Rohrbach, das Herz der österreichischen Landwirtschaft, erlebt zurzeit einen spannenden Wandel. Juliane Eder, die seit Anfang 2023 alleinige Geschäftsführerin des traditionsreichen Mauracherhofes, führt den Betrieb mit frischem Elan und einer klaren Vision. Ihr Bruder Andreas hat die Geschäftsführung verlassen, um sich auf seine Selbstständigkeit zu konzentrieren. Der Mauracherhof, der bereits über 400 Jahre Geschichte hat und von ihren Eltern, Josef und Elisabeth, geleitet wurde, steht vor einer neuen Ära. Diese Übergabe war alles andere als einfach – sie war ein intensiver Prozess, geprägt von vielen Gesprächen und Überlegungen. Juliane fühlt sich jedoch gut gerüstet für ihre neue Rolle und betont den Rückhalt, den sie durch ihr Team und die Familie erhält. Die Eltern ziehen sich zwar 2025 aus der aktiven Geschäftsführung zurück, bleiben aber Eigentümer.
Juliane Eder, 40 Jahre alt, ist keine Unbekannte in der Branche. Mit einer fundierten Ausbildung in der Gastronomie, einer Matura und einem Studium an der FH Steyr bringt sie viel Erfahrung mit. Vor ihrer Rückkehr auf den Hof war sie in der Automobilindustrie bei Audi in Ingolstadt tätig und leitete das Event-Lokal „Das See“ in Feldkirchen. Es ist bemerkenswert, wie sie ihre Kindheitserinnerungen am Mauracherhof mit ihrem modernen Ansatz kombiniert. Der Betrieb bewirtschaftet 35 Hektar Acker- und Wiesenfläche und hat 90 Milchkühe. Zudem beschäftigt der Mauracherhof etwa 50 Mitarbeiter und bildet Lehrlinge in Berufen wie Lebensmitteltechniker und Bäcker aus. Diese Verbindung von Tradition und Innovation ist entscheidend, besonders in einer Zeit, in der sich die Biobranche durch einen Generationenwechsel verändert.
Digitalisierung und Nachhaltigkeit
Ein wesentlicher Aspekt, den Juliane Eder in ihrer Strategie verfolgt, ist die Digitalisierung. Die Möglichkeiten sind schier endlos! Technologien wie Sensorik, KI-gestützte Analysen und automatisierte Pflanzenschutzverfahren können dazu beitragen, Ressourcen effizienter und nachhaltiger einzusetzen. Das Ziel ist klar: Weniger Bürokratie, mehr Produktivität. Dabei ist der Ausbau des Onlineshops eine ihrer nächsten Herausforderungen – schließlich sollen die köstlichen Produkte des Mauracherhofes in ganz Österreich verfügbar sein. Bestellungen bis 14 Uhr werden am nächsten Vormittag frisch geliefert. Die Unternehmensphilosophie „Bio – Von der Ähre bis zum Brot“ unterstreicht diesen Ansatz.
Die Europäische Kommission unterstützt in ihren politischen Leitlinien für 2024-2029 die Digitalisierung in der Landwirtschaft, um die Leistungsfähigkeit landwirtschaftlicher Betriebe zu steigern. Durch den Einsatz von IoT, Sensoren und Datenanalysen sollen Nachhaltigkeit, Produktivität und Resilienz verbessert werden. Die Förderung durch die EU umfasst Forschungs- und Innovationsprojekte, die den Landwirten helfen, die Vorteile digitaler Technologien zu nutzen und gleichzeitig Bedenken hinsichtlich Datenschutz und Datenaustausch zu adressieren.
Herausforderungen und Chancen
Doch jede Medaille hat zwei Seiten. Die Digitalisierung bringt Herausforderungen mit sich, wie den Mangel an Bewusstsein und Fähigkeiten bei Landwirten oder den fehlenden Internetzugang in ländlichen Gebieten. Außerdem können die hohen Kosten für die Einführung digitaler Technologien viele Landwirte abschrecken. Dennoch bietet die Digitalisierung auch Chancen: Produktionsoptimierung, höhere Gewinne und eine bessere Kommunikation sind nur einige der Vorteile. Technologien wie Blockchain ermöglichen eine transparente Produktverfolgung, die in der heutigen Zeit mehr denn je gefragt ist.
Juliane Eder ist sich dieser Herausforderungen bewusst und versucht, ihren Betrieb so zu gestalten, dass er nicht nur nachhaltig, sondern auch zukunftsfähig ist. Da ist die Frage der Datensicherheit ebenso wichtig. Schließlich sollen die Daten der Landwirte nicht ohne Zustimmung verwendet werden. Der Mauracherhof ist bereit, sich diesen Herausforderungen zu stellen und gleichzeitig die Tradition der Qualität und des Handwerks zu wahren.