Heute ist der 30.05.2026 und wir berichten über einen besorgniserregenden Fall aus Amstetten. Ein 20-Jähriger wurde von der Staatsanwaltschaft St. Pölten beschuldigt, Sympathien für den Islamischen Staat (IS) zu hegen und extremistische Inhalte zu verbreiten. Der junge Mann, ein in Österreich asylberechtigter russischer Staatsbürger, hat sich nicht schuldig bekannt. Er gab jedoch zu, über Messenger-Dienste „Naschids“ verschickt und empfangen zu haben. Diese Gebetsgesänge sind in der islamischen Glaubensgemeinschaft verbreitet, werden aber zum Teil auch als Propaganda-Werkzeuge des IS genutzt. Ein heikles Thema, das in der heutigen Zeit mehr denn je diskutiert werden muss.
Auf TikTok postete der Angeklagte ein Video, in dem zwei Freunde den sogenannten „Tauhīd“-Finger zeigen – ein Zeichen, das unter IS-Sympathisanten verbreitet ist. Der Angeklagte behauptete, die Bedeutung sowohl der Geste als auch der Musik nicht zu kennen. Es ist schon fast ironisch, dass jemand, der zugibt, „Naschids“ empfangen zu haben, gleichzeitig sagt, er sei kein religiöser Mensch. Früher hatte er zwar Interesse am Islam, doch den IS selbst fand er nicht ansprechend. Dennoch erhielt er 55 „Naschids“ von einem Freund, der bereits verurteilt wurde, und die Inhalte dieser Lieder waren eindeutig jihadistisch geprägt. Der junge Mann wollte diese einfach nur hören, um sich von Deutschrap abzulenken – ein etwas merkwürdiger Grund, wenn man die Hintergründe bedenkt.
Die Beweislage
Die Ermittlungen ergaben, dass im Umfeld des Angeklagten mehrere Personen wegen ähnlicher Delikte verurteilt wurden. Bei einer Hausdurchsuchung stießen die Beamten auf Bücher mit islamistischen und frauenfeindlichen Inhalten. Auf seinem Handy fanden sie zudem Bilder mit Waffen, Enthauptungslichtbilder und islamistische sowie antisemitische Memes. Das wirft ein düsteres Licht auf die Geschehnisse und lässt Raum für viele Fragen. Wie tief ist der Einfluss solcher Inhalte auf junge Menschen, die sich in einem schwierigen Umfeld befinden?
Der Richter sprach ihn schließlich der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und einer kriminellen Organisation schuldig. Er wurde zu einer bedingten Haftstrafe von einem Jahr verurteilt, unter Auflagen wie einer dreijährigen Probezeit und Bewährungshilfe. Darüber hinaus wurde eine Weisung zur Suchttherapie erteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, da die Staatsanwaltschaft bisher keine Erklärung abgab. Man fragt sich, was die nächsten Schritte sein werden und ob dieser Fall ein Zeichen für eine größere Problematik in der Gesellschaft ist.
Naschids im Wandel der Zeit
Der Begriff „Naschid“ hat eine lange Geschichte, die bis in die Zeit der Sufi-Orden zurückreicht, wo er ursprünglich für die Rezitation religiöser arabischer Poesie verwendet wurde. In den 1970er Jahren fanden diese Gesänge ihren Weg in das islamistische Milieu und wandelten sich zunehmend zu einer Form von Kampfgesang. Heute werden viele Naschids hauptsächlich mit dschihadistischen Hymnen assoziiert. Das ist besonders brisant, da einige dieser Lieder sogar die Mütter von Terroristen besingen – ein Aspekt, der für westliche Hörer oft überraschend wirkt.
Die Verbreitung von Naschids, die teils unproblematisch und teils als Propaganda-Werkzeuge des IS gelten, zeigt die Komplexität des Themas. Die Musik hat sich über die Jahre verändert und wird nun oft als Werkzeug zur Rekrutierung und Radikalisierung junger Menschen genutzt. Es ist eine Herausforderung, die in der Gesellschaft nicht ignoriert werden kann, insbesondere in einem Land wie Österreich, wo der Umgang mit solchen Themen sensibel und aufklärerisch gestaltet werden muss.
