In Grieskirchen ist eine Ära zu Ende gegangen. Die beliebte Bar Sichtbar hat am vergangenen Dienstag nach sechs Jahren endgültig ihre Pforten geschlossen. Betreiber Marcel Märzinger verabschiedete sich emotional von seinen Gästen und nannte finanzielle Gründe für das Aus. Der Umsatz pro Kopf sei stark zurückgegangen, und die allgemeine wirtschaftliche Lage habe die Kaufkraft der Kunden deutlich beeinträchtigt. Die Versuche, das Geschäft zu retten – ob mit einem Frühstücksbuffet oder DJ-Nights – blieben leider erfolglos. Letztlich wurde das Personal stark reduziert, sodass zuletzt nur eine Ganztags- und zwei Halbtagskräfte beschäftigt waren. Die Sichtbar bleibt dauerhaft geschlossen, und es gibt keine Nachfolger für den Betrieb. Stattdessen ist eine Umnutzung des Lokals in eine Penthouse-Wohnung geplant.

Die Krise im Gastgewerbe

Die Schließung der Sichtbar spiegelt eine tiefere Krise wider, die das gesamte Gastgewerbe erfasst hat. Laut aktuellen Berichten befindet sich die deutsche Gastronomie in einer tiefen Verwerfung. Im Mai 2025 verzeichnete das Gastgewerbe einen Rückgang der Umsätze, wobei der reale Umsatz kalender- und saisonbereinigt um 4,6 % im Vergleich zum Vormonat sank. Besonders betroffen sind Restaurants und Hotels, die mit einem Umsatzrückgang von bis zu 7 % kämpfen. Die Nominallöhne steigen zwar leicht, doch das bringt den Gastronomen wenig, wenn die Kunden ausbleiben.

Die Krise ist kein vorübergehendes Phänomen. Im ersten Halbjahr 2025 sanken die preisbereinigten Umsätze der deutschen Gastronomie um 3,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Preissensibilität der Kunden wächst, und viele entscheiden sich, seltener essen zu gehen oder auf teurere Extras wie Vorspeisen zu verzichten. Ein weiteres Problem sind die gestiegenen Kosten, die vor allem kleine und mittlere Familienbetriebe belasten. Auch die Einführung einer höheren Umsatzsteuer auf Speisen seit 2024 hat nicht zur Besserung beigetragen.

Ein Blick auf die Zahlen

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019 sank der Umsatz real um 13,1 %. Branchenvertreter wie Guido Zöllick kritisieren die angespannte Situation und fordern politische Hilfe zur Senkung des Mehrwertsteuersatzes. Besonders die kleinen Betriebe leiden unter der Stagnation, Inflation und mangelnden Investitionen. Eine Umfrage zeigt, dass die Aussichten für das zweite Halbjahr gedämpft sind – und der Umsatzrückgang zeigt sich auch in den Sommermonaten, in denen die Umsätze im Juni 2025 real 5,9 Prozent unter dem Vorjahresmonat lagen.

Wie die Schließung der Sichtbar zeigt, ist die Krise im Gastgewerbe spürbar und hat auch in Grieskirchen ihre Spuren hinterlassen. Das Ende eines geliebten Lokals ist nicht nur ein Verlust für die Gastronomie, sondern auch ein Zeichen für die Herausforderungen, die die Branche in den kommenden Jahren bewältigen muss. Ob die Situation sich bessern wird? Das bleibt abzuwarten.

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