Die kleine Stadt Schrems, gelegen im malerischen Waldviertel, bereitet sich auf etwas Großes vor. Mit dem Ziel, die erste „Ramsar Wetland City“ im deutschsprachigen Raum zu werden, erregt das Projekt „Wetland City Schrems 2028“ schon jetzt internationale Aufmerksamkeit. Diese Auszeichnung, die Städten ermöglicht, ihr Engagement für urbane Feuchtgebiete sichtbar zu machen, wurde 2015 im Rahmen der 12. Vertragsstaatenkonferenz der Ramsar-Feuchtgebietskonvention ins Leben gerufen. Feuchtgebiete, wie Moore und Auen, sind nicht nur wertvolle Lebensräume, sondern spielen auch eine entscheidende Rolle im Klimaschutz und der Klimaanpassung.
Zuletzt durfte Bürgermeister David Süß zwei Aktivistinnen aus Bolivien, Águeda Coloque und Lenny Espinoza, empfangen. Ihr Besuch, organisiert von der Stiftung Común, die dem Ehepaar Bohrn Mena gehört, war ein Highlight. Die beiden Bolivianerinnen brachten nicht nur ihre Erfahrungen, sondern auch wichtige Perspektiven zur Umweltzerstörung in ihrer Heimat mit. Ein Vortrag in der Sonderbar Ubuntu mit dem Titel „Stimmen des Widerstands“ eröffnete den Gästen neue Einsichten in die Herausforderungen, denen sie gegenüberstehen.
Einblicke in die Natur
Thomas Kainz, der die beiden durch den Naturpark Hochmoor und das Ramsar-Zentrum UnterWasserReich führte, zeigte ihnen die Waldviertler Teichwirtschaft. Diese Erkundung verdeutlichte, wie wichtig lokale Feuchtgebiete für die Biodiversität sind. Kainz hatte kürzlich das Projekt „Wetland City Schrems 2028“ während eines Online-Events des Global Nature Funds und des deutschen Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit präsentiert. Das Event zielt darauf ab, andere Städte zu motivieren, sich ebenfalls als Wetland City zu akkreditieren und den Schutz von Feuchtgebieten zu stärken.
Der Akkreditierungsprozess ist nicht gerade ein Spaziergang. Er beginnt mit einem Beschluss des Gemeinderats und erfordert die Bildung einer interdisziplinären Arbeitsgruppe. Die Stadt muss ihre Aktivitäten zum Schutz der urbanen Feuchtgebiete strategisch darstellen. Ein unabhängiger Entscheidungsausschuss, der International Accreditation Committee (IAC), prüft die Bewerbungen. Die Akkreditierung gilt jeweils für zwei COP-Zyklen, insgesamt sechs Jahre. Aber keine Sorge, Städte können die Akkreditierung nach Ablauf der Frist verlängern!
Ein Blick in die Zukunft
Der Zeitplan für die Akkreditierung sieht vor, dass im März/April 2026 der Aufruf zur Bewerbung erfolgt. Bis Ende 2026 müssen die Unterlagen eingereicht werden, gefolgt von einer Prüfung und Auswahl durch den IAC in der ersten Jahreshälfte 2028. Die feierliche Auszeichnung der neuen Städte findet dann im Juni 2028 auf der Weltkonferenz in Panama statt. Das ist ein großes Ziel, das Schrems nicht nur nationale, sondern auch internationale Anerkennung bringen könnte.
Die Vorteile der Akkreditierung sind vielfältig. Neben einer verbesserten Reputation und einem geschärften Profil der Stadt können die Bürger von Maßnahmen profitieren, die das Mikroklima optimieren und Naherholungsräume schaffen. Auch neue Finanzierungsmöglichkeiten für den Schutz von Lebensräumen und nachhaltiges Management von Feuchtgebieten eröffnen sich. Schrems könnte nicht nur Vorreiter im deutschsprachigen Raum werden, sondern auch ein Beispiel für andere Städte setzen.
Die Zukunft sieht vielversprechend aus. Mit einem klaren Plan und der Unterstützung aus dem In- und Ausland könnte Schrems bald in die Riege der „Wetland Cities“ aufgenommen werden. Und das wäre nicht nur ein Gewinn für die Stadt selbst, sondern auch ein Zeichen für das globale Engagement im Bereich des Umwelt- und Klimaschutzes.