Heute ist der 5.06.2026 und in Linz tut sich was – oder auch nicht. Die Stadt hat sich das ambitionierte Ziel gesetzt, die Welt-Wettbürohauptstadt zu werden. Nach der Kulturhauptstadt und der UNESCO City of Media Arts schickt sich Linz an, seine nächsten Schritte in die Glücksspielszene zu setzen. Die ersten neuen Wettbüro-Filialen eröffnen bereits in prominenten Lagen, wie der Landstraße und der Hauptstraße Urfahr. Doch während die Wettbüros sprießen, bleibt die Reaktion der Stadtpolitik aus. Irgendwie hat man das Gefühl, dass die Verantwortlichen den Überblick verloren haben.
Der Linzer City Manager Jürgen Landerl-Brameshuber hat nun schon seit fünf Monaten keine sichtbaren Fortschritte oder Erfolge vorzuweisen. Das ist schon ein bisschen peinlich, oder? Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Stadt Linz plant, die Innenstadt gemeinsam mit den Betrieben zu stärken. Es wäre wirklich an der Zeit, die Wünsche oder Vorgaben für Wettbüros zu formulieren, um deren Betrieb zu regulieren. Die Betriebsanlagengenehmigung regelt zwar schon einige Bedingungen, wie Öffnungszeiten und Lärmschutz, doch das scheint nicht auszureichen.
Finanzielle Aspekte und neue Gesetze
Wettbüros bieten nicht nur Nervenkitzel, sondern auch Getränke und Speisen zu niedrigen Preisen, um ihre Kunden länger zu halten. Das ist eine clevere Taktik – und die Stadt profitiert finanziell davon, während sie gleichzeitig gegen das Glücksspiel vorgeht. Ein Drahtseilakt, der nicht gerade leicht zu balancieren ist. Die Novelle des Oö. Lustbarkeitsabgabegesetzes vom 14. November 2025 wird die Höchstsätze für Spielapparate und Wettterminals erhöhen. Der Entwurf zur Novelle befindet sich derzeit in Begutachtung und soll die Höchstsätze nach Jahren der Stagnation anpassen.
Die Höchstbeträge wurden seit 2016 nicht mehr erhöht, was angesichts einer Inflation von etwa 35,8 % schon fast absurd wirkt. Der neue Höchstsatz für Wettterminals soll von 250 Euro auf 350 Euro angehoben werden. In Linz gibt es aktuell 196 Wettterminals, was zu einem Mehraufkommen von 19.600 Euro monatlich und 235.200 Euro jährlich führen könnte. Bei gleichbleibender Anzahl von Spielgeräten könnte man sogar monatlich 2.250 Euro mehr einnehmen, was insgesamt 262.200 Euro für die Stadt Linz ausmachen würde. Ein echter Geldsegen, der dringend benötigt wird, um kommunale Aufgaben zu finanzieren.
Regulierung im Kontext
In einem größeren Kontext betrachtet, ist es spannend zu sehen, wie sich die Glücksspielgesetzgebung in Europa entwickelt. In Deutschland hat sich in den letzten Jahren viel getan. Der Staatsvertrag über das Glücksspiel, der am 1. Juli 2021 in Kraft trat, harmonisiert die Regeln in allen 16 Bundesländern. Er legalisiert sogar das Online-Glücksspiel und stellt strenge Anforderungen an den Spielerschutz auf. Währenddessen gehen die Diskussionen über mögliche Lockerungen von Vorschriften weiter, um die Wettbewerbsfähigkeit des legalen Marktes zu steigern.
Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) wurde 2021 gegründet und hat die Aufgabe, alle Arten von Online-Glücksspielen zu beaufsichtigen. Hier wird deutlich, dass es nicht nur um die Erhöhung von Abgaben geht, sondern auch um verantwortungsvolles Spielen und den Schutz der Spieler. Während Linz sich auf den Weg zur Wettbürohauptstadt macht, könnte ein Blick über die Grenzen hinaus hilfreich sein, um die eigene Strategie zu überdenken und eventuell anzupassen.
