In der Pfarrkirche Engelhartszell standen am Sonntag, 4. Oktober 2026, vier Ehepaare im Mittelpunkt: Die Marktgemeinde und die Pfarrgemeinde ehrten die Jubelpaare des Jahres aus Engelhartszell und Stadl. Nach dem Gottesdienst ging es zum gemeinsamen Mittagessen ins Restaurant Bernhard’s.

Anita und Hubert Liebl feierten ihre Rubinhochzeit, also 40 gemeinsame Ehejahre. Theresia und Leopold Schabetsberger sowie Anna und Franz Paminger begingen jeweils die Goldene Hochzeit nach 50 Jahren. Maria und Walter Baumgartner blickten auf 60 Jahre Ehe zurück und feierten die Diamantene Hochzeit.

Rubinrot zwischen Silber und Gold

Die Rubinhochzeit liegt genau zwischen der Silberhochzeit nach 25 Jahren und der Goldenen Hochzeit nach 50 Jahren. Zugleich ist sie die letzte benannte Station vor dem goldenen Jubiläum und liegt noch zehn Jahre vor der Diamantenen Hochzeit. Fünf Jahre danach folgt die Messinghochzeit zum 45. Hochzeitstag.

Namensgeber ist der tiefrote Rubin. Der Edelstein erreicht auf der Mohs-Skala den Härtegrad 9 und liegt damit direkt hinter dem Diamanten. Rubinrot gilt als Festfarbe; der Stein steht für Liebe, Leidenschaft, Beständigkeit und Widerstandsfähigkeit. Traditionell wird zur Rubinhochzeit ein Rubin in den bestehenden Ehering eingearbeitet, wobei die Anfertigung mehrere Wochen dauern kann.

Gefeiert wird der 40. Hochzeitstag am Jahrestag der standesamtlichen Trauung. Dafür wird das Trauungsjahr um 40 Jahre erhöht, während Tag und Monat grundsätzlich gleich bleiben. Maßgeblich ist die standesamtliche und nicht die kirchliche Eheschließung. Fällt der Hochzeitstag auf den 29. Februar, gilt in Nicht-Schaltjahren der 28. Februar.

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Vom Dankgottesdienst bis zum Erinnerungsabend

Ein festgeschriebener Brauch wie der Silberkranz zur Silberhochzeit existiert bei der Rubinhochzeit nicht. Möglich ist vieles: eine Erneuerung des Eheversprechens, kirchlich oder mit freiem Trauredner, ein Dankgottesdienst, eine kirchliche Segnung oder ein Abend mit Fotos, Anekdoten und der Musik von damals. Auch die Größe bleibt dem Paar überlassen – vom Brunch zu zweit über ein Abendessen mit Familie und Freunden bis zur Kurzreise oder einem Fest mit mehreren Dutzend Gästen.

Wer größer plant, sollte Location und Termin sechs bis neun Monate vorher festlegen und die Einladungen acht bis zwölf Wochen vor dem Fest verschicken. Ein fixer Programmpunkt, etwa die Erneuerung des Eheversprechens, gibt dem Tag einen roten Faden. Rote Rosen, Dahlien, Kerzen, Servietten und Tischläufer passen ebenso zum Anlass wie Gold, Creme oder Anthrazit. Rubinrote Kristalle können als Tischstreu auf den Tafeln liegen.

Eine kirchliche Segnung ist grundsätzlich zu jedem Ehejubiläum möglich. Gemeinden verlangen dafür häufig vier bis acht Wochen Vorlauf, in der Hochzeitssaison gegebenenfalls mehr. Üblicherweise werden die Heiratsurkunde und bei einer kirchlichen Trauung auch der Traueintrag benötigt.

Beim Schmuck muss es nicht zwingend ein teurer echter Rubin sein. Behandelte oder synthetische Steine sind preisgünstigere Alternativen. Synthetische Rubine sind chemisch identisch sowie ähnlich hart und farbstabil; ein Zertifikat sollte die Herkunft des Steins ausweisen. Als Geschenke bieten sich außerdem ein Rubinring, ein Anhänger, Ohrstecker, Manschettenknöpfe, eine Uhr mit rotem Zifferblatt oder ein gravierter Siegelring an. Konservierte rote Rosen, ein Wellness-Wochenende, ein Fotoshooting, eine Reise zum früheren Hochzeitsort oder ein Erinnerungsalbum mit Beiträgen von Familie und Trauzeugen haben ebenfalls ihren Charme. Ein roter Wein aus dem Hochzeitsjahr kommt infrage, sofern er lagerfähig ist. Als übliche Geldgeschenkspanne werden 50 bis 150 Euro pro Person oder Paar genannt.

Keine amtliche Urkunde zum 40er

Eine amtliche Ehrung gibt es zur Rubinhochzeit nicht. Glückwunschurkunden von Bund und Ländern beginnen ab dem 50. Ehejahr, der Bundespräsident gratuliert ab dem 60. Ehejahr. Kommunale Glückwünsche setzen meist ebenfalls erst bei der Goldenen Hochzeit ein. Baden-Württemberg stellt Urkunden zum 50., 60., 65., 70. und 75. Hochzeitstag aus.

