowjetischen Deeskalationsvorschlag an die US-Regierung.
Die Südtirolfrage brachte Kreisky 1960 vor die UNO-Generalversammlung. Die UNO forderte Österreich und Italien zur Fortsetzung ihrer Gespräche auf. 1964 erzielte Kreisky bei einer Geheimkonferenz mit dem italienischen Außenminister Giuseppe Saragat erste wichtige Ergebnisse. Sie bildeten eine Grundlage für das Südtirol-Paket von 1969; 1992 erklärten Österreich und Italien den Streit vor der UNO für beigelegt. Kreisky unterstützte 1964 außerdem die Bildung eines sozialdemokratischen Flügels innerhalb der Südtiroler Volkspartei.
Aktive Nachbarschaftspolitik führte ihn nach Rumänien, Bulgarien und Ungarn – als ersten westlichen Außenminister. 1962 veranstaltete er eine Konferenz zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Staaten der Dritten Welt. Dort wurde erstmals seine Idee eines Marshallplans für die Dritte Welt formuliert. Im Anschluss entstand das Wiener Institut für Entwicklungsfragen, später Vienna Institute for International Dialogue and Cooperation. 1964 gründete Kreisky die Diplomatische Akademie Wien neu.
Die Ära als Bundeskanzler
Bei der Nationalratswahl 1966 verlor die SPÖ Stimmen durch mehrere innerparteiliche und politische Affären, während die ÖVP die absolute Mehrheit erreichte. Kreisky führte erfolglose Koalitionsverhandlungen und warnte vor einem Rückzug in die Opposition. Die ÖVP bildete schließlich eine Alleinregierung.
Am 1. März 1970 errang die SPÖ die relative Mehrheit. Kreisky bildete eine SPÖ-Minderheitsregierung mit Duldung der FPÖ. Im Gegenzug wurde das Wahlrecht geändert und die Zahl der Nationalratsabgeordneten von 165 auf 183 erhöht. Vier Minister seines ersten Kabinetts waren ehemalige Mitglieder von NSDAP, SS oder SA. Das führte zu Kritik von Simon Wiesenthal und zu internationaler Kritik.
Bei den Wahlen 1971, 1975 und 1979 erreichte die SPÖ jeweils die absolute Mehrheit. Nach der Wahl 1983 erhielt sie diese Mehrheit nicht mehr. Kreisky lehnte eine Koalitionsregierung ab, übergab die Regierungsbildung an Fred Sinowatz und trat als SPÖ-Parteivorsitzender zurück. Danach zog er sich aus der aktiven Politik zurück und wurde SPÖ-Ehrenvorsitzender.
Seine Regierungen erhöhten 1970 die Witwenpensionen, führten 1971 einen dreiwöchigen Mindesturlaub und ab 1972 kostenlose jährliche Gesundenuntersuchungen ein. Hinzu kamen die staatliche Krankenversicherung für Studierende, eine bessere Anrechnung von Studienzeiten und Arbeitslosigkeit bei Pensionen sowie Erhöhungen der Familien- und Geburtenbeihilfe 1974.
1970 wurde erstmals ein eigenes Wissenschaftsministerium geschaffen, die Studiengebühren wurden abgeschafft. Das Universitäts-Organisationsgesetz 1975 führte eine Drittelparität von Professoren, Mittelbau und Studierenden in Universitätsgremien ein. Die Wehrdienstzeit sank 1971 von acht Monaten auf sechs Monate plus 60 Tage Wehrübungen. 1975 wurden die umfassende Landesverteidigung und die Grundzüge des Milizheeres beschlossen; die allgemeine Wehrpflicht für Männer und der Zivildienst wurden in der Verfassung verankert.
Für den Bildungszugang gab es ab 1972 kostenlose Schulbücher und Schülerfreifahrten, außerdem wurden Schulbeihilfen und Schulbauten ausgebaut. Das Schulorganisationsgesetz 1974 stärkte die Mitwirkung von Schülern und Eltern. 1975 wurde die Wochenarbeitszeit auf 40 Stunden verkürzt.
Unter Justizminister Christian Broda folgten umfassende Reformen des Familien- und Strafrechts. 1971 wurde die Strafbarkeit gleichgeschlechtlicher Handlungen stark eingeschränkt; mehrere Ehr- und Familiendelikte wurden abgeschafft. Die Strafrechtsreform 1975 und Reformen des Familienrechts brachten unter anderem die Gleichstellung der Ehegatten, die Gleichstellung ehelicher und unehelicher Kinder, eine Erleichterung der Ehescheidung und die Einführung einer Fristenregelung für Schwangerschaftsabbrüche.
Zwentendorf, Schulden und der politische Abgang
1978 fand die erste österreichische Volksabstimmung über die Inbetriebnahme des fertiggestellten Kernkraftwerks Zwentendorf statt. 50,47 Prozent stimmten dagegen. Das Atomverbot wurde im Dezember 1978 gesetzlich und 1999 als Verfassungsgesetz verankert.
