In Linz wird gerade an einem ganz besonderen Projekt gearbeitet, das die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Natur in den Mittelpunkt stellt. Am Sammelgerinne in Urfahr setzen sich Menschen und die heimischen Biber für den Erhalt der Linzer Bäche ein. Diese Initiative kommt nicht von ungefähr, denn der Wasserstand in den Urfahraner Bächen ist Ende April 2023 bereits auf einem kritischen Niveau, das wir sonst erst im Sommer gewohnt sind. Georgios Kyriazis, der Bereichsleiter der städtischen Abteilung Wasserbau, äußert seine Besorgnis über die Wasserverfügbarkeit – und das ist mehr als verständlich.

Das Sammelgerinne, wo der Diesenleitenbach, der Haselbach und der Höllmühlbach zusammenfließen, wird in die Donau abgeleitet. Im Herbst 2024 trocknete der Haselbach komplett aus, was massive negative Auswirkungen auf das Ökosystem hatte. Um diese Entwicklung zu stoppen, hat das „Beaver Lab“ in Linz, das seit über einem Jahr mit einer ansässigen Biberfamilie arbeitet, einen fünf Kilometer langen Abschnitt im Blick. Die Ziele sind ambitioniert: Durch kostengünstige und naturschonende Maßnahmen sollen die Bäche vor der Austrocknung geschützt werden. Franziska Thurner und Fabian Holzinger legen Biberdammimitate an, die den Wasserrückhalt fördern – und das mit einem erstaunlichen Erfolg: Rund 80 Prozent der Dämme werden von den Bibern akzeptiert und betreut.

Biber als Ökohelfer

Aber wer sind diese kleinen Baumeister eigentlich? Der Biber (Castor fiber) ist das größte Nagetier Europas und lebt in Deutschland unter strengem Schutz. Sie sind wahre Meister im Umgestalten ihrer Umgebung. Mit ihren kräftigen Schneidezähnen nagen sie an Weichhölzern, die sie sowohl als Nahrung als auch als Baumaterial verwenden. Ihr plumper, kompakter Körper und der charakteristische, platte Schwanz machen sie unverwechselbar. Biber sind Pflanzenfresser und ernähren sich im Sommer von krautigen Pflanzen, Wasserpflanzen und frischen Baumtrieben. Im Winter stehen Rinde, Knospen und Zweige auf dem Speiseplan.

Die Biber sind dämmerungs- und nachtaktiv und leben in Burgen oder Uferhöhlen, deren Eingänge unter Wasser liegen. Ihre Fortpflanzung ist monogam, was bedeutet, dass sie ihrem Partner treu bleiben – die Paarungszeit ist von Januar bis März, und im Mai oder Juni bringen sie 2 bis 4 Jungtiere zur Welt. In der Region Linz können wir auch eine Vielzahl seltener Arten beobachten, darunter die Würfelnatter, Äskulapnatter, Libellen, Schmetterlinge und Eisvögel. Diese Vielfalt ist nicht nur schön anzusehen, sondern auch wichtig für das gesamte Ökosystem.

Ein Projekt in Gefahr

Die Bevölkerung wird aktiv in die Arbeit einbezogen, beispielsweise durch Mitmach-Tage zur Pflege des Gebiets. Diese Initiative schafft ein Gefühl von Gemeinschaft und Verantwortung für die Natur. Doch es gibt auch Herausforderungen: Das Projekt wurde mit 100.000 Euro aus dem Klimafonds der Stadt Linz finanziert. Leider läuft dieser aufgrund von Sparmaßnahmen bald aus. Umweltstadträtin Eva Schobesberger hat bereits angekündigt, dass das Projekt nach diesem Jahr vorerst beendet wird – eine Entscheidung, die viele Bürger besorgt. Es bleibt zu hoffen, dass die Bedeutung dieses Projekts für die Umwelt und die Biodiversität nicht übersehen wird.

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Für alle, die mehr über das faszinierende Leben der Biber erfahren möchten, bietet das „Beaver Lab“ regelmäßige geführte Biber-Touren am Sammelgerinne an. Die nächste Tour findet am 11. Mai statt – eine großartige Gelegenheit, um die Natur hautnah zu erleben und sich selbst ein Bild von der beeindruckenden Arbeit zu machen, die hier geleistet wird.