Im Herzen des Marchfelds, im Bezirk Gänserndorf, gibt es ein kleines, aber bedeutendes Naturschutzgebiet, das für die heimische Flora und Fauna von großer Bedeutung ist. Hier lebt der Triel, eine Vogelart, die stark vom Aussterben bedroht ist. Diese faszinierenden Geschöpfe, die etwa 45 cm hoch sind und ein hell- und dunkelbraunes Gefieder tragen, haben es trotz ihrer Scheu geschafft, in dieser Region eine kleine Gemeinschaft zu bilden. Zoologe Rainer Raab, der den Triel seit den 1990er Jahren beobachtet, führt ein Technisches Büro für Biologie in Gänserndorf und hat sich dem Schutz dieser einzigartigen Vogelart verschrieben. Er weiß genau, dass der Triel im Marchfeld und im Steinfeld brütet und dass der Artenschutz hier höchste Priorität hat.
Vor kurzem hat das Bundesverwaltungsgericht entschieden, die Genehmigung für die Marchfeldschnellstraße S8 abzulehnen. Diese Straße hätte den Verkehr entlasten sollen, da täglich tausende Fahrzeuge durch das Marchfeld fahren. Doch der Artenschutz für den Triel wäre dadurch gefährdet gewesen. Raab ist überzeugt, dass der Triel, der mit Lärm umgehen kann und seine Brutflächen verlegt, von der S8 profitieren könnte. Dennoch ist diese Entscheidung ein wichtiger Schritt für den Schutz der Tierwelt in der Region. Ein Brutpaar und ein weiterer männlicher Triel sind bereits aus Afrika zurückgekehrt, was Hoffnung für die Fortpflanzung dieser Art gibt.
Die Rückkehr des Triels
Die Beobachtungen von Raab sind spannend. 1994 wurde der Triel von Hans-Martin Berg wiederentdeckt, und Raab sah ihn erstmals 1995. Besonders bemerkenswert war der Höhepunkt des Trielbestands im Jahr 2008, als sieben Reviere im Marchfeld gezählt wurden. Eine ungarische Trielart, die Raab besendert hat, überwintert in der Sahara, was zeigt, wie weit diese Vögel reisen, um zu überleben. Triele wiegen etwa 500 Gramm und ziehen direkt über die Sahara, was sie besonders gefährdet. Die Rückkehr eines weiteren Brutpaars ist daher ein Lichtblick, der die Bedeutung des Trielschutzgebiets unterstreicht – das über einen Hektar groß ist und Platz für weitere Trielpaare bietet.
Zusätzlich zu den Trielen kartiert Raab auch andere Vogelarten in der Region. Bienenfresser und Uferschwalben sind nur einige der Arten, die in diesem reichen Lebensraum beobachtet werden können. Es ist bemerkenswert, wie vielschichtig das Ökosystem des Marchfelds ist und wie wichtig es für die Biodiversität in Österreich ist. Denn über 80% der EU-geschützten Arten und Lebensraumtypen sind in einem ungünstigen Erhaltungszustand, was die Dringlichkeit des Artenschutzes verdeutlicht. Feucht-Lebensräume wie Flüsse und Moore sind stark von der Biodiversitätskrise betroffen. Intakte Ökosysteme sind essenziell für eine gesunde Umwelt und bieten zahlreiche Vorteile, wie den Schutz vor Überflutungen.
Ein Aufruf zum Handeln
Die Herausforderungen, vor denen der Triel und andere Arten stehen, sind vielfältig. Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Verkehrsausbau setzen den Lebensräumen der Tiere zu. In Österreich erreichen über die Hälfte der bewerteten Gewässerabschnitte keinen guten ökologischen Zustand. Daher ist es entscheidend, den Schutz und die Renaturierung von Naturflächen zu verstärken, um den Verlust der Biodiversität aufzuhalten. Mit mehr als 70% der heimischen Vogelarten in Österreich in einem ungünstigen Erhaltungszustand, ist der Handlungsbedarf offensichtlich.
Die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts ist ein kleiner, aber wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Der Triel und seine Kollegen im Marchfeld haben eine Chance verdient. Das Trielschutzgebiet ist nicht nur ein Rückzugsort für diese scheuen Vögel, sondern auch ein Symbol für den notwendigen Schutz der Natur in unserer Region. Wer weiß, vielleicht wird der Triel eines Tages wieder in größerer Zahl im Marchfeld brüten – und wir dürfen dabei zuschauen.
