Sturm Graz rettet gegen Ried spät den Punkt – und Ingolitsch legt sich mit dem Schiedsrichter an
Sturm Graz und die SV Ried trennten sich in der ADMIRAL Bundesliga mit 2:2. Für Sturm war es ein Abend, der nach dem Schlusspfiff noch lange weiterging: Trainer Fabio Ingolitsch kritisierte Schiedsrichter Safak Barmaksiz scharf und sagte ihm direkt auf dem Spielfeld, dessen Leistung sei „ein Skandal“ gewesen.
Sportlich verpasste Sturm weitere Punkte im Titelrennen und liegt neun Punkte hinter Tabellenführer Rapid. Ried wiederum schien lange vor dem vierten Bundesliga-Sieg in Folge zu stehen. Am Ende rettete Belmin Beganovic die Grazer in letzter Minute.
Starker Beginn, dann die Rote Karte
Sturm startete offensiv. Oumar Diakite scheiterte in der 4. Minute an Ried-Torhüter Andreas Leitner, auch Paul Koller, Arjan Malic und Simon Seidl kamen zu Möglichkeiten. In der 31. Minute fiel schließlich das 1:0: Nach einer abgewehrten Flanke traf Simon Seidl flach ins lange Eck.
Kurz vor der Pause kippte die Partie. Nach einem VAR-Eingriff wurde Arjan Malic vom Platz gestellt. Er hatte Rieds Jeadin Rhodes beim Vorbeilaufen am Rücken getroffen, Barmaksiz zeigte ihm nach der Videoüberprüfung die Rote Karte. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte bekam Ried außerdem einen Elfmeter, nachdem Leon Grgic Hödl im Strafraum den Ball mit der Hand berührt hatte. Philipp Pomer verwandelte in der 5. Minute der Nachspielzeit zum 1:1.
Nach dem Seitenwechsel nutzte Ried die Überzahl und übernahm zunehmend die Initiative. Isaac Kiese Thelin köpfte nach einer Flanke von Fabian Rossdorfer zur 2:1-Führung ein. Die Quellen führen den Treffer einmal mit der 54. und einmal mit der 55. Minute an.
Ingolitsch bezweifelte, dass das Tor regulär entstanden war. Jon Gorenc Stankovic sei beim Verteidigen des Balls von dem mehr als 100 Kilogramm schweren Kiese Thelin von hinten mit beiden Händen umgestoßen worden. Dadurch sei es für Stankovic schwierig gewesen, den Ball zu verteidigen.
Beganovic trifft in der 92. Minute
Trotz Unterzahl hatte Sturm ein Chancenplus, fand gegen Rieds kompakte Defensive aber lange keine Lücke. Das änderte sich erst in der 92. Minute: Nach einer Hereingabe von Hödl und einer Fersenvorlage von Julian Halwachs traf der eingewechselte Belmin Beganovic aus kurzer Distanz unter die Latte. Beganovic hatte zuvor für Ried gespielt.
Auch danach war bei Ingolitsch der Ärger noch nicht verraucht. Nach dem Ausgleich waren etwa vier Minuten Nachspielzeit angezeigt worden. Nach dem Torjubel erhielt Sturm noch einen Freistoß, den die Grazer gern in den Strafraum gespielt hätten. Ingolitsch erwartete, dass dieser Freistoß noch ausgeführt wird.
Deshalb ging er nach dem Schlusspfiff zu Barmaksiz. Er sei nicht gelaufen und habe in normalen Worten gesprochen, erklärte der Trainer später. Beschimpft habe er den Referee laut eigener Aussage nicht, anschließend entschuldigte er sich für sein Verhalten. Barmaksiz habe seine Aussage, so Ingolitsch, nicht als Beleidigung aufgefasst.
Dennoch räumte der Sturm-Trainer ein, gegen die Regel verstoßen zu haben, wonach ein Trainer auf dem Spielfeld nicht auf den Schiedsrichter zugehen darf. Er sei zu emotional gewesen und habe sich in mehreren Situationen benachteiligt gefühlt. Sein Verhalten auf dem Spielfeld bezeichnete er als falsch; künftig müsse er eine solche Situation klüger lösen und einige Minuten abwarten.
