Literatur und Lebensgeschichten: Ein Workshop mit Veronika Stöger an der HLW Horn
Am 22. Juni 2026 fand an der HLW Horn ein ganz besonderer Workshop statt. Schülerinnen der 2. HLWB hatten die Gelegenheit, mit der Autorin Veronika Stöger über ihre beeindruckende Fluchtgeschichte zu diskutieren. Stöger, die aus der damaligen Tschechoslowakei floh, stellte ihren autobiografischen Roman „Grenzenlos – Der Weg in die Freiheit“ vor und bot den jungen Frauen einen tiefen Einblick in die historischen Hintergründe und die persönlichen Beweggründe ihrer Familie. Diese Auseinandersetzung war nicht nur eine theoretische Beschäftigung, sondern eine lebendige Diskussion über Identität, Heimat und die Verantwortung für eigene Entscheidungen.
Die Schülerinnen hatten sich im Unterricht bereits intensiv mit Stögers Geschichte auseinandergesetzt. Sie erfuhren, wie politische Rahmenbedingungen das Leben von Individuen beeinflussen können. Es war spannend zu beobachten, wie die Jugendlichen über ihre eigenen Perspektiven nachdachten und den Zusammenhang zwischen ihrer Realität und den Erfahrungen von Stöger brachten. Es ging um Grenzerfahrungen – in vielerlei Hinsicht. Stöger betonte die Wichtigkeit, trotz Unsicherheit neue Wege zu gehen, und regte damit persönliche Denkprozesse an. Das Lesen des Buches war nur der Anfang; der Austausch mit Stöger ging weit darüber hinaus.
Literatur trifft Lebensgeschichte
Der Workshop wurde von den Schülerinnen als eine großartige Gelegenheit gesehen, Literatur mit Lebensgeschichte zu verbinden und Fragen des Erwachsenwerdens zu reflektieren. Es war nicht nur das Aufeinandertreffen von Autorin und Leserinnen, sondern auch das Aufeinandertreffen von verschiedenen Lebensrealitäten und -entscheidungen. Diese Art von Austausch ist in der heutigen Zeit besonders wertvoll. Die Auseinandersetzung mit Fluchtgeschichten und deren Auswirkungen auf Identität und Heimat ist ein Thema, das viele von uns betrifft, sei es direkt oder indirekt.
Ein Blick über den Tellerrand zeigt, dass solche Geschichten nicht nur in Österreich von Bedeutung sind. Das Archiv der Flucht in Deutschland, initiiert von Carolin Emcke, sammelt Oral-History-Interviews von Menschen, die zwischen 1945 und 2016 geflohen sind oder emigriert sind. Es zielt darauf ab, die Perspektiven von Migrant*innen sichtbar zu machen und deren wichtige Beiträge zur Gesellschaft zu würdigen. Im Kontext der Flüchtlingskrise 2015 wurde die Idee geboren, ein Archiv zu schaffen, das ähnlich wie das Archiv zur Erinnerung an die Shoah funktioniert. Das zeigt, wie wichtig es ist, auch die persönlichen Geschichten hinter den großen politischen und historischen Ereignissen zu betrachten.
Die Schülerinnen in Horn können stolz darauf sein, dass sie Teil eines so bedeutenden Austauschs waren. Es ist inspirierend zu sehen, wie Literatur und persönliche Erzählungen nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch einen Raum für Reflexion und Wachstum schaffen – für alle Beteiligten.
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