Österreichs Bundesheer steht vor einem weiteren wichtigen Schritt in der Modernisierung seiner Luftstreitkräfte. Geplant ist der Kauf von zwölf Kampfjets des italienischen Herstellers Leonardo, mit einem Gesamtwert von über einer Milliarde Euro. Der Vertrag, der voraussichtlich in den kommenden Tagen unterzeichnet wird, stellt einen strategischen Schritt dar, denn er reagiert auf die Lücke, die seit dem Außerdienststellen der Saab 105 im Jahr 2020 besteht. Die offizielle Bekanntgabe des Deals wird für Ende dieser Woche erwartet, jedoch haben die zuständigen Ministerien für Verteidigung und Wirtschaft bislang keine Bestätigung gegeben.
Die Investitionssumme für den Vertrag wird aktuell zwischen 1,1 und 1,6 Milliarden Euro geschätzt. Kritiker äußern Bedenken hinsichtlich einer langfristigen verteidigungstechnischen Bindung an Italien. Dennoch wurde die M-346FA von Leonardo als „alternativlos“ bezeichnet, da sie alle 78 definierten Leistungskriterien erfüllt – im Gegensatz zu zwei Mitbewerbern, die lediglich 61 bzw. 26 Punkte erreichten. “Die neuen Jets werden sowohl für die Pilotenausbildung als auch für die Luftraumüberwachung eingesetzt”, erklärt ein Sprecher des Ministeriums.
Gegengeschäfte und Wirtschaftspotenzial
Ein wesentlicher Teil des Deals sind die geplanten Gegengeschäfte, die der heimischen Wirtschaft Aufträge im Umfang von über 200 Millionen Euro sichern sollen. Um die Rahmenbedingungen für diese Geschäfte zu klären, wurde eine Taskforce „Industriekooperation“ ins Leben gerufen. Diese umfasst Vertreter aus dem Wirtschafts- und Verteidigungsministerium sowie der Wirtschaftskammer und ist unter der Leitung von Wolfgang Peschorn, dem Kopf der Finanzprokuratur. Peschorn hatte zuvor Bedenken zu Gegengeschäften geäußert, insbesondere im Eurofighter-Untersuchungsausschuss 2018.
Paul Frühwirth, Geschäftsführer der AIA, betont die Notwendigkeit eines transparenten Prozesses für die Gegengeschäfte in Österreich. Experten empfehlen eine Kooperation mit europäischen Herstellern, um die Abhängigkeit von den USA zu minimieren. Die direkte Beschaffung unter Vermeidung von Vermittlern oder Lobbyisten wird als vorteilhaft erachtet, um eine schnellere und effizientere Umsetzung des Projektes zu gewährleisten.
Zukunft des Bundesheeres
Die neuen Mehrzweckkampfflugzeuge sollen nicht nur die Fähigkeit zur Luftraumüberwachung verbessern, sie ermöglichen auch die Rückholung der Pilotenausbildung nach Österreich, die zuvor ausgelagert war. Im Kaufpreis sind Flugzeuge, Ausbildungsstunden, Wartungspakete sowie Simulatoren und Bewaffnung enthalten, was eine umfassende Ausstattung garantieren soll.
Während das Bundesheer weiterhin auf die neuen M-346FA-Jets setzt, bleibt abzuwarten, wie sich diese Investitionen auf die österreichische Rüstungsindustrie und die damit verbundenen Arbeitsplätze auswirken werden. Die Entwicklung internationaler Sicherheitsstrategien, wie sie in der Schweiz beim Kauf neuer F-35-Kampfjets von Lockheed Martin zu beobachten sind, zeigt, dass auch in Österreich ein hohes Maß an Planung und Transparenz gefordert sein wird. “Nur so kann sichergestellt werden, dass Österreich im Bereich der Verteidigung auf zukünftige Herausforderungen angemessen reagieren kann”, so ein Verteidigungsexperte.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass dieser Deal mit Leonardo sowohl für die militärische Handlungsfähigkeit als auch für die heimische Wirtschaft zahlreiche Chancen birgt, jedoch auch mit Herausforderungen und politischen Debatten einhergehen wird.
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