Am Bahnhof Perg gibt es derzeit ein ganz besonderes Ereignis: Jungstörche sind im Storchennest auf dem ÖBB-Funkmast geschlüpft! Es ist schon eine kleine Sensation, wenn man bedenkt, dass dieses Storchenpaar seit sechs Jahren genau diesen 26 Meter hohen Mast als Nistplatz auserkoren hat. Solche Wiederkehrer sind in der heutigen Zeit eher die Ausnahme als die Regel. Die ÖBB hat zusammen mit verschiedenen Behörden und Naturschutzorganisationen dafür gesorgt, dass die Störche hier ungestört nisten können, ohne dass der Bahnbetrieb darunter leidet.
Störche sind echte Hochsitz-Liebhaber. Hohe Landeplätze mit freier Sicht sind für sie ideal – und da kommt der Funkmast wie gerufen. Um das Nest zu stabilisieren und die technische Infrastruktur zu schützen, wurde eine spezielle Plattform auf dem Mast montiert. Diese Plattform stellt eine gelungene Kombination aus Artenschutz und Infrastruktur dar und hat dafür gesorgt, dass das Nest der Störche unter Schutz steht und im Originalzustand erhalten bleiben muss.
Schutzmaßnahmen und Herausforderungen
Eine Umsiedelung der Störche wurde zwar in Betracht gezogen, aber das war nicht möglich. Es gab einfach keinen gleichwertigen Standort im Umkreis von 20 Metern. Man kann sich vorstellen, wie wichtig es ist, solche Nistplätze zu erhalten! Die Maßnahmen der ÖBB und der Naturschutzorganisationen sind ein schönes Beispiel dafür, wie Mensch und Natur miteinander in Einklang gebracht werden können.
Doch warum sind solche Schutzmaßnahmen so wichtig? Weißstörche benötigen spezielle Lebensräume für ihre Nahrungssuche. Teiche, Weiher, feuchte Wiesen und extensiv bewirtschaftete Flächen sind für sie unverzichtbar. Ihre Ernährung besteht hauptsächlich aus Eidechsen, Mäusen, Fröschen, Regenwürmern und Insekten. Eine Storchfamilie braucht in der Brutzeit bis zu 4,5 Kilogramm Nahrung täglich! Leider führen Flurbereinigungen und intensive Nutzung von Flächen oft zu Nahrungsmangel für diese eleganten Vögel.
Gefahren und Erfolge
Zusätzlich sind Strommasten eine erhebliche Gefahr für Störche. Über 50% der Weißstörche sterben in Bayern durch Stromschläge oder Zusammenstöße mit Leitungen. Das ist erschreckend und zeigt, wie wichtig es ist, gefährliche Leitungen zu sichern. Zwar gibt es Programme wie das Bayerische Weißstorch-Schutzprogramm, das seit 1984 im Auftrag des Bayerischen Umweltministeriums läuft, aber die Umsetzung könnte schneller vorangehen.
Rund 300 ehrenamtliche Horstbetreuer kümmern sich um die Nester, überwachen die Brut und dokumentieren den Vogelbestand. Alle gesammelten Daten werden ausgewertet, um die Situation der Störche kontinuierlich zu verbessern. Maßnahmen zur Verbesserung des Nahrungsangebots umfassen die Extensivierung von Wiesen und die Anlage von Feuchtflächen. Die Erfolge sind sichtbar: Immer mehr Störche kehren aus ihren Winterquartieren zurück und nehmen die neu geschaffenen Biotope an.
Was für eine wunderbare Nachricht, die uns am Bahnhof Perg erreicht! In einer Zeit, in der der Mensch oft in Konflikt mit der Natur steht, zeigt dieses Beispiel, wie es auch anders gehen kann. Die Störche sind nicht nur ein Zeichen für eine intakte Umwelt, sondern auch ein Hoffnungsschimmer für Naturschützer und Naturfreunde.