1982 unterschrieben 1.361.562 Menschen ein Volksbegehren gegen den Bau eines österreichischen Konferenzzentrums. Kreisky ließ das Projekt trotzdem fertigstellen. 1987 wurde es als Austria Center Vienna eröffnet.
Die österreichische Bundesfinanzschuld stieg von 12,5 Prozent des BIP 1970 auf 32,4 Prozent 1983; nach Maastricht-Kriterien betrug sie 1983 43,5 Prozent des BIP. Kreisky und Finanzminister Hannes Androsch finanzierten Infrastruktur- und Staatsprojekte teilweise kreditfinanziert.
Ende der 1970er Jahre verschlechterte sich das Verhältnis zwischen Kreisky und Androsch. Dessen Steuerberatungskanzlei hatte auch Aufträge staatseigener Betriebe angenommen; später folgten Steuer- und Strafverfahren wegen nicht versteuerter Einnahmen. Der Konflikt führte 1981 zum Ausscheiden Androschs aus der Spitzenpolitik.
Nach dem Ölschock 1973–1975 setzte die Regierung auf Vollbeschäftigung, Investitionen, Hartwährungspolitik, Sozialpartnerschaft und einen hohen Staatsanteil an der Wirtschaft. Später wurde diese Politik als „Austro-Keynesianismus“ bezeichnet. Bis 1980 wurden, außer 1975, hohe Wachstumsraten erreicht; Österreich verzeichnete Vollbeschäftigung, niedrige Inflation und wenige Streiks.
Die staatliche Industrie hielt trotz des Konjunktureinbruchs hohe Investitionen und Beschäftigungszahlen bei, notwendige Strukturanpassungen blieben aus. Ab 1981 verschärfte sich die internationale Rezession, während die österreichischen Budgetspielräume eingeschränkt waren. 1982 legten Kreisky und Finanzminister Herbert Salcher das sogenannte „Mallorca-Paket“ zur Budgetsanierung vor. Ab 1982 stieg die Arbeitslosigkeit deutlich, blieb aber im internationalen Vergleich niedrig.
Zwischen 1981 und 1985 erhielten verstaatlichte Unternehmen, insbesondere VOEST und die Vereinigten Edelstahlwerke, fast 21 Milliarden Schilling an staatlichen Zuschüssen.
Ein Kanzler mit internationalem Radius
Als Bundeskanzler setzte Kreisky seine intensive außenpolitische Tätigkeit fort. Seine Außenminister waren Rudolf Kirchschläger, Erich Bielka und Willibald Pahr. Kreisky unterstützte Kurt Waldheims Bewerbung zum UNO-Generalsekretär; Waldheim wurde 1971 gewählt.
Im Nahostkonflikt pflegte Kreisky Beziehungen zu arabischen Politikern, darunter Anwar as-Sadat und Muammar al-Gaddafi. Er ermöglichte der PLO die Einrichtung eines offiziellen Büros in Wien. Gleichzeitig unterstützte Österreich weiterhin die Durchreise sowjetischer Juden auf dem Weg nach Israel.
Nach der Geiselnahme in Marchegg 1973 sagte Kreisky die Schließung des jüdischen Transitlagers Bad Schönau zu. Ministerpräsidentin Golda Meir konnte ihn nicht umstimmen. Kreiskys Haltung gegenüber Israel und seine Aussagen zum Nahostkonflikt führten in Israel zu scharfer Kritik.
Gemeinsam mit Willy Brandt und Olof Palme setzte er sich für Nord-Süd-Dialog, Friedenspolitik und Entwicklungshilfe ein. Diese Zusammenarbeit führte er auch nach seinem Rücktritt in der Sozialistischen Internationale fort. Bruno Kreisky starb am 29. Juli 1990 in Wien.
Wie stark die Figur bis heute nachwirkt, zeigt schon die lange Reihe an Monografien, Sammelbänden und Analysen. Johannes Kunz gab 1975 Die Ära Kreisky. Stimmen zu einem Phänomen heraus. Es folgten unter anderem Erich Bielka von Karltreu, Peter Jankowitsch und Hans Thalberg mit Die Ära Kreisky. Schwerpunkte der österreichischen Außenpolitik (1983), die Brüche und Aufbrüche. Zum Wandel der Werte in der Politik der Aktion kritische Wähler (1985) und Der österreichische Weg. 1970–1985. 15 Jahre, die Österreich verändert haben, herausgegeben von Erich Fröschl und Helge Zoitl (1985).
Zur Geschichte der SPÖ erschienen 1988 Peter Pelinka und Gerhard Stegers Auf dem Weg zur Staatspartei. Maria Jose Corominas widmete 1991 Bruno Kreisky. Un homme per a la pau. Mallorca 1976–1990. Heinz Fischer veröffentlichte 1993 Die Kreisky-Jahre. 1967–1983, H. Pierre Secher im selben Jahr Bruno Kreisky. Chancellor of Austria. A Political Biographie. Ebenfalls 1993 erschien Günter Bischof und Anton Pelinkas The Kreisky Era in Austria 1994.
