Heute ist der 7.05.2026. Im malerischen Vöcklabruck wird die Diskussion um Zweitwohnsitze am Attersee wieder laut. Ein neuer Vorstoß sorgt für Aufregung: Der grüne Bürgermeister Rudolf Hemetsberger fordert strengere Regeln, um den Wohnraum für Einheimische zu sichern. Der Vorschlag, dass jeder Verkauf eines Zweitwohnsitzes automatisch zur Umwandlung in einen Hauptwohnsitz führen soll, steht im Raum. Das Ziel? Die temporäre Nutzung von Wohnungen und Häusern soll eingeschränkt werden. Hemetsberger macht deutlich, dass die Anzahl der Zweitwohnsitze in der Region stetig steigt und dass die bestehenden Gesetze nicht ausreichen, um dem entgegenzuwirken. Doch die Reaktionen auf diesen Vorschlag sind gemischt.
Eine komplexe Debatte entfaltet sich. Nicht alle sehen Zweitwohnsitze als die Hauptursache für die Probleme in der Region. Baumeister Norbert Hartl bringt einen interessanten Punkt auf: Die europäischen Grundfreiheiten und das Diskriminierungsverbot müssen gewahrt bleiben. Einschränkungen für Immobilienkäufe durch EU-Bürger müssen verhältnismäßig und rechtlich begründet sein. Das ist ein wichtiger Aspekt, der in der Diskussion oft übersehen wird. Nach wie vor bleibt der Attersee für viele ein beliebtes Tagesausflugsziel, nicht nur ein klassisches Urlaubsparadies. An heißen Sommertagen strömen die Tagesgäste – viel Lärm, viel Trubel, aber abends sind sie wieder weg und der Ort wirkt manchmal fast wie verlassen.
Steigende Zahlen und Herausforderungen
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Seit 2011 ist die Anzahl der Zweitwohnsitze in den oberösterreichischen Vorbehaltsgebieten kontinuierlich gestiegen. Besonders in der Gemeinde Nußdorf hat sich die Situation dramatisch verändert. Die Einwohnerzahl liegt bei 1.132, doch die Anzahl der Nebenwohnsitze schoss von 1.531 im Jahr 2020 auf 2.656 im Jahr 2021 und erreicht 2024 mit 2.781 einen neuen Rekord. Bürgermeister Josef Mayrhauser von der ÖVP führt diesen Anstieg auf rund 1.200 Dauercamper zurück, die während der Corona-Pandemie einen Zweitwohnsitz anmelden konnten. Vor der Pandemie war das nicht möglich – ein weiterer Beweis, wie sich die Umstände schnell ändern können.
Doch Hemetsberger macht sich Sorgen über die Schlupflöcher im System. Fast 8.000 Nebenwohnsitze wurden seit 2011 in den 26 Vorbehaltsgebieten hinzugefügt, die nicht während der Pandemie angemeldet wurden. Um dem entgegenzuwirken, fordert er, dass bei Wohnungsübergaben außerhalb der Familie immer ein Hauptwohnsitz angemeldet werden muss. Eine Anfrage an Landesrat Achleitner bezüglich der Auswirkungen auf die Wohnsituation blieb bisher unbeantwortet. Es bleibt abzuwarten, wie die Politik auf diese Herausforderungen reagieren wird.
Die wirtschaftliche Perspektive
<pEinige Stimmen in der Diskussion argumentieren sogar, dass Zweitwohnsitze wirtschaftliche Vorteile bringen könnten. Besitzer, die regelmäßig in der Region sind, nutzen lokale Dienstleistungen und fördern somit die Wirtschaft. Die Frage ist, ob diese wirtschaftlichen Aspekte genug Gewicht haben, um die sozialen Herausforderungen zu überwiegen. Der Vergleich mit dem Wolfgangsee zeigt, dass dort intensiver an Veranstaltungen und internationaler Vermarktung gearbeitet wird – vielleicht ein Ansatz, den man auch am Attersee stärker verfolgen könnte.
Die Debatte um Zweitwohnsitze ist also vielschichtig und wirft eine Menge Fragen auf. Wie wird sich die Lage entwickeln? Was können die Verantwortlichen tun, um ein Gleichgewicht zwischen den Bedürfnissen der Einheimischen und den rechtlichen Rahmenbedingungen für Zweitwohnsitze zu finden? Die Diskussion ist sicherlich noch lange nicht beendet. Weitere Informationen finden Sie auf ooe.orf.at.