In Rohrbach-Berg wird bald eine wichtige Säule der Kinderbetreuung verschwinden. Bianca Bany, die seit dem 2. Februar 2014 als Tagesmutter tätig ist, plant, ihre Arbeit voraussichtlich Anfang September zu beenden. Nach mehr als 12 Jahren in diesem Beruf ist der Grund für ihre Entscheidung alarmierend: Es gibt schlichtweg zu wenige Anmeldungen. Für den kommenden Herbst hat sie nur einen Jungen in ihrer Obhut. Das ist nicht nur eine persönliche Enttäuschung für Bany, sondern auch ein tiefes Loch im Betreuungsangebot der Gemeinde.
Die Unsicherheit bezüglich der Anmeldungen belastet sie schon seit zwei Jahren. In dieser Zeit hat sie insgesamt 71 Kinder betreut, was zeigt, dass sie eine wertvolle Stütze für viele Familien war. Bürgermeister Andreas Lindorfer äußert sein Bedauern über den Wegfall eines solchen Betreuungsangebots. Die Gründe für die ausbleibenden Anmeldungen sind vielschichtig: Änderungen der Rahmenbedingungen und der Ausbau der Kleinkinderbetreuung in der Region könnten eine Rolle spielen. Im Bezirk Rohrbach gibt es aktuell noch acht Tagesmütter, doch auch ihre Situation ist angespannt.
Die Lage der Tagesmütter
Drei Tagesmütter arbeiten in Kinderbetreuungseinrichtungen in Altenfelden und Kollerschlag. Ihre Plätze sind bis Herbst 2027 gesichert. Fünf Tagesmütter hingegen betreuen Kinder in ihren eigenen vier Wänden, und auch bei ihnen spitzt sich die Lage zu. Judith Daniel-Auberger, die Geschäftsführerin des Vereins der Tagesmütter und -väter im Bezirk Rohrbach, spricht von ungewissen Anmeldungen für den kommenden Herbst. Die Novelle des oberösterreichischen Kinderbildungs- und -betreuungsgesetzes, die im September 2024 in Kraft tritt, könnte zusätzliche Herausforderungen mit sich bringen – insbesondere in der Nachmittagsbetreuung für Kinder ab drei Jahren.
Die Unattraktivität des Berufs für Tagesmütter nimmt zu. Eltern entscheiden sich aus Kostengründen immer häufiger dagegen, ihre Kinder von Tageseltern betreuen zu lassen. Und das hat direkte Auswirkungen auf die Verfügbarkeit von Betreuungsplätzen in den Gemeinden. Diese Entwicklung könnte nicht nur die Tagesmütter selbst, sondern auch die Familien in der Region stark belasten.
Ein Ausblick
Die Situation in Rohrbach-Berg und der umliegenden Region ist ein Spiegelbild eines breiteren Problems in der Kinderbetreuung. Es stellt sich die Frage, wie Gemeinden auf diese Herausforderungen reagieren können. Die Notwendigkeit, attraktive Rahmenbedingungen für Tageseltern zu schaffen, wird immer dringlicher. Schließlich ist die frühkindliche Betreuung ein entscheidender Faktor für die Entwicklung unserer Kinder. Doch wie kann das gelingen, wenn die Anmeldungen ausbleiben? Die Antwort darauf bleibt vorerst offen, ebenso wie die Zukunft der Tagesbetreuung im Bezirk.
Es bleibt zu hoffen, dass die zuständigen Stellen die Zeichen der Zeit erkennen und Maßnahmen ergreifen, um die Kinderbetreuung in Rohrbach-Berg zu sichern. Die Zeit drängt, denn die Bedürfnisse der Familien dürfen nicht in den Hintergrund geraten.
