Lehre als Lebensweg: Die Faszination der dualen Ausbildung in Murau-Murtal
Die duale Ausbildung hat in der Region Murau-Murtal nichts von ihrer Anziehungskraft verloren. Wenn man sich umschaut, sieht man, wie viele Jugendliche sich für eine Lehre entscheiden. Im Jahr 2025 waren in der Steiermark insgesamt 14.442 junge Menschen in Lehrverhältnissen – eine Zahl, die sich über die letzten zehn Jahre stabil gehalten hat. Besonders im Bezirk Murau gab es 250 Lehrlinge, die in 112 Betrieben ausgebildet werden. Im Bezirk Murtal waren es sogar 963 Lehrlinge in 268 Betrieben. Das zeigt, dass die duale Ausbildung hier nicht nur eine Option, sondern eine echte Chance ist.
Was zieht die Jugendlichen an? Praktische Ausbildung, ein früherer Einstieg ins Berufsleben, eigenes Geld verdienen und vor allem die Aussicht auf gute Zukunftsperspektiven sind die Hauptgründe. David Veit, ein Installations- und Gebäudetechniker bei den Stadtwerken Judenburg AG, schätzt die Möglichkeit, in seiner Heimat zu arbeiten und gleichzeitig finanziell unabhängig zu sein. Alessio Grasser von der Ainet GmbH sieht die spannende Zukunftsperspektive in der Region als einen wichtigen Faktor, der ihn zu seiner Entscheidung für die Lehre bewegt hat. Auch Sabrina Leitner, die als Industriekauffrau bei der Zellstoff Pöls AG arbeitet, hebt die Verbindung von Büroalltag und praktischer Ausbildung hervor, die ihr eine vielversprechende Karriere eröffnet.
Beliebte Berufe und faszinierende Geschichten
Die beliebtesten Lehrberufe in der Region sind Metalltechnik, Elektrotechnik und Einzelhandel. Sarah Teichert, Seilbahntechnikerin am Kreischberg, hat sich bewusst für eine technische Ausbildung entschieden, weil sie in den Bergen arbeiten wollte. Thomas Pichler hingegen kam durch einen Schnuppertag zur Informationstechnologie – und bereut seine Entscheidung nicht. Diese individuellen Geschichten zeigen, dass die Wahl einer Lehre oft mehr ist als nur ein beruflicher Schritt. Es ist eine Entscheidung für eine Lebensweise, die oft mit persönlichen Interessen oder Träumen verknüpft ist.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Im Jahr 2025 gab es einen Rückgang der Lehrlingszahlen im Vergleich zum Vorjahr: von 14.928 auf 14.442. Laut der WKO Steiermark sind konjunkturelle und demografische Gründe dafür verantwortlich. Interessanterweise haben sich nur 37% der 15-Jährigen für eine Lehre entschieden – das ist der niedrigste Wert im letzten Jahrzehnt. Im Bezirk Graz zum Beispiel gibt es 3.494 Lehrlinge, während der Bezirk Murau mit 250 Lehrlingen abschneidet. Die Beliebtheit der Lehrberufe zeigt sich auch darin, dass bei Burschen Metalltechnik an erster Stelle steht, während bei Mädchen der Einzelhandel die Nase vorn hat.
Neue Chancen und Herausforderungen
Für die kommenden Jahre hat das Land Steiermark bereits 60 neue Lehrstellen in 13 Berufen ausgeschrieben. Außerdem wird die Kombination von Lehre und Leistungssport immer beliebter. Die ÖBB sucht für den Herbst 2026 120 Lehrlinge in kaufmännischen und technischen Berufen. Es gibt also durchaus Chancen auf dem Lehrstellenmarkt, trotz der rückläufigen Neuanfängerzahlen. Innovative Formate wie „Lehre mit Matura“ sorgen dafür, dass die Ausbildung für viele attraktiver wird.
Die Herausforderungen bleiben jedoch bestehen. Die demografische Entwicklung und das Matching von Angebot und Nachfrage stellen für die Region und die Unternehmen eine Aufgabe dar. Gleichzeitig gibt es laut AMS mehr offene Lehrstellen als Lehrstellensuchende. Das kann für Unternehmen eine Chance sein, ihren Nachwuchs zu sichern und gleichzeitig die Attraktivität der Lehre als Karriereweg zu steigern. Bildungs- und Berufsorientierungsmessen sind ein weiteres wichtiges Instrument, um Jugendliche über die Möglichkeiten der Lehre zu informieren und sie zu motivieren, diesen Weg zu gehen.
In der Region Murau-Murtal zeigt sich eine positive Entwicklung, die durch das Engagement der Betriebe und eine Vielzahl an Ausbildungsangeboten gefördert wird. Es bleibt spannend, wie sich die duale Ausbildung in den kommenden Jahren weiterentwickeln wird. Die Geschichten der Lehrlinge aus der Region sind dabei ein ermutigendes Zeichen für die Zukunft.
