In der Innenstadt von Melk ist der Spatenstich für den „Stadtgarten Melk“ erfolgt. Auf rund 1,7 Hektar soll ein waldähnlicher Grünraum entstehen – ein klimafittes Quartier, das auch unter dem Namen „Boulevard Melk“ geführt wird. Der Standort liegt an der Abbe-Stadler-Gasse, 3390 Melk, und ist derzeit noch von einem Parkplatz sowie versiegelten Flächen geprägt.

Die ersten Bauarbeiten sollen im November 2028 beginnen, die Fertigstellung ist für Juli 2029 vorgesehen. Zuvor wird der Weierbach saniert, danach folgt der Stadtgarten. Die Stadt beschäftigt sich bereits seit 2014 mit dem Vorhaben. Laut Bürgermeister Patrick Strobl (ÖVP) waren die Melkerinnen und Melker von Anfang an in Diskussion, Entwicklung und Entscheidungen eingebunden.

Grünraum statt Parkplatz

Auf der rund 1,5 Hektar großen bisher versiegelten Fläche sind Grünflächen, schattenspendende Bäume, Aufenthaltsbereiche und Verkehrswege geplant. Dazu kommen Wohnraum und gewerbliche Nutzungen im Erdgeschoss. Der Stadtgarten ist als erster Schritt zu einem klimaresilienten Stadtquartier gedacht und soll Teil eines „Klimawaldes“ mitten in Melk werden.

An heißen Tagen soll die Innenstadt messbar abkühlen. Hitzeinseln sollen kleiner werden, Regenwasser besser versickern und das Überschwemmungsrisiko bei Starkregen sinken. Für die Menschen bedeutet das mehr Aufenthaltsqualität – also hoffentlich weniger aufgeheizter Asphalt, mehr Schatten und Plätze, an denen man im Sommer tatsächlich sitzen mag.

Das Projekt läuft von August 2025 bis Juli 2029. Melk ist dabei gemeinsam mit Berlin-Charlottenburg Teil eines europäischen Demonstrationsprojekts: Während in Melk ein klimafittes Stadtquartier mit Klimawald entsteht, wird in Berlin eine Straße entwickelt, die vollständig mit Regenwasser versorgt wird. Der Austausch zwischen den beiden Standorten soll übertragbare Lösungen für Klimaanpassung, Finanzierung und Bürgerbeteiligung hervorbringen.

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Millionen aus EU-Programm und Bodenbonus

Das EU-Projekt „impaQt“ stellt dafür 3,8 Millionen Euro bereit, die sich Melk und Berlin teilen. Das gemeinsame Gesamtprojektvolumen beträgt 5.148.888 Euro. Für alle Projektpartner stehen rund 3,9 Millionen Euro an Fördermitteln aus dem EU-LIFE-Programm und der FFG zur Verfügung. Der Förderwert für Melk liegt bei rund 2,3 Millionen Euro.

Direkt an die Stadt fließen rund 628.000 Euro für Umsetzungs- und Personalkosten: 100.000 Euro kommen von der FFG, 528.000 Euro aus dem EU-LIFE-Programm. Weitere Finanzierungsquellen sind EU-LIFE über CINEA, die FFG und der NÖ Bodenbonus des Landes Niederösterreich; zusätzliche Förderungen werden geprüft.

Der Bodenbonus unterstützt Gemeinden unter anderem bei Entsiegelung, Begrünung und Beschattung. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) verwies in diesem Zusammenhang auf 45 bereits umgesetzte Projekte, darunter die Schwammstadt in Tulln. Bürgermeister Strobl bezeichnete das Melker Vorhaben als Zeichen für nachhaltige Stadtentwicklung, Klimaschutz und Lebensqualität.

Ein Schwerpunkt von „LIFE_impaQt (Q for Quarter): transformative action model“ ist die Entwicklung der „Öko-Sozialen Stadterneuerungsanleihe“. Das wirkungsbasierte Finanzierungsinstrument orientiert sich an sogenannten Impact Bonds: Werden nachweisbare ökologische und soziale Verbesserungen erzielt, können zusätzliche Finanzmittel freigesetzt werden. Bewertet wird dabei das Zusammenspiel mehrerer Maßnahmen auf Ebene des gesamten Stadtquartiers. Langfristig soll das Modell zusätzliche öffentliche und private Investitionen in klimaresiliente Stadtquartiere ermöglichen.

Wissenschaftliche Begleitung und viele Partner

Die ökologischen, ökonomischen und sozialen Auswirkungen werden während der gesamten Projektlaufzeit wissenschaftlich begleitet, dokumentiert und ausgewertet. Beteiligt sind die Stadt Melk, das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf, die Green4Cities GmbH, die Universität für Bodenkultur Wien, Superwien urbanism ZT GmbH, die Steuerberatungskanzlei Mag. Roland Honeder, Plan Zwei – Stadtentwicklung, Stadtforschung, Kommunikation, die European Federation of Green Roof and Wall Associations, Komobile GmbH sowie die Energie- und Umweltagentur des Landes Niederösterreich.

In Melk ist bei der Projektentwicklung Anette Ess tätig, für die Stadtbetriebe Ing. Robert Scherer. Auch die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt ist eingebunden. Die Projektnummer lautet LIFE-24-SAPC-3931.

