In Schärding gibt es aktuell 16 leerstehende Geschäftsflächen, die sowohl Einzelgeschäfte als auch ganze Gebäude betreffen. Laut Carmen Hager vom Stadtmarketing zeigt sich die Problematik des Leerstands in verschiedenen Bereichen der Stadt. Besondere Aufmerksamkeit verdient das ehemalige Billa-Geschäft an der Silberzeile, das seit Anfang 2024 leer steht und der Lorenz-Group Immobiliensparte gehört. Joseph Lorenz äußert sich besorgt über die Situation und berichtet von zahlreichen Anfragen, allerdings ohne nachhaltige Lösungen. Sein Wunsch: einen Nahversorger für den Standort zu gewinnen.
Ein weiteres Beispiel ist die ehemalige Bipa-Filiale in der Denisgasse, die seit 2019 leer steht. Die Eigentümerin Christine Stelzer-Orthofer hat bislang keine Anfragen für eine Nutzung erhalten und plant, nicht an Gastronomiebetriebe zu vermieten. Auch das Café und die Konditorei von Monika und Ernst Eibensteiner mussten Ende 2020 schließen, da geeignete Nachfolger fehlten. Eibensteiner betont die Wichtigkeit von wirtschaftlichem und fachlichem Know-how für zukünftige Pächter und sieht dennoch Hoffnung in innovativen Geschäftsmodellen, die trotz der Herausforderungen zurückkehren könnten.
Entwicklung und Ausblick
Ein weiterer bedeutender Punkt in der Stadtentwicklung ist das ehemalige Kaufhaus Jasch in der Innbruckstraße. Geplant ist hier der Abriss, um Platz für 19 exklusive Wohnungen zu schaffen. Der Baubeginn des Wohnprojekts wird noch in diesem Jahr angestrebt und umfasst auch 18 Pkw-Stellplätze im Erd- und Tiefgeschoss. Die Stadt Schärding sieht zudem Verbesserungsbedarf in der Lamprechtstraße, Kirchengasse und Teilen des Unteren Stadtplatzes. Hager zeigt sich optimistisch, dass für einige der Leerstände bereits Projekte vorliegen, die bald umgesetzt werden könnten.
Österreichweit sind die Leerstände in den Innenstädten ein zentrales Thema. Die Leerstandsquote in 24 österreichischen Innenstadtbereichen beträgt aktuell 4,9%, eine leichte Verbesserung im Vergleich zum Vorjahr. In A-Lagen liegt die Quote sogar bei 4,2%. Städte wie Steyr und Wiener Neustadt kämpfen mit höheren Quoten von 11,6% bzw. 10,1%. Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen des Leerstands sind weitreichend und betreffen die Attraktivität der Innenstädte sowie die Existenz vieler Einzelhändler.
Ursachen und Lösungsansätze
Die Ursachen für die Leerstände sind vielfältig: Der Strukturwandel im Einzelhandel, die Zunahme des E-Commerce und die Folgen der COVID-19-Pandemie tragen erheblich dazu bei. Der E-Commerce-Umsatz hat sich in Österreich seit 2010 mehr als verdoppelt, während die Besucherzahlen in den Innenstädten zurückgegangen sind. Innovative Lösungen sind gefragt, um diesen Herausforderungen zu begegnen. Konzepte wie Pop-up-Stores, Co-Working-Spaces und die Umnutzung von leerstehenden Flächen in soziale Einrichtungen oder Arztpraxen könnten einen neuen Impuls geben.
Die Stadtmanager stehen vor der Herausforderung, kosteneffiziente Lösungen zu finden, und müssen innovative Partnerschaften zwischen öffentlichen und privaten Akteuren fördern. Erfolgreiche internationale Beispiele für das Management von Leerständen zeigen, dass starke Gemeinschaftsbeteiligung und flexible Nutzungsmöglichkeiten entscheidend sind. Zukünftige Stadtentwicklung wird zudem von Nachhaltigkeit, Flexibilität und Digitalisierung geprägt sein, um den urbanen Raum zukunftsfähig zu gestalten.
Für Schärding bleibt zu hoffen, dass die aktuellen Maßnahmen, gepaart mit einem kreativen Ansatz, bald zu einer Belebung der Innenstadt führen werden. Die Stadt hat das Potenzial, trotz der Herausforderungen eine attraktive Anlaufstelle für Bürger und Besucher zu bleiben. Für weitere Informationen zu diesem Thema kann die Quelle hier eingesehen werden.