Krisenresilienz in der Pflege: Neue Ansätze und Herausforderungen
In einer Welt, die zunehmend von Extremwetterereignissen, Pandemien und Cyberangriffen geprägt ist, wird die Notwendigkeit für effektive Krisenvorsorge immer offensichtlicher. Der Katastrophenschutz hat darauf reagiert, indem er neue Ausbildungskonzepte und Übungen, insbesondere im Gesundheitswesen, entwickelt. Besonders hervorzuheben ist das Modul „Disaster Nursing“, das speziell in der Pflegeausbildung eingeführt wurde, um Fachkräfte besser auf Krisensituationen vorzubereiten. In diesem Kontext wurde auch das Projekt „Modina“ ins Leben gerufen, das 40 kostenfreie Unterrichtseinheiten für Pflegeschulen bereitstellt. Träger dieses Projekts sind renommierte Institutionen wie die DRK-Schwesternschaft Bonn, die Frankfurt University of Applied Sciences und das Fraunhofer IAO.
Die entwickelten Lehrmaterialien beinhalten Planspiele zu verschiedenen Szenarien, wie z.B. Pandemien, Cyberangriffen und Naturkatastrophen. Diese Materialien sind nicht nur für die generalistische Pflegeausbildung gedacht, sondern auch für Fort- und Weiterbildungsangebote flexibel einsetzbar. Dr. Frauke Hartung, die Projektleiterin, hebt hervor, wie wichtig dieses Projekt für die Krisenresilienz in der Pflege ist. Die Erfahrungen aus der Corona-Pandemie und den Hochwasserkatastrophen von 2021 haben die Forderung nach einer verbindlichen Integration der Pflege in den Bevölkerungsschutz verstärkt.
Übungen und Simulationen
Am 22. Juli fanden in mehreren Städten groß angelegte Simulationen statt. In Wiener Neustadt wurde ein Drohnenangriff auf eine Kaserne nachgestellt, bei dem 30 Verletzte simuliert wurden. An dieser Übung waren nicht nur Krankenhausteams beteiligt, sondern auch das Jagdkommando des Bundesheeres und Rettungskräfte. Die Schwerpunkte dieser Übung lagen auf der Patientensteuerung und der Kommunikation unter Hochlast. Ähnliche Szenarien wurden auch in anderen Städten geprobt, etwa im Herzen Deutschlands, wo das Herz-Jesu-Krankenhaus in Münster-Hiltrup einen Alarmplan für einen Massenanfall von Verletzten nach einer fiktiven Explosion testete.
In Mücke simulierte die Feuerwehr einen Unfall mit einem Gefahrguttransporter, der Natronlauge verlor. Dabei standen nicht nur die Drohnen im Fokus, sondern auch die Nutzung von Behandlungszelten. In Kerpen wurde eine ANTS-Staffel (Atemschutz-Notfall-Trainierte-Staffel) ins Leben gerufen, um Feuerwehrleuten unter Extrembedingungen zu helfen. 30 freiwillige Kräfte haben sich über 13 Monate lang darauf vorbereitet. Solche Maßnahmen sind entscheidend, um die Resilienz der Einsatzkräfte zu steigern.
Die Rolle sozialer Kontakte
Ein weiterer Aspekt der Krisenvorsorge wird durch die psychologischen Aspekte der Krisenbewältigung beleuchtet. Eine Studie von Janković, Sijtsema und Bogaerts, die für das Jahr 2026 angekündigt ist, zeigt, dass soziale Freizeitaktivitäten der stärkste Faktor für persönliche Resilienz sind. Der regelmäßige Austausch mit Familie und Freunden fördert die psychische Widerstandskraft, besonders wenn belastende Kindheitserfahrungen ins Spiel kommen. Hier zeigt sich, dass nicht nur die professionellen Strukturen, sondern auch die sozialen Netzwerke von Bedeutung sind.
Auch im Profisport hat man dies verstanden. So hat Werder Bremen ein Handyverbot während der Mahlzeiten eingeführt, um analoge Gespräche zu fördern. Energie Cottbus setzt auf Workshops zur Niederlagenbewältigung, während der 1. FC Nürnberg Teamvertrauen durch eine Rafting-Tour stärkt. Diese Ansätze zeigen, wie wichtig die Förderung psychologischer und sozialer Ressourcen ist – nicht nur im Alltag, sondern gerade in Krisenzeiten.
Ausblick auf kommende Veranstaltungen
Ein Blick in die Zukunft zeigt, dass die Themen Krisenresilienz und Disaster Nursing weiterhin im Fokus stehen werden. Der DRK Wohlfahrtskongress 2025 in Berlin wird sich mit der „Versorgungssicherheit auch in der Krise“ beschäftigen, und auch die Altenpflegemesse in Nürnberg wird eine Plattform für die Professionalisierung von Disaster Nursing bieten. Die Ausbildungskongresse und internationalen Konferenzen, die in den kommenden Jahren stattfinden werden, werden ebenso wichtige Gelegenheiten sein, um die Entwicklungen in der Krisenvorsorge voranzutreiben und die Erkenntnisse aus Projekten wie MODINA zu teilen.
All diese Anstrengungen sind Teil eines umfassenden Plans, um sowohl Pflegekräfte als auch die Gesellschaft als Ganzes besser auf zukünftige Krisen vorzubereiten. Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich diese Initiativen weiterentwickeln und welche neuen Wege in der Krisenbewältigung beschritten werden.
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