In der kleinen Gemeinde Mannswörth, die zum Bezirk Bruck an der Leitha gehört, gibt es alarmierende Neuigkeiten. Vor Kurzem wurden dort erhöhte Werte von Per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen, besser bekannt als PFAS, im Grundwasser festgestellt. Diese Chemikalien sind problematisch, weil sie sich in der Umwelt kaum abbauen und langfristig anreichern können. Die Ursache für die Belastung wird in der Verwendung von PFAS-haltigem Löschschaum vermutet, der über viele Jahre bei Feuerwehrübungen auf dem Gelände der OMV-Raffinerie Schwechat eingesetzt wurde. Besonders betroffen ist das Gebiet nördlich der Raffinerie, wo viele Bewohner nicht nur auf das öffentliche Trinkwassernetz, sondern auch auf private Hausbrunnen angewiesen sind.

Die OMV und die Stadtgemeinde Schwechat haben jedoch beruhigt, dass das öffentliche Trinkwassernetz nicht belastet sei. Dennoch bleibt ein mulmiges Gefühl: Auf der Website der OMV-Ombudsstelle wird eindringlich empfohlen, das kontaminierte Grundwasser weder als Trinkwasser zu verwenden, noch für Gartenbewässerung, Poolbefüllung, Tierhaltung oder Fischzucht zu nutzen. Besonders alarmierend sind die Messungen, bei denen in einzelnen Brunnen bis zu 0,3 Mikrogramm PFAS pro Liter festgestellt wurden – das entspricht dem Dreifachen des seit Januar geltenden EU-Grenzwerts. Diese Werte liegen teils deutlich über den erlaubten Grenzmengen, und weitere Untersuchungen sollen klären, wie weit sich die Belastung ausgedehnt hat und ob sich die Werte verändern. Auch im April 2025 wurden erstmals außerhalb des Raffineriegeländes Werte über 100 Nanogramm pro Liter festgestellt.

Unzureichende Überwachung

Die genaue Zahl der betroffenen Hausbrunnen bleibt unbekannt, da private Brunnen nicht meldepflichtig sind. Haushalte im betroffenen Gebiet werden zwar schriftlich informiert, doch die Unsicherheit bleibt. Bei den durchgeführten Messungen wurden betroffene Personen persönlich verständigt. Experten bewerten die Situation kritisch, denn die EU-Grenzwerte sind auf eine lebenslange Aufnahme ausgelegt. Es ist ein bisschen wie ein Damoklesschwert, das über den Betroffenen schwebt.

Umweltorganisationen wie Greenpeace fordern eine lückenlose Aufklärung und ein österreichweites Monitoring belasteter Böden und Gewässer. Sie verlangen auch ein öffentliches PFAS-Register und ein rasches EU-weites Verbot dieser gefährlichen Stoffe. Die Problematik ist nicht neu und nicht auf Österreich beschränkt. In Deutschland wird die PFAS-Belastung in Böden und Gewässern ebenfalls systematisch erfasst, aber auch dort ist die Erfassung unvollständig. Programme zur Untersuchung von PFAS-Verdachtsflächen, wie etwa Feuerlösch-Übungsplätze und Militärstandorte, sind im Gange, um die Verbreitung dieser „Ewigkeitschemikalien“ zu dokumentieren. Diese Chemikalien gelangen durch versickerndes Wasser in tiefere Bodenschichten und ins Grundwasser und können über die Nahrungskette auch in unsere Lebensmittel gelangen.

Gesundheitliche Bedenken

Die langkettigen PFAS binden sich an die Bodenmatrix, was einen langsamen Transfer ins Grundwasser zur Folge hat – Jahre, wenn nicht Jahrzehnte. Kurzkettige PFAS hingegen sind mobiler und erreichen wesentlich schneller das Grundwasser. In Österreich und Deutschland gibt es zwar Prüfwerte für einige PFAS, doch die Diskussion über Grenzwerte ist alles andere als klar. Ab 2026 soll für die PFAS-20-Gruppe ein Grenzwert von 0,1 µg/L für Trinkwasser gelten. Das klingt gut, aber bis dahin können viele Menschen betroffen sein.

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Die Situation in Mannswörth zeigt deutlich, wie wichtig sowohl präventive Maßnahmen als auch eine transparente Kommunikation sind. Die OMV hat angekündigt, ihr Sicherungssystem zu erweitern, um PFAS künftig vollständig aus dem Wasser zu entfernen. Doch das ist ein langer Weg. Die Forderungen der Umweltorganisationen und Experten werden immer lauter, und es bleibt zu hoffen, dass die zuständigen Behörden die Dringlichkeit der Angelegenheit erkennen. Denn eines ist sicher: Wir müssen handeln, bevor es zu spät ist.