In der Region Neunkirchen sorgen sich viele um die Wasserversorgung, insbesondere aufgrund des anhaltend niedrigen Grundwasserspiegels. Am 3. Juni 2026 wurde in Warth ein Wert von 386,636 m über dem Meeresspiegel (mü.A.) gemessen, was nur geringfügig über dem kritischen Tiefstand von 386,54 mü.A. liegt, der am 23. Januar 2023 erreicht wurde. Zum Vergleich: Der Höchststand wurde im September 2014 mit 387,89 mü.A. verzeichnet. Auch in Wimpassing im Schwarztal ist die Situation angespannt. Hier lag der Grundwasserspiegel am 2. Juni bei 390,613 mü.A., der niedrigste Wert betrug 389,61 mü.A., während der historische Höchststand bei 392,21 mü.A. im September 2024 registriert wurde. Der Gemeindewasserleitungsverband Unteres Pitten- und Schwarzatal gibt jedoch Entwarnung: Die aktuellen Werte seien besser als die von 2025.
Die Sorgen der Bauern sind nicht unbegründet. Die extreme Trockenheit im Frühjahr 2023 hat bereits zu erheblichen Ertragseinbußen geführt. Bezirksbauernkammerobmann Thomas Handler berichtet, dass bis zu einem Drittel des Ertrags beim Feldfutter und sogar die Hälfte beim Dauergrünland fehlen könnte. Diese Verluste sind alarmierend und werfen Fragen zur Zukunft der Landwirtschaft in der Region auf. Doch nicht alle Gemeinden stehen vor denselben Herausforderungen. In Seebenstein sieht die SPÖ-Bürgermeisterin Marion Wedl die Wasserversorgung als gesichert an, da zwei Brunnen und drei Hochbehälter zur Verfügung stehen.
Wasserversorgung in den Gemeinden
Die Ternitzer Wasserversorgung ist ebenfalls ohne Einschränkungen gesichert. Am 3. Juni wurde im Horizontal-Filterbrunnen ein Wasserstand von 4,63 m gemessen. In Kirchberg am Wechsel wird zudem die Wasserversorgung im Rahmen von Arbeiten an der Hermannshöhle weiterentwickelt. ÖVP-Bürgermeister Sebastian Paß hat sogar eine Quelle entdeckt, die eine Schüttung von bis zu einem Liter pro Sekunde (was etwa 86.000 Litern pro Tag entspricht) in die öffentliche Wasserversorgungsanlage einspeisen könnte. Diese positiven Aspekte in der Wasserversorgung sind jedoch nicht der Normalfall.
Die allgemeine Situation verdeutlicht die Notwendigkeit, sich an die klimatischen Veränderungen anzupassen. Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat bereits ein Dürre-Wissensportal (DWP) eingerichtet, das Informationen über Dürreereignisse bereitstellt. In der Wasserwirtschaft und Landwirtschaft gibt es zahlreiche Anpassungsmöglichkeiten an Trockenheit und Dürre. Dabei wird zwischen langfristigen und kurzfristigen Maßnahmen unterschieden. Langfristig bietet eine angepasste Landbewirtschaftung Schutz gegen Extremereignisse, während kurzfristige Maßnahmen eine schnelle Reaktion auf Dürreereignisse ermöglichen.
Klimawandel und Wassersicherheit
Die Entwicklungen der letzten Jahre, insbesondere das Trockenjahr 2018, haben gezeigt, wie verletzlich unsere Wasserversorgung ist. Damals stellte die lange Trockenheit einen Stresstest für die Wasserversorgung in Deutschland dar. Hohe Temperaturen führten zu einem erhöhten Wasserbedarf und zeitweise wurden Rekordwerte beim täglichen Wasserverbrauch gemessen. Angesichts dieser Herausforderungen ist es dringend nötig, die Versorgungsstrukturen zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen. Handlungsbedarf zur Verbesserung der Versorgungssicherheit wurde bereits identifiziert. Zukünftige extreme Trockenphasen sind kein unrealistisches Szenario mehr.
Die Diskussion über die Priorität der Trinkwasserversorgung vor anderen Wassernutzungen ist ebenso wichtig wie die Klärung von Fragen zur Wasserqualität. Vorbeugende Maßnahmen wie Mulchsaat und Pflugverzicht, Diversifizierung an Sorten und Kulturarten sowie effiziente Bewässerungsmöglichkeiten sind entscheidend, um die Resilienz der Landwirtschaft zu steigern. Es ist unerlässlich, dass Kommunen und Wasserversorger zusammenarbeiten, um sich gemeinsam auf die Herausforderungen des Klimawandels einzustellen. Denn eins ist klar: Wasser ist Leben, und der Umgang damit muss nachhaltig gestaltet werden.