Weitere Arbeiten beleuchteten einzelne Seiten des Politikers: Herwig Danzinger untersuchte 1994 in Bruno Kreisky und die Zeitschrift „Profil“ die politische Kommunikation. Konrad R. Müller, Werner A. Perger und Wolfgang Petritsch legten 1995 Bruno Kreisky. Gegen die Zeit vor; Gabriele Bernadette Waldner schrieb in Bruno Kreisky, Medienstar über Kalkül und Intuition. Harald Pesendorfer behandelte 1996 die Transformation der SPÖ, Andreas P. Pittler veröffentlichte eine Biografie. Gerhard Schmid analysierte 1996 die Auswirkungen der Ära Kreisky auf das politische System Österreichs.
1997 erschien Die Ära Kreisky. Österreich im Wandel 1970–1983, herausgegeben von Doris Wiesinger, 1998 Bruno Kreisky. Seine Zeit und mehr vom Bruno Kreisky Archiv und dem Historischen Museum der Stadt Wien. Gerhard Schmid folgte 1999 mit Österreich im Aufbruch, Wolfgang Petritsch 2000 mit einem biografischen Essay. Der Kreisky-Androsch-Konflikt wurde von Christian Dickinger (2000) sowie Barbara Liegl und Anton Pelinka in Chronos und Ödipus (2004) aufgearbeitet.
Auch die Außenpolitik blieb ein eigenes Forschungsfeld: Elisabeth Röhrlich untersuchte 2005 Exilerfahrung und internationale Politik und 2009 Kreiskys Außenpolitik. Zwischen österreichischer Identität und internationalem Programm. Gerald Hinteregger veröffentlichte 2008 Im Auftrag Österreich. Gelebte Außenpolitik von Kreisky bis Mock. Anton Pelinka, Hubert Sickinger und Karin Stögner stellten 2008 in Kreisky – Haider. Bruchlinien österreichischer Identitäten politische Konfliktlinien gegenüber.
Spätere Bücher reichen von Wolfgang Petritschs Bruno Kreisky. Die Biografie (2010) über Helene Maimanns Über Kreisky (2011) bis zu Christoph Hirschmanns Ein Leben für die Sozialdemokratie. Bruno Kreisky. Sonnenkönig, Arbeiterführer und Einzelgänger (2018). Christoph Kotanko legte 2020 Kult-Kanzler Kreisky. Mensch und Mythos vor, Ulrich Brunner im selben Jahr Lernen S‘ Geschichte, Herr Reporter! Bruno Kreisky. Episoden einer Ära. Daniel Aschheim widmete sich 2022 mit Kreisky, Israel, and Jewish Identity einem besonders sensiblen Kapitel. Günter Bischof und Peter Ruggenthaler ordneten 2022 Österreichs Balanceakt zwischen Ost und West ein; 2025 folgte der Sammelband Bruno Kreisky’s Foreign Policy von Günter Bischof und Michael Burri.
Lexikon- und Fachbeiträge reichen von Félix und Denise Kreisslers „Bruno Kreisky“ in Les Grands Revolutionnaires (1984) über Hans Eders „Die Politik in der Ära Kreisky“ (1995), Wolfgang C. Müllers „Bruno Kreisky“ (1995) und Oliver Rathkolbs Porträt in Lebensbilder europäischer Sozialdemokraten des 20. Jahrhunderts (1995) bis zu Rathkolbs Analyse der Jahre 1970–1983 in Österreich im 20. Jahrhundert (1997). Günter Bischof veröffentlichte 2001 einen Artikel in Europe Since 1945. An Encyclopedia.
Rathkolb untersuchte 2008 die sozialdemokratischen Netzwerke in der europäischen Nahostpolitik mit Brandt, Kreisky und Palme als politischen Unternehmern. 2017 beschrieb er Kreisky als den „besten zweiten Mann“ und beliebtesten Bundeskanzler der Zweiten Republik.
Es gibt außerdem Bildbände und Karikaturen: Bruno Kreisky, fotografiert von Konrad R. Müller mit Texten von Gerhard Roth und Peter Turrini (1981), Irene Etzersdorfers Kreiskys große Liebe, Inszenierungen eines Staatsmannes (1987), Doris Fuchs’ Bruno Kreisky in der Karikatur (1995), Andreas Pittlers Das Bruno Kreisky Album (2010) und Hans Werner Scheidls Der wahre Kreisky. Eine Biographie in Anekdoten und Karikaturen mit Illustrationen von Ironimus, Gustav Peichl (2010). 2017 gab Margret Wenzel-Jelinek Kreisky und kein Nachfolger heraus.
Nachweise zu Bibliografie, audiovisuellen Medien und Videos befinden sich auf den Seiten des Kreisky-Archivs in Wien als Onlineressource. Der Kinotitel „Bruno – Der junge Kreisky“ bleibt an diesem 29. Oktober 2026 dennoch zunächst das, was die Quelle tatsächlich hergibt: ein Titel im Programm, mehr nicht.
