In den letzten Tagen hat ein besorgniserregendes Ereignis die Gewässer rund um Zwettl in Aufregung versetzt. Am 27. und 28. Mai 2026 wurde der Durchfluss des Kamp für rund zwei Stunden unterbrochen. Diese Unterbrechung hat, wie es scheint, fatale Folgen für die dortige Fischwelt. Insbesondere Jungfische, bodenorientierte Fische, Krebse und sogar das Makrozoobenthos sind betroffen. Martin Mühlbauer, der Obmann des Revierverbands, berichtet von toten Jungfischen und hat bereits erschreckende Fotos erhalten. Die genaue Ursache für den Durchfluss-Stopp wird zwischen dem EVN-Kraftwerk in Rosenburg und der Wehranlage in Stallegg vermutet. Mühlbauer hat bereits Kontakt mit der EVN sowie den zuständigen Behörden in den Bezirken Horn, Krems und Tulln aufgenommen und eine Anzeige erstattet.[1]

Eine klare Zahl, wie viele Fische verendet sind und wie stark die Population betroffen ist, steht noch aus. Die große Trockenheit in der Region trägt jedoch nicht gerade zur Entspannung bei, denn sie führt zu niedrigen Wasserständen und Durchflussmengen. An vielen Messstellen werden derzeit die niedrigsten Wasserstände seit Beginn der Aufzeichnungen verzeichnet. Auch der Fluss Zwettl hat kaum Wasser, was sich direkt auf den Kamp auswirkt. Die Situation gibt Anlass zur Sorge, denn Fischsterben ist ein komplexes und oft tragisches Phänomen.

Ursachen für Fischsterben

Fischsterben bezeichnet das massenhafte Sterben von Fischen in Gewässern und hat verschiedene Ursachen. Zu den häufigsten zählen Fischkrankheiten, Sauerstoffmangel oder sogar Intoxikationen. In der Schweiz beispielsweise kam es seit dem späten 19. Jahrhundert punktuell zu Fischsterben durch industrielle Abwässer. Auch starke Schwankungen der Wassertemperatur können dazu führen, dass Fische verenden. Wasserkraftwerke sind ebenfalls kritisch – insbesondere für Arten wie den Aal. Bei Bachforellen wurden unerklärliche Fischsterben in Voralpenflüssen beobachtet, was die Fragilität der Wasserökosysteme verdeutlicht. Zuletzt wiesen tote Fische aus der Thur Entzündungen an Leber und Herz auf, die letztlich zu Herzversagen führten, obwohl die genaue Ursache unklar blieb.[2]

Fische benötigen Sauerstoff, um zu überleben. In unbelasteten Gewässern ist dieser normalerweise ausreichend vorhanden. Zu hoher Nährstoffeintrag kann jedoch zu Hypoxie führen, was Fische ersticken lässt. Auch der Eintrag von Löschschaum kann Sauerstoffmangel verursachen. In stehenden oder langsam fließenden Gewässern fördern Nährstoffe wie Phosphate und Silikate übermäßiges Algenwachstum. Diese Algen verbrauchen nachts Sauerstoff und können so zum Fischsterben beitragen. Auch natürliche Ursachen wie lange Frostperioden oder Umwälzungen in meromiktischen Gewässern führen manchmal zu Sauerstoffentzug.[2]

Wasserkraft und ihre Auswirkungen

Interessanterweise wird Wasserkraft oft als „grüne“ Energie gefeiert, da sie klimafreundlichen Strom liefert. Doch es gibt auch kritische Stimmen, die vor den negativen Auswirkungen von Wasserkraftwerken auf Fischbestände warnen. Biologen wie Olaf Niepagenkemper dokumentieren immer wieder tote Fische an Gewässern, die in der Nähe von Wasserkraftwerken leben. Besonders kleine Wasserkraftwerke stehen in der Kritik, da sie durch das Aufstauen von Wasser Faulschlamm und Methangas produzieren können – das ist 25-mal klimaschädlicher als CO2! Die Erwärmung des Wassers im Staubereich reduziert den Sauerstoffgehalt und kann somit ebenfalls zu Fischsterben führen.[3]

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Die Debatte um Wasserkraft und ihre ökologischen Auswirkungen ist komplex. Auf der einen Seite stehen die Betreiber, die betonen, dass moderne Anlagen keinen relevanten Eingriff in den Fischbestand verursachen. Auf der anderen Seite gibt es viele Umweltschützer, die fordern, die Ökologie der Flüsse nicht für die Energieproduktion zu opfern. Es bleibt abzuwarten, welche Maßnahmen die Behörden und Betreiber ergreifen werden, um die Gewässer rund um Zwettl zu schützen.