In Wien gibt es nicht nur unzählige beeindruckende Sehenswürdigkeiten und kulturelle Highlights, sondern auch die kleinen, oft unsichtbaren Probleme, die das alltägliche Leben betreffen. Ein aktueller Bericht des Stadtrechnungshofs zeigt, dass einige Wiener Kindergärten gravierende Mängel aufweisen. Besonders erschreckend ist, dass diese Missstände nicht erst seit gestern bekannt sind. In einer stichprobenartigen Untersuchung wurden die Freiflächen von fünf Standorten in den Bezirken Leopoldstadt, Penzing, Döbling, Donaustadt und Liesing auf ihre Sicherheit überprüft. Die Ergebnisse sind alles andere als beruhigend.
Die Mängel, die festgestellt wurden, sind alarmierend. In der Leopoldstadt etwa sorgt eine Stolpergefahr durch Kanaldeckel und offene Fugen für Unbehagen. Ähnlich sieht es in Penzing aus, wo verwitterte Fassaden und Pflanzenbewuchs auf eine Vernachlässigung hindeuten. Doch das ist nicht alles: Im Bezirk Döbling fehlen Handläufe, und die Unebenheiten sind ein echtes Risiko für die kleinen Abenteurer. In Donaustadt sind die Kennzeichnungen von Einzelstufen nicht vorhanden, während in Liesing die schweren Mängel im Kindergarten bereits seit Jahren bekannt sind. An diesen Stellen haben die zuständigen Behörden offenbar nicht schnell genug reagiert, obwohl die Sicherheit der Kinder auf dem Spiel steht.
Die Realität der Freiflächen
Im Prüfzeitraum gab es glücklicherweise keine nennenswerten Unfälle, die auf diese infrastrukturellen Mängel zurückzuführen sind. Dennoch ist es besorgniserregend, dass die durchschnittliche Freifläche pro Kind in den Kindergärten nur 19,90 Quadratmeter beträgt. Für einige Kinder in Mariahilf sind es sogar nur 2,52 Quadratmeter. Im Gegensatz dazu erfreuen sich die Kinder in Hietzing an fast 60 Quadratmetern Freifläche. Da fragt man sich schon: Wo bleibt hier die Chancengleichheit für alle Kinder?
Die MA 10, zuständig für die Wiener Kindergärten, hat zwar angekündigt, die schweren Mängel „ehestbald“ zu beheben, doch dies hängt stark von den Budgetmitteln der Bezirke ab. Frühere Berichte hatten bereits auf die fehlenden Daten zur Finanzierung städtischer Kindergartenplätze hingewiesen. Förderungen wurden auf Basis von Schätzungen ausbezahlt, was die Situation zusätzlich verkompliziert.
Standards und Normen für sichere Spielräume
In diesem Zusammenhang ist die Norm DIN 18034-1, die im Oktober 2020 veröffentlicht wurde, von großer Bedeutung. Sie bietet Hilfestellung für die Planung, den Bau und den Betrieb von Spielplätzen und Freiräumen. Neueste planerische und spielpädagogische Erkenntnisse fließen in diese Norm ein, um sicherzustellen, dass die Bedürfnisse aller Kinder, einschließlich derjenigen mit Behinderungen, berücksichtigt werden. Die Norm strebt eine barrierefreie Erreichbarkeit und vielfältige Ausstattung an, was für eine inklusive Gesellschaft unerlässlich ist.
Während einige der Mängel in den Wiener Kindergärten auf veraltete Infrastrukturen zurückzuführen sind, zeigt die DIN-Norm auf, wie wichtig es ist, Sicherheitsstandards zu beachten. Diese Normen, die auch die Berücksichtigung von Spielraum und Flächenbedarf regeln, sind entscheidend, um den Kindern eine sichere und ansprechende Umgebung zu bieten. Leider sind sicherheitstechnische Anforderungen an Spielplatzgeräte in dieser Norm nicht enthalten, sondern in der Normenreihe DIN EN 1176 geregelt. Das wirft Fragen auf, wie umfassend die Sicherheit tatsächlich gewährleistet ist.
Die städtischen Behörden stehen nun vor der Herausforderung, die ausstehenden Mängel in den Kindergärten zu beheben und gleichzeitig die Standards für zukünftige Projekte einzuhalten. Die Kinder der Stadt verdienen es, in einer Umgebung zu spielen, die nicht nur sicher, sondern auch anregend ist. Die Debatte um die Qualität der Kindergärten und Spielräume wird uns also sicherlich noch länger beschäftigen.
Für weitere Informationen zu diesem Thema und den aktuellen Stand der Dinge, können Interessierte den Beitrag des Stadtrechnungshofs unter diesem Link nachlesen.