Sonderausstellung zum Bauernkrieg 1525 und 1526 im Lungau eröffnet
Die Vorfreude war spürbar, als am 27. Juni 2026 in Tamsweg die Sonderausstellung „Er welle uns ganntz verprennen. Der Bauernkrieg 1525 und 1526 im Lungau“ feierlich eröffnet wurde. Rund 100 Gäste – darunter zahlreiche Ehrengäste aus der Politik, der Kirche und der Fachwelt – fanden sich im Kuenburgsaal ein. Ausstellungskoordinator und Museumsdirektor Klaus Heitzmann begrüßte die Anwesenden, unter denen sich auch der Landesrat Maximilian Aigner und Bürgermeister Wolfgang Pfeifenberger befanden. Die musikalische Umrahmung durch die Gruppe „Saltarello“ verlieh dem Anlass einen feierlichen Rahmen.
Heitzmann sprach über die historische Bedeutung des Bauernkrieges, der nicht nur für die damalige Zeit, sondern auch hinsichtlich seiner unterschiedlichen Interpretationen bis heute von Relevanz ist. Der Lungau, eine Region, die von diesen Ereignissen stark betroffen war, steht im Fokus der Ausstellung. Die „Aufsagbrief“ von Mai 1525, der die Region zum Anschluss zwang, bildet den Ausgangspunkt. Christoph Hofmeister wurde zum Anführer der Bauern gewählt und die Ausstellung dokumentiert eindrucksvoll die Plünderungen, Geldbeschaffungen und die Ausbreitung des Aufstandes nach Murau und Gmünd.
Ein Aufstand mit weitreichenden Folgen
Der Bauernkrieg selbst war ein überregionaler Aufstand im Heiligen Römischen Reich, der 1524 begann und 1525 ausbrach. Die ländliche Bevölkerung forderte eine Verbesserung ihrer Rechtsstellung und wirtschaftlichen Lebensbedingungen. Beeindruckend ist, dass die Aufstände durch die Reformation und das Streben nach einer Gesellschaftsordnung, die auf „Göttlichem Recht“ basierte, beeinflusst wurden. Aber die militärischen Maßnahmen gegen die Aufständischen wurden von den Landesherren, vor allem dem Schwäbischen Bund, unbarmherzig eingeleitet. Innerhalb weniger Monate wurden die Erhebungen niedergeschlagen, und schätzungsweise 70.000 bis 75.000 Menschen verloren ihr Leben.
Die Ausstellung zieht Parallelen zu aktuellen Protestbewegungen, wie den Mercosur-Protesten 2026, und stellt die zentrale Frage: „Wogegen protestieren Bauern?“ In der Zeit des Bauernkrieges war die rechtliche Verschlechterung der Bevölkerung entscheidend, während wirtschaftliche Not weniger eine Rolle spielte. Die Aufständischen forderten die Wahrung alter Rechte, nicht die Einforderung neuer. Das wird besonders deutlich, wenn man sich die „Zwölf Artikel“ von Memmingen betrachtet, die als frühe Menschenrechtsformulierung gelten.
Einblicke in die Ausstellung
Die restaurierte Kapelle dient als zentraler Ausstellungsraum, in dem Originaldokumente, kirchliche Leihgaben, Waffenfunde und Alltagsgegenstände präsentiert werden. Auch die Raumgestaltung von Karl Gappmaier und die grafische Umsetzung von Ursula Lüftenegger und der Agentur powerpage tragen zur visuellen und inhaltlichen Aufbereitung bei. Interessanterweise wurden auch Leihgaben von der Pfarre Tamsweg, der Marktgemeinde Tamsweg sowie von weiteren Personen bereitgestellt. Bildmaterial aus dem Kunsthistorischen Museum Wien, dem Salzburger Landesarchiv und dem Steiermärkischen Landesarchiv bereichert die Ausstellung.
Das Thema des Bauernkrieges ist nicht nur historisch bedeutend, sondern auch für die heutige Zeit relevant. Die Ausstellung kontextualisiert den Aufstand in eine Krisenzeit voller Kriege, Seuchen, Hunger und religiösen Spannungen. Die Deutung des Bauernkriegs variierte, und während Martin Luther die Aufstände verurteilte, sahen andere sie als Ausdruck sozialer Unruhen. Der Bauernkrieg wird in der Forschung als Vorläufer sozialer Bewegungen betrachtet.
Die Sonderausstellung läuft vom 30. Juni bis Ende September 2026 und von Ende Mai 2027 bis Mitte September 2027. Wer sich für die Geschichte und die sozialen Hintergründe dieser Zeit interessiert, sollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, die spannende und lehrreiche Ausstellung zu besuchen. Weitere Informationen finden Sie in der Quelle hier.
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