Junger Radprofi erobert zwei Berufswelten und zeigt, wie spannend die Zukunft des Handwerks sein kann
In Murtal gibt es Grund zur Freude! Alexander Paulitsch, ein junger Mann mit gerade mal 20 Jahren, hat es geschafft, das Unmögliche möglich zu machen: Er hat nicht nur seine Ausbildung bei der Radwerkstatt Willibald in Knittelfeld erfolgreich abgeschlossen, sondern zwei Lehrabschlussprüfungen bestanden. Und das in zwei unterschiedlichen Bereichen – einmal als Fahrradmechatroniker und einmal als Einzelhandelskaufmann mit Schwerpunkt Sportartikel. Das ist schon eine ganz besondere Leistung, besonders in einer Zeit, in der die duale Ausbildung oft auf ein Fachgebiet beschränkt ist.
Die Radwerkstatt Willibald feiert diesen Erfolg als einen Meilenstein in ihrer Firmengeschichte. Es ist bemerkenswert, denn vor 2020 gab es in Österreich keinen eigenen Lehrberuf für Fachkräfte, die Fahrräder und E-Bikes professionell warten und reparieren können. Dank der Initiative von Wirtschaftskammerpräsident Josef Herk und der Radwerkstatt wurde der Lehrberuf des Fahrradmechatronikers 2020 wieder offiziell eingeführt. Auch wenn nur rund zehn Jugendliche in den letzten Jahren in der Steiermark diese neue Lehre abgeschlossen haben, zeigt Alexanders Erfolg, wie wichtig und wertvoll solch eine Ausbildung ist.
Ein vielversprechender Weg
Alexander Paulitsch bleibt der Radwerkstatt als Facharbeiter erhalten und hat damit die Möglichkeit, seine Fähigkeiten weiter auszubauen und an spannenden Projekten mitzuarbeiten. So könnte er sich zum Beispiel entscheiden, eine Meisterprüfung abzulegen. Um diese zu erreichen, ist es notwendig, die IHK-Prüfung zu bestehen. Dazu gibt es spezielle Vorbereitungslehrgänge, die in Teilzeit über zweieinhalb Jahre laufen und mehrere tausend Euro kosten können. Doch der Aufwand lohnt sich, denn ein Meister in diesem Bereich kann ein Gehalt von bis zu 5.000 Euro monatlich erzielen.
Die Ausbildung zum Zweiradmechaniker ist jedoch nicht der einzige Weg für Alexander. Er könnte auch den staatlich geprüften Techniker anstreben, was eine Fortbildung in verschiedenen Fachrichtungen wie Maschinenbau oder Elektrotechnik bedeutet. Diese Techniker-Fortbildung dauert je nach wöchentlichem Zeitaufwand zwischen 30 und 42 Monaten und an staatlichen Fachschulen fallen keine Kosten an. Nach dem Abschluss kann auch hier ein ansprechendes Gehalt zwischen 3.500 und 5.000 Euro brutto im Monat erzielt werden.
Die kreative Seite des Handwerks
Ein weiterer interessanter Aspekt des Fahrradmechaniker-Daseins ist die Möglichkeit, sich mit dem Rahmenbau zu beschäftigen. Die Komplexität und die Möglichkeiten sind hier enorm. Teilnehmer an entsprechenden Seminaren können beispielsweise lernen, gemuffte Rahmen selbst herzustellen, und das in nur einer Woche! Hierbei zählen nicht nur das theoretische Wissen über Fahrwerkstechnik, sondern auch praktische Fähigkeiten wie Hartlöten und verschiedene Bearbeitungstechniken. Das alles macht den Beruf nicht nur abwechslungsreich, sondern auch unglaublich spannend.
Für Alexander und viele andere junge Leute in der Branche ist es klar: Die Welt der Fahrräder und E-Bikes wird immer vielfältiger und interessanter. Wer also denkt, dass es in dieser Branche nur um einfache Reparaturen geht, der irrt sich gewaltig. Hier gibt es Raum für Kreativität und Innovation, und das Wort „langweilig“ hat in der Radwerkstatt Willibald keinen Platz.
