In der Region Marchfeld, speziell an der Landwirtschaftlichen Fachschule (LFS) Obersiebenbrunn, tut sich derzeit einiges. Hier wird an Lösungen geforscht, um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen. Die steigenden Temperaturen und die damit verbundenen längeren Trockenphasen machen den Landwirten zu schaffen. Der Niederschlag hat in den letzten Jahren stark abgenommen – mit einem langjährigen Jahresmittel von gerade einmal 552 mm, während die Verdunstung bei 906 mm liegt. Das führt zu einer negativen Wasserbilanz, die in der Vegetationsperiode durch gezielte Bewässerung ausgeglichen werden muss. Bildungs-Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister hebt die Verantwortung hervor, die Produktivität dieser wichtigen Agrarregion zu bewahren. Und genau hier setzt die Forschung an.

Die LFS Obersiebenbrunn untersucht verschiedene Bodenbearbeitungsformen und moderne Bewässerungstechniken, um die Wasserversorgung nachhaltig zu verbessern. Dabei wurde festgestellt, dass intensive Bodenbearbeitung zwar eine schnelle Wasseraufnahme ermöglicht, jedoch die Wasserverfügbarkeit nicht langfristig sichern kann. Im Gegensatz dazu hält reduzierte Bodenbearbeitung das Wasser länger im Boden. Die Forscher testen Systeme wie Tropfbewässerung, Rohrnetzbewässerung und Großflächenregner, um die Wasserverteilung effizienter und ressourcenschonender zu gestalten. Ein spannender Aspekt der Forschung ist der Einsatz moderner Sensortechnik: Bodensensoren messen den Wassergehalt bis zu einem Meter tief und übertragen die Daten in Echtzeit. Das klingt ziemlich futuristisch, oder? Bei einem Matrixpotenzial von über 100 Centibar wird dann auch die Bewässerung empfohlen.

Monitoring des Grundwassers

Doch das ist noch nicht alles. Seit 2015 läuft im Marchfeld ein Monitoringprojekt, das sich mit Stickstoffeinträgen und Nitratbelastungen im Grundwasser beschäftigt. Hintergrund sind die erhöhten Nitratwerte in einer Region, die stark vom Ackerbau geprägt ist – und das bei geringer Grundwasserneubildung. Ziel dieses Projekts, das von der Landwirtschaftskammer Niederösterreich und dem NÖ Gemüsebauverband getragen wird, ist es, die Nitratverluste zu reduzieren, ohne dabei die Erträge zu gefährden. Die Fachleute haben nun zum zehnjährigen Bestehen eine Zwischenbilanz gezogen.

Im Rahmen des Projekts wurden zahlreiche Messstellen im Marchfeld eingerichtet, die kontinuierlich erweitert werden. Es wird alles untersucht: Wasser- und Stickstoffbilanzen, Boden- und Sickerwasser, landwirtschaftliche Bewirtschaftungsmaßnahmen, Düngung und die Erträge. Zentrale Erkenntnisse zeigen, dass Stickstoffverluste von verschiedenen Faktoren abhängen, wie etwa den Bewirtschaftungsformen. Gesättigte Böden können während und nach der Hauptkultur zu Grundwasserneubildung und Stickstoffverlagerungen führen. Die Bewässerung spielt dabei eine zentrale Rolle – Wasserüberschüsse fördern den Stickstofftransport.

Wasser und Düngung im Einklang

Ein weiterer spannender Aspekt ist die Erkenntnis, dass Unterschiede innerhalb einzelner Felder wie Humusgehalt, Wasserhaltevermögen und Stickstoffvorräte die Pflanzenentwicklung stärker beeinflussen können als die Düngemenge. Auch Begrünungen, insbesondere Zwischenfrüchte, haben sich als effektiv erwiesen, um die Nitratauswaschung zu reduzieren. Die Nitratkonzentrationen im Sickerwasser hängen dabei nicht nur von der Düngung ab, sondern auch von der Fruchtfolge, der Begrünung, dem Bewässerungsmanagement und den spezifischen Kulturen.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Das Monitoring im Marchfeld wird bis 2028 fortgeführt, mit dem Ziel, die Zahl der Messstellen auszubauen und vertiefte Untersuchungen zur Bodenfruchtbarkeit durchzuführen. Gleichzeitig zeigt die Herausforderung des Klimawandels, wie wichtig es ist, auch die Grundwasserneubildung im Blick zu behalten. Denn die Zukunft der Landwirtschaft im Marchfeld hängt ganz entscheidend von einer nachhaltigen Wasserbewirtschaftung und klugen Düngestrategien ab. Und genau das wird hier intensiv erforscht – ein spannender Prozess, der hoffentlich für alle Beteiligten Früchte trägt.

Mehr Informationen zu den Forschungsanstrengungen und den aktuellen Entwicklungen im Marchfeld finden Sie in dem Artikel von MeinBezirk und dem Bericht über das Monitoringprojekt auf NÖ LKO.