In Gänserndorf, genauer gesagt in Deutsch-Wagram, gibt es ein ganz besonderes Kleidungsstück, das die Herzen der Einheimischen höher schlagen lässt: das „Deutsch-Wagramer Wiesndirndl“. Dieses Dirndl, das im Jahr 2015 anlässlich des 30-jährigen Bestehens der Stadtgemeinde zum ersten Mal beim Spargelfest präsentiert wurde, ist nicht nur ein Stück Stoff, sondern vielmehr ein Symbol für Kreativität und Gemeinschaft. Die Idee hinter diesem einzigartigen Dirndl stammt von vier engagierten Frauen, Susanne Predl, Marianne Ertl, Andrea Schlederer und Hilde Toth. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, eine Tracht zu kreieren, die die Schönheit der Natur im Marchfeld widerspiegelt und gleichzeitig die lokale Kultur feiert. [Quelle]

Jedes dieser Dirndl ist ein Unikat. Marianne Ertl hat jede Schürze von Hand bemalt, während Hilde Toth die Entwürfe mit viel Liebe zum Detail in Handarbeit umsetzte. Das Team hat sogar gemeinsam genäht, was den Gemeinschaftssinn noch verstärkt hat. Inspiriert von Wiesenblumen und der umliegenden Landschaft, konnten die Trägerinnen auch persönliche Wünsche für ihre Dirndl einbringen. Bisher wurden zehn individuell gestaltete Dirndln und drei zusätzliche Schürzen geschaffen. Auf dem Weg zur Individualität wird auch ein eigenes Jugenddirndl angeboten, das kürzer und jugendlicher gestaltet ist. Und das Beste daran? Die Finanzierung dieser Kunstwerke lag in den Händen der Trägerinnen selbst.

Tradition trifft auf Kreativität

Die Wiesndirndln sind mittlerweile fester Bestandteil des kulturellen Lebens in Deutsch-Wagram. Bei verschiedenen Veranstaltungen wird stolz das Dirndl getragen, das nicht nur als Tracht, sondern auch als Botschafterin der Region fungiert. Es symbolisiert die kreative Handschrift des Marchfelds und den Zusammenhalt innerhalb der Gemeinschaft. Dieses Dirndl ist mehr als nur ein Kleidungsstück; es erzählt Geschichten und verbindet Menschen.

Doch das Wiesndirndl ist nicht das einzige Dirndl, das die Region zu bieten hat. Die Dirndln der Marchfelder Festtracht, die im gleichen Grundstil gehalten sind, variieren in Farbe, Stoff und Schürzen-Muster. Ein interessanter Fakt: Bereits 1982 wurde in Matzen der erste Trachtennähkurs abgehalten. Dr. Helene Grün und Lehrerin Helga Hofer entwickelten ein spezielles Dirndl, das sich an der Marchfelder Festtracht und dem Bockfließer Spenzer orientiert. Diese Dirndl sind sowohl als Festtracht als auch als Werktagstracht geeignet – ganz der bodenständigen Tradition verpflichtet. [Quelle]

Die Wurzeln der Tracht

Wenn wir über Tracht sprechen, ist es spannend, einen Blick auf die Wurzeln zu werfen. Das Wort „Tracht“ stammt vom altdeutschen „Draht(a)“ ab und bezeichnete ursprünglich die robuste Arbeitskleidung der Holzknechte sowie die repräsentative Kleidung der Oberschicht. Für die arbeitende Bevölkerung war Tracht praktisch und alltagstauglich. Dirndl bestanden meist aus günstiger Wolle oder Leinen, während Seide und Baumwolle nur privilegierten Schichten vorbehalten waren. Auch Lederhosen gehörten zur Tracht der Männer – ideal für Holzarbeiten oder die Jagd. Interessanterweise waren sie bis ins 20. Jahrhundert dem Adel vorbehalten. Im 19. Jahrhundert entdeckten dann auch die höheren Gesellschaftsschichten die Tracht als modisches Statement. Das hat sich bis heute gehalten und zieht sich als roter Faden durch die Geschichte der Tracht in Österreich. [Quelle]

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