Die Idee hinter dem Stadtgarten passt zum sogenannten Schwammstadt-Konzept. Städte und ihr Umland sind zunehmend mit Hitze, Starkregen, Überflutungen und Trockenheit konfrontiert. Das bestätigt die Klimawirkungs- und Risikoanalyse des Bundes aus dem Jahr 2021. Stadtbäume und andere natürliche Systeme leiden zwar selbst unter dem Klimawandel, können aber Kohlenstoff binden, Klimafolgen mindern und die Anpassung unterstützen.

Was eine Schwammstadt leisten soll

Das Umweltbundesamt beschreibt Schwammstädte als Verbindung naturbasierter Lösungen mit blau-grüner Infrastruktur. Eine solche Stadt speichert überschüssiges Regenwasser wie ein Schwamm und gibt es zeitverzögert wieder ab – durch Verdunstung, Versickerung oder Wiederverwendung, etwa zur Bewässerung. Das soll bei Starkregen ebenso helfen wie bei Hitze und längeren Trockenperioden und den natürlichen Wasserkreislauf zumindest teilweise wiederherstellen.

Grünere Städte können den Wärmeinseleffekt verringern und Lebensqualität, Gesundheit sowie Wohlbefinden verbessern. Die Nationale Wasserstrategie der Bundesregierung nennt die Schwammstadt als Ansatz für eine gewässerverträgliche und klimaangepasste Flächennutzung. Auch der Zweite Fortschrittsbericht zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel und das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz führen sie als Konzept der urbanen Klimaanpassung an. In Deutschland greifen zunehmend Kommunen darauf zurück; aus einem Fachkonzept für dezentrales Niederschlagsmanagement ist ein übergeordnetes Modell klimaresilienter Stadtentwicklung geworden.

Das Umweltbundesamt, Quelle aus dem Jahr 2023 und zuletzt aktualisiert am 3. Juli 2024, untersucht die Schwammstadt als Teil eines klimaresilienten, nachhaltigen und gesundheitsfördernden Stadtumbaus. Eine Forschungskonferenz im Juni 2022 beschäftigte sich mit naturbasierten Konzepten und Maßnahmen für klimaresiliente Schwammstädte. Im Mittelpunkt standen Umsetzung und Operationalisierung, technische Lösungen, räumliche Planung, Governance und Gerechtigkeit.

Weitere Forschung befasst sich mit dem Projekt „Neues Europäisches Bauhaus weiterdenken“, das am Beispiel von Offenbach am Main, Wien und Bochum Ziele klimaresilienter Schwammstädte sowie fördernde Faktoren und Hemmnisse des Umbaus untersucht. Ein Folgeprojekt ab 2025 widmet sich der Verstetigung der Schwammstadt, Stadt-Umland-Beziehungen und dem täglichen Leben in Schwammstädten. Das Vorhaben „Umsetzung der Schwammstadt“ analysiert politische Instrumente und entwickelt neue Instrumente sowie Kombinationen für den Umbau. Auch nachhaltige Musterlösungen für Dächer in blau-grünen Städten und mögliche gesundheitliche Nebenwirkungen von Schwammstadt-Maßnahmen werden untersucht. Die Ergebnisse sollen in einen Leitfaden für die Planung klimaresilienter Städte einfließen.

Das Vorhaben „Resiliente naturbasierte Lösungen für Städte und Gemeinden“ arbeitet an Kommunikations- und Entscheidungshilfen für mehr naturbasierte Klimaanpassung auf kommunaler Ebene. Die Fachbroschüre „Ziele und Politikinstrumente für klimaresiliente Schwammstädte“ schlägt einen politischen Instrumentenmix vor und zeigt Wege zur Zielformulierung.

Auf der langen Liste des Umweltbundesamtes stehen außerdem ökologische Stadtplanung und grüne Dächer, kommunale Klimarisikoanalysen nach DIN EN ISO 14091:2021-07 sowie Starkregenvorsorge und wassersensible Stadtentwicklung mit multifunktionaler Flächennutzung, Starkregengefahrenkarten, Warnung und Kommunikation. Behandelt werden ebenso Niedrigwasser, Dürre und Grundwasserneubildung, die Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern an der Starkregenvorsorge und die private Eigenvorsorge.

Weitere Studien widmen sich nachhaltiger Gebäudeklimatisierung, Regenwassernutzung zur Verdunstungskühlung, Hitzeschutz für ältere Menschen, Verhalten bei Hitze und kommunalen Hitzeaktionsplänen. Dazu kommen Veröffentlichungen zu Stadtgrün, Pestizideinsatz in Kommunen, klimaangepasster Stadt- und Freiraumplanung, Entsiegelung und der Wiederherstellung von Bodenfunktionen. Untersucht werden auch rechtliche Rahmenbedingungen einer möglichen Entsiegelungsverordnung, die Wasseraufnahme landwirtschaftlicher Böden und Überflutungsrisiken.

Als Werkzeuge der Klimaanpassung nennt das Umweltbundesamt das Deutsche Klimavorsorgeportal, den Klimalotsen, die Tatenbank und das Urban Adaptation Support Tool. Weitere Themen sind die Deutsche Anpassungsstrategie und ihre Monitoringberichte, Überflutungs- und Hitzevorsorge durch Stadtentwicklung, die Rücknahme von Siedlungsbereichen als Anpassungsstrategie, wasserbewusste Stadtentwicklung, grüne Infrastruktur, Gebäudebegrünung und strategische Klimarisikovorsorge. Die Schlagworte dazu: Klimawandel, Hitzewellen, Klimaanpassung, Lebensqualität, Stadt, Starkregen und Schwammstadt.