Eine ganz normale Familienausflugs-Situation entpuppt sich als Streitpunkt in einer Pizzeria im Bezirk Grieskirchen, Oberösterreich. Eine Familie wollte, dass die Kinder sich eine Pizza teilen. Der Gedanke, die kleinen Gaumen mit einer großen Pizza zu befriedigen, schien zunächst einfach und unproblematisch. Doch beim Blick in die Speisekarte stieß der Familienvater auf einen Hinweis, der ihm die Laune verdarb: Pizzen werden „pro Person verrechnet“. Und das bedeutet, dass beim Teilen eines Gerichts ein Aufpreis von 11 Euro fällig wird. Ein Betrag, der dem Preis der einfachsten Pizza auf der Karte entspricht! Das ließ ihn aufhorchen.
„Wirklich übertrieben, eine Frechheit“, äußerte der Vater seinen Unmut über diese Regelung. Statt des Aufpreises entschied sich die Familie, eine zweite Pizza zu bestellen, was letztlich dazu führte, dass sie fast den doppelten Preis zahlten. Ein teurer Spaß, der viele Gäste in Österreich wohl ins Grübeln bringt. Die Betreiber der Pizzeria haben sich jedoch etwas dabei gedacht: Sie wünschen sich, dass jeder Gast eine eigene Pizza bestellt. Die Regel ist nicht allein auf diese Pizzeria beschränkt – in Österreich ist es nicht unüblich, einen Aufpreis für leere Teller zu verlangen, die zum Teilen von Speisen genutzt werden. Ein „Räuberteller“, wie man so schön sagt, ist für viele Wirte ein rotes Tuch.
Hintergründe und Reaktionen
Der Hintergrund dieser Regelung ist ein häufiges Problem in der Gastronomie. Viele Wirte beklagen sich über Gäste, die Speisen teilen und dennoch zusätzlichen Geschirrservice verlangen. Ernst Pühringer, der Salzburger Spartenobmann für Tourismus und Gastronomie, bezeichnete dieses Verhalten als eine „Unart“. Ein Wirt erklärte, dass das Ziel darin besteht, „Wertschätzung und Anerkennung“ zu erhalten und einen angemessenen Umsatz zu erzielen. Um dem entgegenzuwirken, haben einige Gastronomen entschieden, auf die Gebühr zu verzichten, wenn der Gesamtumsatz stimmt – so etwa bei einer Mutter, die mit ihrem Kind teilt. Das zeigt, dass es auch Ausnahmen gibt.
Obwohl die Regelung für viele Gäste frustrierend ist, gibt es in der Gastronomie auch andere spannende Entwicklungen. Immerhin sind die Preise für Speisen in Restaurants seit Anfang 2022 um mehr als 26 Prozent gestiegen, was wohl auch den ein oder anderen Gast dazu verleitet, seine Pizza zu teilen. Hauptursachen dafür sind die hohen Personalkosten und die Mehrwertsteuer. Der DEHOGA berichtet von einer zunehmenden Konsumzurückhaltung: Gäste gehen seltener essen und greifen vermehrt zu günstigeren Gerichten oder verzichten sogar auf Vorspeisen. Die Gastronomiebranche hat es seit Jahren nicht leicht – viele Betriebe mussten während der Corona-Pandemie schließen und kämpfen jetzt mit den Folgen.
Die Zahlen sprechen für sich: Hoteliers und Gastronomen haben im ersten Halbjahr 2025 real 15,1 Prozent weniger Umsatz erzielt als 2019. Dies ist eine alarmierende Entwicklung, besonders weil die Arbeitskosten in der Gastronomie seit 2022 um mehr als 34 Prozent gestiegen sind. Und das alles, während viele Restaurants vergeblich auf Nachfolger hoffen. In ländlichen Gebieten ist die Situation oft noch prekärer, da viele Betreiber Schwierigkeiten haben, Nachfolger zu finden. Die Gastronomie scheint in einem Teufelskreis gefangen zu sein, der durch hohe Kosten und sinkende Gästezahlen angetrieben wird.
Die Pizzeria im Bezirk Grieskirchen hat mit ihrer Gebühr für das Teilen von Pizzen sicherlich für Aufsehen gesorgt. Während einige das als übertrieben empfinden, sehen andere darin vielleicht eine notwendige Maßnahme, um in schwierigen Zeiten zu überleben. So oder so – die Diskussion über Preisgestaltung und Wertschätzung in der Gastronomie wird wohl weitergehen. Wer weiß, vielleicht wird das nächste Mal in der Pizzeria auch ein „Räuberteller“ einfach dazugehören.