Diskussion um Malic und die Kartenstatistik
Die Rote Karte gegen Malic bezeichnete Ingolitsch als vertretbar, falls der Rempler als Tätlichkeit gewertet werde. Der VAR Alan Kijas habe vermutlich eingegriffen, weil sich das Vergehen außerhalb des Blickfelds des Schiedsrichters ereignet hatte.
Ein Blick in die auf der Bundesliga-Website aufgeführte Kartenstatistik zeigt, wie breit das Thema reicht. Die Einträge nennen jeweils vier Werte, deren genaue Bedeutung im gelieferten Datensatz nicht erläutert wird. Der höchste ausgewiesene Wert beträgt 4: Alexander Hofleitner und Peter Michorl, beide GAK, stehen dort jeweils mit 4. Ebenfalls genannt wird Dominik Fitz vom WAC mit 4. Stephan Helm von Austria Wien ist mit 3 beim ersten Wert und 3 als letztem Wert angeführt.
Leon Klassen und Donovan Pines, beide GAK, weisen jeweils 3 auf. Xavier Mbuyamba vom LASK, Marco Sulzner vom WAC, Antonio Verinac von Austria Lustenau, Patrick Greil und Filip Milojevic vom SCR Altach sowie Stefan Schwab von der SV Ried sind ebenfalls mit jeweils 3 verzeichnet. Bei Jürgen Heil von Sturm Graz und Konstantin Schopp von Hartberg steht jeweils die Folge 3, 0, 1, 2.
Mehrere Spieler sind mit dem Wert 2 angeführt: Aleksandar Dragovic, Johannes Handl, Daniel Nnodim, Reinhold Ranftl und Matteo Schablas von Austria Wien, Yannick Oberleitner vom GAK, Melayro Bogarde vom LASK, Raffael Behounek, Otar Mamageishvili, Simon Piesinger, Marco Schabauer und Nicolas Wimmer vom WAC, Seydou Diarra und Danilo Soares von Austria Lustenau sowie Lukas Jäger vom SCR Altach.
Auch Jon Gorenc Stankovic, Albert Vallci und Luca Weinhandl von Sturm Graz stehen in dieser Gruppe. Dazu kommen Bendeguz Bolla, Petter Nosa Dahl, Serge-Philippe Raux-Yao und Nikolaus Wurmbrand von Rapid, Joris Boguo, Samuel Johansen Chukwudi, Lukas Malicsek, Fabian Rossdorfer und Pape Sissoko von Ried, Angelo Gattermayer und Fabian Wilfinger von Hartberg sowie Marco Boras, Raphael Gschösser, David Gugganig, Drew Murray und Marc Striednig von der WSG Tirol.
Bei mehreren dieser Einträge sind abweichende Werte wie 2, 1, 0, 1 angegeben, unter anderem bei Dragovic, Behounek, Piesinger, Wimmer und Vallci. Zahlreiche weitere Spieler aus Salzburg, Austria Wien, GAK, LASK, WAC, Austria Lustenau, Altach, Sturm Graz, Rapid, Ried, Hartberg und der WSG Tirol haben den Wert 1.
Einzelne Einträge tragen das Muster 1, 1, 0, 0: Robert Ljubicic vom LASK, Domenik Schierl von Austria Lustenau und Mike Bähre vom SCR Altach. Die übrigen aufgeführten Personen haben durchgehend 0, 0, 0, 0 verzeichnet. Diese Nullwerte betreffen unter anderem zahlreiche Spieler, Trainer und Funktionäre sämtlicher genannten Vereine.
Unter der Woche geht es im Cup weiter
Für beide Mannschaften bleibt kaum Zeit zum Durchschnaufen. Ried spielt am Dienstag im oberösterreichischen Derby beim LASK im ÖFB-Cup. Sturm gastiert am Donnerstag in Lustenau.