Wie selten 40 Ehejahre im Verhältnis zu kürzeren Ehen sind, zeigt ein Blick nach Deutschland: Das Statistische Bundesamt verzeichnete 2025 insgesamt 348.800 Eheschließungen und 130.100 Ehescheidungen. Die durchschnittliche Ehedauer bis zur Scheidung lag bei 14,6 Jahren – 40 Ehejahre liegen deutlich darüber.

Auch online ist das Jubiläum gefragt. Laut der im Artikel genannten Sistrix-Auswertung gab es im August 2026 monatlich 8.350 Suchanfragen zum Begriff „Rubinhochzeit“. Das entsprach Rang 6 unter 63 Jubiläumsnamen; die Silberhochzeit kam auf 13.000 Suchanfragen. Von 63 benannten Ehejubiläen tragen 19 einen Edelstein- oder Mineralnamen.

Eine lange Liste voller Holz, Metall und Edelsteine

Ehejubiläen beziehen ihre Namen meist aus der Welt der Metalle, Edelsteine, Pflanzen oder Materialien. Bekannt sind die Silberhochzeit nach 25 Jahren, die Goldene Hochzeit nach 50 Jahren, die Diamantene Hochzeit nach 60 Jahren und die Himmelshochzeit nach 100 Jahren. Im ersten Ehejahr gibt es sogar drei benannte Stationen: die Zitronenhochzeit nach drei Monaten, die Traumhochzeit nach sechs Monaten und die Bierhochzeit nach neun Monaten.

Die Bezeichnungen können regional variieren. Nach fünf Jahren wird etwa von Holz- oder Hölzerner Hochzeit gesprochen, mit mehreren Kindern auch von Fleißhochzeit, ohne Kinder von Ochsenhochzeit. Nach zwölf Jahren folgt die Nickelhochzeit, nach 12,5 Jahren die Petersilienhochzeit, die traditionell von Trauzeugen und Freunden organisiert wird. Die Petersilie soll dabei für die Würze und die Bedeutung gemeinsamer Mahlzeiten stehen.

Die Feier entscheidet das Ehepaar selbst: Kleine Jubiläen werden oft zu zweit oder im kleinen Kreis begangen, größere eher mit Gästen. Gezählt wird der Hochzeitstag ab dem Tag der Trauung; bei getrennten standesamtlichen und kirchlichen Trauungen kann die Berechnung unterschiedlich ausfallen. Geschenkideen orientieren sich häufig am Namen – Rosen zur Rosenhochzeit oder Aluminiumverpackungen zur Aluminiumhochzeit. Zur Rubin- oder Diamantenhochzeit werden oft passende Steine in Schmuck eingearbeitet, während sich manche Paare zur Silber- und Goldenen Hochzeit neue Eheringe anfertigen lassen.

Die Liste reicht von der Papierhochzeit nach einem Jahr über Baumwolle, Leder, Seide, Holz, Zucker, Kupfer, Blech und Keramik bis zur Rosenhochzeit nach zehn Jahren. Es folgen Stahl, Nickel, Veilchen, Elfenbein, Kristall, Saphir, Orchidee, Türkis, Perlmutt und Porzellan. Nach 30 Jahren heißt es Perlenhochzeit, danach Linden-, Seifen-, Zinn-, Knoblauch-, Bernstein-, Leinen-, Smaragd-, Malachit-, Aluminium-, Feuer- und Sonnenhochzeit, ehe der Rubin an der Reihe ist.

Im weiteren Verlauf kommen Birke, Granat, Blei, Sterne, Messing, Lavendel, Kaschmir, Amethyst und Zeder. Die Goldene Hochzeit nach 50 Jahren wird von Weide, Topas, Uran, Zeus, Platin, Astern, Jade, Engeln und den Gezeiten begleitet, bevor nach 60 Jahren die Diamantene Hochzeit folgt. Danach stehen Ulme, Aquamarin, Quecksilber, Himmel, Eisen, Schnittlauch, Stein, Gnade, Juwelen und Kronjuwelen auf der langen Namensliste. Insgesamt gibt es mehr als 80 verschiedene Bezeichnungen; laut dem Artikel hat bisher kein Ehepaar die 100-jährige Himmelshochzeit erreicht.

Manche Zuordnungen klingen heute beinahe kurios: Die Hammelhochzeit nach 6,25 Jahren hat laut Artikel eine unbekannte Bedeutung, ebenso die Sternenhochzeit nach 44 Jahren. Die Seifenhochzeit nach 32 Jahren soll vermutlich durch die Werbung einer Seifenfirma geprägt worden sein. Und bei der 64. Hochzeit wird zwar von Himmelshochzeit gesprochen, üblicherweise gehört dieser Name aber zum 100. Jahrestag.

In Engelhartszell war am 4. Oktober 2026 jedenfalls kein Namensrätsel nötig. Vier Paare, vier runde Ehejubiläen, ein Gottesdienst und danach ein gemeinsames Mittagessen bei Bernhard’s – manchmal darf es auch einfach ein schöner Sonntag sein.