Ein aufregendes Kapitel der Barockoper wurde am 10. Juli 2026 in der Stadtpfarrkirche St. Stephan in Retz aufgeschlagen. Die Premiere von „Judith & Holofernes“ von Alessandro Scarlatti eröffnete das Festival Retz 2026 und zog die Besucher in ihren Bann. Vor ausverkauftem Haus präsentierten die Künstler eine beeindruckende Inszenierung, die die Themen Macht, Ohnmacht und Verantwortung eindringlich beleuchtet. Die musikalische Leitung übernahm der begabte Luca De Marchi, während Hartmut Schörghofer für die Regie verantwortlich zeichnete. Kostüme von Corinna Crome setzten zusätzliche Akzente und verliehen dem Ganzen einen besonderen Glanz. Ein bewegender Moment, der sicherlich lange in Erinnerung bleiben wird.

Die Barockoper erzählt die packende Geschichte der Witwe Judith, die in der belagerten Stadt Betulia lebt. Um ihr Volk zu retten, wagt sie den gefährlichen Schritt ins feindliche Lager von General Holofernes, um ihn zu töten. Dies gelingt ihr schließlich – eine dramatische Wendung voller Emotionen und Spannung. Die außergewöhnlichen Stimmen der Solisten trugen zur Intensität der Aufführung bei. Carolina Lippo beeindruckte als Judith mit ihrem Sopran und psychologischem Gespür, während Chiara Brunello als Amme mit ihrer facettenreichen Altstimme für Gänsehautmomente sorgte. Luigi Morassi, der Holofernes verkörperte, präsentierte einen kraftvollen Tenor, der das Potenzial für eine internationale Karriere in sich trägt.

Künstlerische Umsetzung und regionale Einbindung

Der Intendant Christian Baier lobte das Ensemble und die Bedeutung des Festivals für die Region. Er hat internationale Künstler engagiert und einen Bewegungschor aus Freiwilligen aus dem Retzer Land inszeniert, der die Szenen lebendig gestaltet. Diese Kombination aus analoger Darstellung und digitalem Bühnendesign, unterstützt von der Lichttechnik von Martin Knaupp, lässt die Zuschauer in die Welt der Barockoper eintauchen. Im Rahmen des Festivals sind insgesamt sieben Aufführungen bis zum 26. Juli 2026 geplant, die jeweils 90 Minuten ohne Pause dauern.

Besonders spannend ist, dass Luca De Marchi die Originalfassung von 1697 rekonstruierte, basierend auf der einzigen erhaltenen Handschrift im King’s College London. Diese historische Bedeutung der Oper, die als eine der ersten Kirchenopern gilt, gibt der gesamten Veranstaltung einen zusätzlichen Wert. Die Atmosphäre der Stadtpfarrkirche St. Stephan, ein Ort voller Geschichte und Tradition, verstärkt die emotionale Wirkung der Aufführung.

Ein Fest der kulturellen Vielfalt

Zu den Gästen der Premiere zählten auch namhafte Persönlichkeiten wie Landtagsabgeordneter Richard Hogl, Landeshauptmann außer Dienst Erwin Pröll und Bürgermeister Stefan Lang. Ihre Anwesenheit unterstreicht die Relevanz des Festivals und den Stellenwert der Künste in der Region. Es wird deutlich: Hier wird nicht nur Kunst gepflegt, sondern auch der Zusammenhalt der Gemeinschaft gestärkt. Das Festival selbst hat das Leitmotiv „HANDELN!“ und thematisiert Widerstand und Zivilcourage – Themen, die in der heutigen Zeit mehr denn je relevant sind.

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In Anbetracht der bevorstehenden Barocktage 2026 an der Staatsoper in Berlin, die ebenfalls Werke aus den frühen Opernjahren thematisieren, wird die Bedeutung von Barockoper deutlich. Hier wird die Brücke zwischen Tradition und Moderne geschlagen, und die Begeisterung für historische Aufführungen lebt weiter. Die Verbindung von Musik, Theater und gesellschaftlichen Themen schafft einen Raum, in dem Kunst nicht nur unterhält, sondern auch zum Nachdenken anregt.

Das Festival Retz 2026 ist somit nicht nur eine Feier der Barockoper, sondern auch ein bedeutendes kulturelles Ereignis, das die Menschen zusammenbringt und die reiche Tradition der österreichischen Musikszene würdigt. Man darf gespannt sein, was die nächsten Aufführungen bringen werden!

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