Das Stadtarchiv Wiener Neustadt ist ein wahres Schatzkästchen der Geschichte. Es wurde erstmals am 25. Juli 1355 urkundlich erwähnt und hat seitdem eine bewegte Geschichte hinter sich. Ursprünglich in der Domkirche, genauer gesagt im Schatzgewölbe des Südturms, untergebracht, hat das Archiv mittlerweile seinen Platz seit 1992 am 84-Platz 1. Hier, in den historischen Mauern der ehemaligen Jesuitenresidenz, lagern unzählige Dokumente und Zeugnisse der Stadtgeschichte.

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass Herzog Wilhelm bereits 1396 verfügte, dass Urkunden sorgfältig aufbewahrt werden sollten. Ein kluger Schachzug, der für die spätere Archivierung von unschätzbarem Wert war. Die erste professionelle Ordnung des Archivs geschah im 18. Jahrhundert unter der Leitung von Matthias Fuhrmann. Seither hat das Archiv einige Umzüge hinter sich: vom Rathaus im Jahr 1555 bis hin zur Rückkehr in die Jesuitenresidenz 1992. Auch kriegsbedingte Auslagerungen prägen die Geschichte – während des Dreißigjährigen Krieges und im Zweiten Weltkrieg wurde das Archiv an verschiedene Orte, wie Bruck an der Mur oder Bad Aussee, ausgelagert.

Ein umfangreicher Urkundenbestand

Wusstest du, dass das Stadtarchiv Wiener Neustadt den größten Urkundenbestand aller niederösterreichischen Stadtarchive besitzt? Die älteste Urkunde stammt sogar aus dem Jahr 1239 und bezieht sich auf ein Mautprivileg des Babenbergerherzogs Friedrich II. Ein echter Geschichts-Nerd kann sich hier also austoben! Die frühesten Aufzeichnungen über die Tätigkeit des Rates datieren auf das Jahr 1431, während die jüngste Übertragung die Gemeinderatsprotokolle von 1994 bis 2016 umfasst.

Das Archiv ist nicht nur für die Stadtverwaltung von Bedeutung, sondern auch eine Anlaufstelle für Forschende, Studierende und geschichtsinteressierte Privatpersonen. Die Sammlungen sind beeindruckend: Über 138.000 Fotos, mehr als 500 Karten und Pläne, Nachlässe, Schulchroniken und Dokumente über Gewerbe und Industrie warten darauf, entdeckt zu werden. Man könnte sagen, hier liegt die Geschichte Wiener Neustadts zum Greifen nah!

Die Aufgaben und Herausforderungen der Archivierung

Die Archivierung hat sich im Laufe der Jahrhunderte stark verändert. Die Anfänge reichen bis ins 13. Jahrhundert zurück, als das Bewusstsein für die Aufbewahrung wichtiger Dokumente aufkam. Die erste systematische Sichtung fand bereits 1534 durch Ratsherren statt. Im Laufe der Zeit gab es immer wieder Herausforderungen – etwa durch die Osmanenbelagerung 1683, die zu einer Unordnung der Bestände führte. Christoph Düll sorgte ab 1714 für Ordnung, und ab 1863 wurde die Archivierung im eigentlichen Sinn etabliert, was auf ein wachsendes historisches Interesse hinweist.

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Ein weiteres Kapitel in der Archivgeschichte ist die digitale Archivierung. Seit 2001 wird hier in Wiener Neustadt an einem digitalen Archiv gearbeitet, um die wertvollen Bestände auch für die Zukunft zu sichern. Projekte wie DILZA zur digitalen Langzeitarchivierung und GEMMA 3.0 zur automatisierten Aussonderung elektronischer Akten zeigen, dass die Archivare stets am Puls der Zeit sind. Allerdings sind sie auch mit den Herausforderungen der digitalen Welt konfrontiert: Informationsverlust bei digitalen Speichermedien und die Notwendigkeit regelmäßiger Migration in aktuelle Formate. Ein fortwährender Balanceakt, um das Erbe für kommende Generationen zu bewahren.

Das Stadtarchiv Wiener Neustadt ist somit weit mehr als nur eine Ansammlung alter Dokumente. Es ist ein lebendiger Ort, an dem Geschichte greifbar wird, und es zeigt, wie wichtig die Bewahrung von Wissen und Erinnerungen für die Gesellschaft ist. Das Archiv, geleitet von Gerhard Geissl und Sabine Schmitner-Laszakovits, bleibt ein zentraler Bestandteil des kulturellen Erbes und der Identität der Stadt.

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