In Mistelbach sorgt die geplante Zusammenlegung der Landeskliniken für Gesprächsstoff und Besorgnis. Das neue Weinviertel-Klinikum, das die bestehenden Kliniken in Korneuburg, Stockerau und Hollabrunn vereinen soll, wirft Fragen zur Zukunft des dortigen Landesklinikums auf. Besonders die Sorge, dass Mistelbach als Schwerpunktkrankenhaus an Bedeutung verlieren könnte, treibt die Bevölkerung um. Eine Interessengemeinschaft mit dem Namen Pro Schwerpunktkrankenhaus Mistelbach hat eine Petition ins Leben gerufen, die bereits von 7.300 Menschen unterstützt wird.

Ein zentraler Knackpunkt in der Diskussion sind die Pläne des Landes, fünf Abteilungen sowie eine Tagesklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie ins neue Klinikum zu verlegen. ÖVP-Landesrat Anton Kasser hat versichert, dass alle Abteilungen auch nach 2040 erhalten bleiben. Alfred Weidlich, der Sprecher der Interessengemeinschaft, bezeichnete Kassers Aussage als „Teilerfolg“, äußert jedoch Skepsis und sieht sie als „Lippenbekenntnisse“. Die Interessengemeinschaft plant, die Unterschriftensammlung fortzusetzen und an einer Demonstration zur Neuverhandlung des Gesundheitsplans in St. Pölten teilzunehmen, um klarzustellen, dass die Bedenken der Bürger Gehör finden müssen.

Neustrukturierung der Gesundheitsversorgung im Weinviertel

Die Gesundheitsversorgung im Weinviertel wird in den kommenden 10 bis 15 Jahren grundlegend neu aufgestellt. Dies wurde in einer Pressekonferenz von den Landesräten Anton Kasser (ÖVP), Martin Antauer (FPÖ) und Christiane Teschl-Hofmeister (ÖVP) bekanntgegeben. Die derzeitigen Kliniken in der Region – Hollabrunn, Stockerau, Korneuburg und Mistelbach – werden umstrukturiert, um den steigenden Anforderungen im Gesundheitsbereich gerecht zu werden.

Das Klinikum in Mistelbach wird in ein „Schwerpunktklinikum Weinviertel Nord“ umgewandelt, wobei das Leistungsspektrum unverändert bleibt und die Bettenanzahl von 1.700 auf 1.900 erhöht wird. In Stockerau hingegen wird ein „Schwerpunktklinikum Weinviertel Süd“ mit Vollangebot an Fachdisziplinen und einem Neubau auf dem Sportareal Alte Au entstehen, das am Ende 2.000 Mitarbeiter beschäftigen soll. In Hollabrunn wird ein Gesundheits- und Pflegecampus ausgebaut, der unter anderem ein Ambulatorium mit Erst- und Akutversorgung, fachärztliche Leistungen sowie OP-Möglichkeiten umfasst.

Die Zukunft des Gesundheitsplans in Niederösterreich

Der Gesundheitsplan 2040+ wurde als ganzheitlicher Ansatz für das Gesundheitssystem in Niederösterreich vorgestellt und sieht vor, die demografischen Veränderungen und die steigenden medizinischen Anforderungen in den Fokus zu nehmen. In allen Bezirkshauptstädten sollen Primärversorgungseinheiten eingerichtet werden, um eine qualitativ hochwertige medizinische Versorgung sicherzustellen. Während der Umbau der Struktur voranschreitet, wird betont, dass keine Veränderungen an den bestehenden Einrichtungen vorgenommen werden, bevor die neue Struktur in Kraft tritt.

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Die Entscheidung für die Standorte basiert auf einer umfassenden Bedarfserhebung und 29 Bewertungskriterien. Die „Alte Au“ in Stockerau wurde aus insgesamt 14 Optionen ausgewählt. Der ärztliche Direktor Rainer Ernstberger äußerte sich positiv zu dieser Entscheidung und unterstrich die Bedeutung des neuen Klinikstandorts für die Region. Der Pflege- und Betreuungscampus in Hollabrunn wird als Antwort auf den steigenden Pflegebedarf angesehen, da ein Zuwachs von rund 42% bei Menschen in stationärer Pflege im Weinviertel erwartet wird.

Die vollständige Umsetzung der neuen Versorgungsstruktur erfolgt schrittweise, doch bereits jetzt ist klar: Die Ängste und Sorgen der Bevölkerung müssen ernst genommen werden, damit die Gesundheitsversorgung in der Region auch in Zukunft auf einem hohen Niveau bleibt. Für die Bürger in Mistelbach bleibt es nun spannend, wie sich die Pläne weiterentwickeln und ob ihre Stimme Gehör findet.

Weitere Informationen zu den Entwicklungen finden Sie in der Quelle: KURIER, MeinBezirk sowie Niederösterreich.