Im malerischen Wels-Land, wo der Duft von frischem Obst und Wein in der Luft liegt, haben sich die Obstbauern der Region einen ausgezeichneten Ruf erarbeitet. Marillen, Kirschen und Äpfel aus Scharten sind über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt. Diese Früchte sind nicht nur für ihre Qualität geschätzt, sondern auch für die zahlreichen Preise, die die lokalen Bauern gewinnen. Ein ganz besonderer Stolz ist der „Gemischte Satz“ vom Firlingerhof, der kürzlich als beste Cuvée Österreichs von der internationalen Arbeitsgemeinschaft PIWI ausgezeichnet wurde. Horst Hubmer, ein Mitglied des Oberösterreichischen Weinbauverbands, äußert sich begeistert über die Auszeichnung und hebt die Bemühungen hervor, die Region als Weinbaugebiet zu etablieren.

Hubmer, der auf 30 Jahre Erfahrung im Obstbau zurückblicken kann, hat vor sechs Jahren die ersten Weinstöcke gepflanzt. Der Firlingerhof bewirtschaftet heute vier Hektar und erntet seit drei Jahren Trauben. In diesem Jahr erwartet er erstmals einen Vollertrag. Der Fokus liegt vor allem auf Weißwein und Rosé, während der Markt für Rotwein rückläufig ist. Trotzdem sieht Hubmer großes Potenzial für Schaumweine wie Sekt und Frizzante. Das Wissen aus der Mostherstellung wird dabei auf die Weinerzeugung übertragen, und die technischen Ausstattungen, wie Edelstahltanks und Obstpressen, kommen beiden Bereichen zugute.

Herausforderungen und Zusammenarbeit

Natürlich gibt es auch Herausforderungen. Die fehlende Erfahrung in der Kellerei wird als Hürde angesehen. Doch die Zusammenarbeit zwischen den Winzern in Oberösterreich wird als äußerst wichtig erachtet, um den Ruf der Region zu stärken. Hubmer betont die Notwendigkeit von Transparenz in der Zusammenarbeit mit anderen Winzern und den Konsumenten – ein Ansatz, der in der heutigen Zeit mehr denn je gefragt ist.

Ein wichtiges Event, das die lokale Weinkultur feiert, ist der „Tag der offenen Kellertür“ des Landesweinbauverbands Oberösterreich, der am 13. Juni stattfindet. Besucher können an diesem Tag die Produktionsstätten, Keller und Weingärten besichtigen und Kostproben von oberösterreichischen Weinen genießen. Zu den teilnehmenden Weingütern zählen der Firlingerhof, der Kronbergerhof, das Trattnachtaler Weinhaus und das Weingut Aichinger.

Die Zukunft des Weinbaus

Ein Aspekt, der immer mehr in den Fokus rückt, sind die pilzwiderstandsfähigen Rebsorten, auch bekannt als PIWIs. Diese Reben benötigen deutlich weniger Pflanzenschutzmittel und tragen zur Reduzierung der CO2-Bilanz bei. Echte Mehltau, eine Pilzkrankheit, stellt für viele Winzer eine Bedrohung dar, da sie die Traubenqualität erheblich beeinträchtigen kann. Der EU „Green Deal“ fordert eine Reduzierung chemischer Pflanzenschutzmittel bis 2030. PIWIs könnten hierbei eine zukunftsweisende Lösung darstellen.

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Obwohl nur etwa 3% der Rebflächen in Deutschland mit PIWIs bepflanzt sind, glauben Experten wie Joachim Schmid an deren langfristige Bedeutung im Weinbau. Jungwinzerin Anna Weinreuter hat bereits positive Erfahrungen mit diesen Sorten gemacht und integriert innovative Methoden, wie die Einbeziehung von Schafen zur Düngung und Bodenlockerung. Schaumweine aus PIWI-Trauben könnten eine interessante Verkaufsstrategie darstellen, da Verbraucher oft weniger auf die Rebsorte achten.

Genussvielfalt und Nachhaltigkeit

Die Züchtung neuer Rebsorten dauert in der Regel etwa 20 Jahre, hat jedoch den Vorteil, dass sie nicht nur gesund sind, sondern auch geschmacklich überzeugen. PIWI-Sorten wie Regent, Cabernet Blanc und Solaris bieten neue Geschmacksprofile, die sich von herkömmlichen Weinen unterscheiden. Regent zum Beispiel liefert tiefrote, gerbstoffbetonte Weine mit Aromen von Kirschen und Zwetschgen, während Solaris fruchtige Weine mit Aromen von Quitte und Karamell hervorbringt.

Die Vorteile für den Weinbau sind vielschichtig: eine Reduzierung der Pflanzenschutzmaßnahmen um bis zu 80%, weniger Überfahrten im Weinberg und damit auch weniger Bodenschädigungen. Für die Konsumenten bedeutet dies nicht nur eine Unterstützung nachhaltiger Weinerzeugung, sondern auch eine neue Genussvielfalt, die sich an die Herausforderungen des Klimawandels anpasst. Es bleibt spannend, wie sich die Weinlandschaft in Oberösterreich weiterentwickeln wird und welche neuen Genüsse uns die Winzer in Zukunft präsentieren werden.

Wie es aussieht, wird der „Tag der offenen Kellertür“ nicht nur eine Gelegenheit sein, die Weine der Region zu kosten, sondern auch ein Blick in die Zukunft des Weinbaus, der sowohl Tradition als auch Innovation miteinander verbindet.