In Reutte ist die Stimmung angespannt. Der WWF hat die E-Werke Reutte wegen ihrer Pläne zur Wasserableitung aus dem Namlosbach scharf kritisiert. Die Umweltschützer werfen den E-Werken vor, einen massiven Eingriff in die Natur als ökologisch unbedenklich darzustellen. Marlis Knapp, Sprecherin des WWF, bezeichnete dies als „dreiste Schönfärberei“. Der Namlosbach ist nicht irgendein Gewässer; er gehört zum geschützten Wildflusssystem Tiroler Lech, das für seine Bedeutung für die Biodiversität bekannt ist.

Die Erhaltungsziele des Tiroler Lech umfassen ausdrücklich auch Seitenzubringer wie den Namlosbach. Die geplante Wasserableitung könnte Lebensräume gefährden und die Flussdynamik erheblich stören. Besonders auffällig ist, dass der Oberlauf des Namlosbachs im Nationalen Gewässerschutzplan als ökologisch „sehr gut“ klassifiziert wird, während die E-Werke den Zustand nur als „gut“ bewerten. Ein klarer Widerspruch, der nicht unbeachtet bleiben kann.

Widerspruch zu den E-Werken

Der WWF lässt keinen Zweifel daran, dass die E-Werke die ökologische Bedeutung des Baches verharmlosen. Es wird gefordert, dass die E-Werke naturverträgliche Alternativen zur Wasserableitung entwickeln. Vorschläge wie Photovoltaik auf versiegelten Flächen oder Speicherlösungen könnten helfen, die Energiebedürfnisse zu decken, ohne die Natur zu gefährden. Denn moderne Energieplanung sollte den Schutz von Flusslandschaften ganz oben auf die Agenda setzen.

Zusätzlich kommt die Kritik von einem anderen Front, denn das Namloserbach-Kraftwerk überschreitet eine rote Linie in einem Naturschutzgebiet. Dieses Gebiet ist als europäisch ausgewiesenes Referenz-Fließgewässersystem anerkannt. Die eingereichte Planung wird nicht nur als großer Fehler angesehen, sondern auch als gesellschaftlich nicht vertretbar. Die Gemeinde und die E-Werke Reutte haben bereits vor einem Jahr den klaren Rat erhalten, diese Planung nicht weiter voranzutreiben. Ein starkes Zeichen, dass hier die Unversehrtheit des Namlosbachs auf dem Spiel steht.

Hohe Kosten für die Planung

Die Planungen und die damit verbundenen Behördenverfahren verursachen hohe Kosten, die viele als Steuergeldverschwendung betrachten. Es wird eine klare und nicht verhandelbare Position eingenommen, um für den Namlosbach einzutreten. Alle rechtlichen Mittel sollen ausgeschöpft werden, um den Erhalt dieses einzigartigen Ökosystems zu sichern. Ein Zitat von Landesumweltanwalt Johannes Kostenzer macht deutlich, wie ernst die Lage ist: „Die Unversehrtheit des Namlosbachs muss unbedingt geschützt werden.“

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Ein wenig weiter gefasst, könnte man auch über die Entwicklungen im Bereich der erneuerbaren Energien nachdenken. Eine Studie, die im Auftrag des Umweltbundesamtes durchgeführt wurde, zeigt, dass der geplante Ausbau der Erneuerbaren Energien in Deutschland den Wasserhaushalt der Gewässer verbessert. Nur bei großflächiger Nutzung zur Bewässerung von Energiepflanzen oder beim Ausbau tiefer Geothermie könnte es zu einer Verschlechterung kommen. Das wirft die Frage auf, ob der Schutz der Natur wirklich immer mit dem Bau neuer Kraftwerke in Konflikt stehen muss.

Insgesamt bleibt abzuwarten, wie sich die Situation rund um den Namlosbach entwickeln wird. Die E-Werke Reutte stehen in der Kritik, und die Umweltschützer geben nicht auf. Die kommenden Monate werden zeigen, ob ein Umdenken in der Energieplanung stattfinden kann und ob die Stimme der Natur gehört wird.